Überlingen Einblicke in die Geburtshilfe am Helios Spital

Die Überlinger Klinik verfolgt das Konzept der natürlichen Geburt, sagt Dr. med. Roland Rein. Der Chefarzt will Missverständnisse aus dem Weg Räumen.

Anfang Oktober hat das private Geburtshaus am Bodensee eröffnet. Auch wenn sich nur rund zwei Prozent aller werdenden Mütter für eine Geburt zuhause oder im Geburtshaus entscheiden – diese zwei Prozent träfen ihre Wahl sehr bewusst, sagen die Hebammen Christine Franz und Maria Stosiek, die das Geburtshaus leiten.

Der weitaus größere Teil werdender Mütter bringt seine Kinder im Krankenhaus zur Welt. Dr. med. Roland Rein, Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe am Helios-Spital Überlingen, bedauert, dass diese Möglichkeit dennoch von vielen falsch beurteilt werde. Ihm liegt daran, Missverständnisse über den Geburtsort Krankenhaus beizulegen. "Der Unterschied zum Geburtshaus ist gar nicht so extrem, wie viele meinen", erklärt Rein. Er übernahm vor drei Jahren die Leitung der Geburtshilfe am Helios-Spital. "Bei unseren monatlichen Kreißsaalführungen stoße ich immer wieder auf dieselben Vorurteile und löse immer wieder großes Erstaunen aus, wenn ich diese widerlege."

Viele werdende Eltern kämen mit der Vorstellung, dass nach Plan ein Wehentropf gelegt, die Fruchtblase geöffnet und ein Dammschnitt gemacht werde und man mit einem Schritt schon im Operationssaal für den Kaiserschnitt sei. Nichts davon treffe zu, sagt der Chefarzt. Er und sein Team streben eine möglichst natürliche Geburt an. Im Kreißsaal seien die Hebammen die zentralen Ansprechpartnerinnen, während die Ärzte sich weitgehend zurückhielten und medizinisch nur eingreifen, wenn es notwendig sei – und auch dann nur in Absprache mit der Hebamme. Direkt nach der Geburt liege das Kind bei der Mutter und es kehre erst einmal totale Ruhe im Kreißsaal sein.

Der Betrieb sei ruhig, erklärt Rein. Selten komme es vor, dass zwei Geburten gleichzeitig zu betreuen seien: "Auch wenn es jetzt, dank stetig steigender Geburtszahlen, in Richtung 600 Geburten pro Jahr geht, geht es noch immer ruhig zu bei uns." Worauf das falsche Bild der Klinik-Geburt basiert? Roland Rein kann sich das nur damit erklären, dass Berichte aus den riesigen Perinatalzentren, von Frühgeburten, das Bild der Geburtshilfe in Krankenhäusern prägen. Es entspreche in einer Klinik wie der Überlinger aber nicht der Realität.

Rein erklärt: "Der größte Unterschied zu Haus- und Geburtshausgeburt ist: Wir haben hier medizinische Möglichkeiten und können direkt vor Ort Maßnahmen ergreifen, wenn es doch nötig werden sollte." Eine gute Zusammenarbeit mit den hiesigen Hebammen und dem Geburtshaus sei ihnen wichtig, ergänzt Pflegedirektorin Daniela Klesel: "Wird eine Haus- oder Geburtshausgeburt abgebrochen, kommen sie zu uns. Natürlich können die vertrauten Hebammen hier die Mütter weiter begleiten – bis in den OP, falls das tatsächlich nötig werden sollte." Christine Franz vom Geburtshaus am Bodensee hat diesbezüglich gute Erfahrungen gemacht: "Das Krankenhaus ist nicht weit von unserem Geburtshaus, da können wir, falls nötig, schnell die werdende Mutter verlegen, und die Zusammenarbeit klappt gut." Das Helios-Spital Überlingen ist eines von wenigen Krankenhäusern, die nicht auf das Beleghebammensystem, also die Arbeit mit Hebammen auf Honorarbasis, umgestellt haben. Hier sind alle Hebammen fest in Teil- oder Vollzeit angestellt. "Wir sind stolz darauf, dass wir das halten konnten", sagt Pflegedirektorin Daniela Klesel.

Die Hebammen sind alle nebenher freiberuflich tätig, sodass sie die Vor- und Nachsorge der in der Klinik Gebärenden aus einer Hand bieten können. Roland Rein sieht wie seine Kolleginnen in der Festanstellung nur Vorteile, darunter bessere und schneller Absprachen im Team. Er ist froh, dass das Krankenhaus in diesem Bereich nicht dem wirtschaftlichen Druck nachgegeben hat.

 

"Ganz persönliche Entscheidung"

Dr. med. Roland Rein ist Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe im Helios-Spital Überlingen. Im Interview spricht er darüber, für welche Frau welcher Geburtsort geeignet ist: Klinik, Geburtshaus oder Zuhause.

Anfang Oktober eröffnete in Überlingen ein neues Geburtshaus. Wir berichteten darüber und, dass sich manche Frau in einem solchen Umfeld besser aufgehoben fühlt als in der Klinik. Für wen ist welcher Geburtsort geeignet?

Das können die Frauenärzte und Hebammen während der Schwangerschaft schon ganz gut beurteilen. Deren Einschätzungen, ob es eine Low-risk- oder High-risk-Geburt wird, sind sehr zuverlässig. Danach können sich die werdenden Mütter richten.

Was ist, wenn Frauen während der Geburt zu Ihnen verlegt werden müssen?

Wir nehmen sie mit offenen Armen auf. Wenn gewünscht, kann die Hebamme, die die Geburtshaus- oder Hausgeburt betreut hat, natürlich dabeibleiben. Wir verfolgen hier ebenso das Konzept einer natürlichen Geburt und greifen nicht mehr ein als notwendig.

Also: Geburtshaus oder Klinik?

Ich persönlich würde immer eine Geburt in der Klinik bevorzugen. Wenn doch etwas Unvorhergesehenes geschieht, hat man hier gleich die entsprechenden Handlungsmöglichkeiten. Aber wenn sich eine Frau für eine Geburtshaus- oder Hausgeburt entscheidet, akzeptiere ich das selbstverständlich. Das ist eine ganz persönliche Entscheidung, die im Einzelfall mit der Hebamme und dem Frauenarzt abgestimmt werden sollte.

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