Überlingen Die „Perlen“ punkten beim Publikum

Mit ihren Kultstücken haben die Noltes, Birgit Nolte-Michel und Oliver Nolte, bei ihrem Auftritt im Gewölbekeller der Überlinger Culture Lounge geglänzt.

Sie sind angekommen, die Noltes. Das Publikum im Gewölbekeller der neuen Culture Lounge ließ sich von den ersten Episoden um „Perle“ gerne anstecken, die rund um Stuttgart längst Kult geworden ist. Für die Überlinger waren es zwar Premieren, doch Birgit Nolte-Michel und Oliver Nolte hatten sie mit ihren Kompositionen und Texten an der alten Spielstätte schon hundertfach glänzen lassen. Umso bewundernswerter die Intensität und mitreißende Spielfreude, die sie an den Tag legten. Als sei es die erste und letzte Aufführung zugleich. Dass dem nicht so sei, damit tröstete Oliver Nolte am Ende alle, die keine Karten mehr bekommen hatten. „Keine Bange, Sie haben uns jetzt an der Backe.“ Für die Zuschauer war dies mitnichten eine Drohung. Nicht einmal, als Nolte schon an eine „lange Nacht der Perlen“ avisiert.

Die Inszenierungen haben es in sich, denn „Klein“ ist diese „Kunst“ keineswegs. Eine furiose Verbindung gehen hier der sprachliche Witz, die schauspielerische Intensität und die außergewöhnliche musikalische Qualität bei Gesang und Begleitung ein. Ein Garant dafür ist der ebenso feinfühlige wie virtuose Musiker Michael Hauenstein, der die Emotionen – ob in Dur oder moll – in ausdrucksvolle Klänge verwandelt und bisweilen als Alter Ego der Protagonisten Freud und Leid als Echo reflektiert.

Da ist die beeindruckende Stimme von Birgit Nolte-Michel, egal ob mit Power oder piano. Ihre anfängliche Zuversicht weicht bald der Verzweiflung. Wunder dauern eben etwas länger. So muss das Publikum mit „Perle“ unzählige emotionale Extreme zwischen Hoffnung und Resignation durchleben. Bis Otto im Finale endlich vor ihr steht, verstummt und sie wortlos anschmachtet.

Vorher muss „Perle“ durch viele Täler der Tränen. „Sind Sie verheiratet?“, macht sie in ihrer Verzweiflung die Männer im Publikum durch. Jedes „Ja“ lässt sie noch lauter schluchzen, um schließlich doch zum Ratgeber zu greifen: „Von der Kunst, den Mann des Lebens zu finden.“ Viele Regeln gilt es dabei zu beachten. Ihre Erkenntnisse gerinnen zu musikalischen Ohrwürmern, wenn „das Männchen jagt das Weibchen“. Doch was tun, wenn keiner jagen will. Wessen subtiler Sprache Kind sie sind, unterstreichen die Noltes auch mit wenigen eingestreuten Gedichten von Heinz Erhardt. „Nichts bleibt mir als mich zu grämen, gestern sprang ich in den Bach. Um das Leben mir zu nehmen, doch der Bach war viel zu flach.“

Es war ein mitreißender und viel versprechender Auftakt, von dem Theatermacher und Publikum gleichermaßen begeistert waren und mit dem die Noltes die ersten Duftmarken setzten. Von der Leichtigkeit eines Stückes dürfe man nicht aus den Charakter eines anderen schließen, warnt Oliver Nolte. Mit ihrem „Faust“-Projekt werden die Noltes wieder etwas ernster. Doch im April wird das Überlinger Publikum zunächst als Premieren mit Chansonkunst bei einem Piaf-Abend und im Mai mit schwarzem Humor („Mord und Taktschlag“) beglückt, auch die „Perle“ ist wieder dabei. „Ohne schmeicheln zu wollen“, attestieren Oliver Nolte und Birgit Nolte-Michel auch ihren Zuschauern hier „ein sehr feinsinniges Gespür“, die auch zarten Wortwitz goutierten – und stehend applaudierten.

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