Überlingen "Der verlorene Sohn": Galerie Fähnle stellt Fotografie und Malerei in Dialog

Die Galerie Fähnle zeigt eine Ausstellung zum Thema "Der verlorene Sohn", mit Grafiken Hans Fähnles und Till Rimmeles Fotografien.

Größer denn je war der Ansturm an Besuchern und die kleine Galerie Fähnle platzte fast aus allen Nähten, als Vorsitzende Ulrike Niederhofer die zweite Vernissage der Saison "in diesem wunderbaren Kubus hoch über dem See" eröffnete. Beeindruckend war schon der Auftakt von Julika Hing mit einem Lied aus der "Dreigroschenoper". Vor ihrer Einführung dankte Niederhofer der Stadt, den Förderern und Mitstreitern im Verein, die die Ausstellung erst ermöglicht hätten.

"Wir setzen mit dieser Ausstellung unseren Weg fort, die Galerie auch für andere Künstler zu öffnen", erklärte Ulrike Niederhofer. Gleichzeitig versuche man, das Werk von Hans Fähnle in einen Dialog mit jungen zeitgenössischen Künstlern zu stellen. In einer Kooperation mit der Kunstschule Stuttgart habe die Galerie im Vorjahr schon damit begonnen und sich hier dem Themenfeld "Porträts" gewidmet. Der aktuelle Dialog unter dem Titel "Der verlorene Sohn" sei besonders spannend, sagte Niederhofer, die Gegenüberstellung von Fähnles Bildern mit Fotografien des jungen Überlinger Fotografen rege zum Nachdenken an, auch wenn dies zunächst befremdlich erscheinen möge.

Maler Hans Fähnle (1903 bis 1968) hatte das Motiv "Der verlorene Sohn" in zahlreichen Gemälden und Grafiken festgehalten.
Maler Hans Fähnle (1903 bis 1968) hatte das Motiv "Der verlorene Sohn" in zahlreichen Gemälden und Grafiken festgehalten. | Bild: Hanspeter Walter

Jeder kenne das biblische Gleichnis vom "verlorenen Sohn", in dem die Liebe des Vaters jegliches Fehlverhalten hintan stelle und seiner unbedingten Zuneigung und Freude Ausdruck verleihe. Hans Fähnle muss das Thema sehr berührt und beschäftigt haben. In zahlreichen Varianten hat er es aufgegriffen, in Gemälden und in Grafiken. "Was hat es uns heute noch zu sagen?" Die Ausstellung rege dazu an, dieses Beispiel in einen weiteren Kontext zu stellen und aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Viele Motive Fähnles entstanden während des Krieges oder danach in einem Lazarett. Schon der Ort schlägt den Bogen zu Till Rimmeles Fotografien im ukrainischen Krieg. "Was geschieht denn, wenn der Krieg beendet sein wird?", formulierte Hansjörg Straub. "Werden die Kämpfer wieder aufgenommen – als verlorene Söhne?" Männer aus 18 Nationen seien dort aktiv. Rimmele mache "keine Kriegsberichterstattung", erklärte Straub, "sondern er zeigt Menschen." Eindrücklich auch die Schilderungen des jungen Fotografen vom Alltag im modernen Kriegsgeschehen. Und dem Problem, bei aller Nähe zu den Menschen als Außenstehender eine Neutralität zu wahren. Meist sei es sehr ruhig dort. "Man hört nicht viel, wenn nicht gerade ein Panzer vorbeikommt", schildert Rimmele. Die Ausstellung ist regelmäßig sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet sowie nach Vereinbarung.

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