Überlingen/Region Das Sterben der kleinen Blumenläden

Einige kleine Blumenhändler in der Region um Überlingen haben ihre Geschäfte geschlossen. Vielen macht die Konkurrenz mit Billigware zu schaffen. Antje Herfurth, Vizepräsidentin des Fachverbandes Deutscher Floristen Baden-Württemberg und Inhaberin des Blumenhaus Herfurth in Überlingen, sorgt sich aber nicht um die Zukunft ihrer Branche.

Heutzutage kann man Blumen an jeder Ecke kaufen. Das Dutzend Rosen gibt es schon für kleines Geld, auch mit-Fairtrade Siegel sind die aus Kenia oder Südamerika angelieferten Sträuße nur unwesentlich teurer. Discounter und Supermärkte haben das ganze Jahr über Schnittblumen und sogar Topfpflanzen im Sortiment und bieten zur Weihnachtszeit auch Adventsgestecke. In jedem Baumarkt gibt es neben frischen Sträußen auch gleich Vasen, Blumenerde, Übertöpfe und anderes Zubehör. Nach Ladenschluss gibt es bei der Tankstelle noch den fertigen „Floristenstrauß“ und rund um die Uhr kann jeder auf dem Feld „Blumen selber schneiden“.

Blumenhändler Nessler in Meersburg musste schließen.
Blumenhändler Nessler in Meersburg musste schließen.

Dem Verbraucher ist das Sterben der Tante-Emma-Läden bekannt. Auch von den Schwierigkeiten der kleinen Bäckereien in Konkurrenz zu den großen Billiganbietern haben die meisten Kunden schon gehört. Ist das schleichende Verschwinden der kleinen Blumenläden auch schon ins Bewusstsein gedrungen? Ein kurzer Blick in die Region: Blumenhaus Haller in Uhldingen-Mühlhofen, früher mit eigener Gärtnerei in Bermatingen – geschlossen. Die Gärtnerei Wegener war drei Generationen lang in Daisendorf mit Gewächshaus – dort stehen nun Mehrfamilienhäuser mit Garagen. Das Blumenhaus Nessler, Meersburg, – früher auch mit Gewächshaus und Freiluftbeet – hatte eine Zeit lang noch zu stark frequentierten Zeiten wie Allerheiligen geöffnet, mittlerweile ist das Ladengeschäft komplett geschlossen. Der Blumenladen in Oberuhldingen – zum Ende des vergangenen Monats geschlossen. Laut Plakat-Aushang an der Tür gibt es Gestecke für besondere Anlässe zumindest noch auf Vorbestellung.

Aushang in geschlossenen Blumenladen in Oberuhldingen.
Aushang in geschlossenen Blumenladen in Oberuhldingen.

Hartnäckig dagegen hält sich das Gerücht, dass die Blumenhändler den Valentins- und den Muttertag erfunden hätten, um sich eine „goldene Nase“ zu verdienen. Abgesehen davon, dass der Ursprung dieser Tag nichts mit den Floristen zu tun hat, ist der überwältigende Verdienst an diesen Tagen auch nur ein Märchen. Sylvia Wunderlich vom Blumenstüble Meersburg äußert sich dazu: „Natürlich sind das für uns umsatzstarke Tage, aber keiner sieht, dass wir vorher viele Stunden mehr, teils Nächte lang arbeiten.“ Wie in vielen anderen kleinen Geschäften arbeitet sie alleine, da der Laden nicht genug abwirft, um Personal zu beschäftigen. Problematisch für die kleinen Läden, die zumeist auch keine großen Kühlhäuser haben, um die verderblichen Naturprodukte frühzeitig en gros einzulagern, ist weiterhin, „das der Großhandel vor diesen Tagen auch die Preise anzieht“, beschreibt sie die Situation. So sei der Umsatz zwar schon höher, aber der Gewinn steige nicht in dem Maße. Rote Rosen zum Beispiel seien an diesen Tagen vom Großhändler her so teuer, dass sie sie zu einem Preis weitergeben müsse, den sie selbst nicht zahlen würde. So mutet sie diese Preise auch nicht ihren Kunden zu und bietet die Rosen nur auf Vorbestellung an.

Blumen Haller in Uhldingen-Mühlhofen ist geschlossen.
Blumen Haller in Uhldingen-Mühlhofen ist geschlossen. | Bild: Lorna Komm

Überhaupt sei Kundenservice eine der wenigen Möglichkeiten, gegen die große Konkurrenz zu punkten. Sylvia Wunderlich setzt, wie sie sagt, „wie all die kleinen Blumenläden auf Individualität und Qualität“. Sie erfüllt spezielle Kundenwünsche, bindet individuelle Sträuße für alle Gelegenheiten und setzt auf Blumen mit kurzen Wegen aus regionaler Herkunft. Damit seien die Blumen noch sehr frisch und erfreuen den Kunden länger.
 

"Wichtig, auf der Höhe der Zeit zu sein"

Antje Herfurth ist Vizepräsidentin des Fachverbandes Deutscher Floristen Baden-Württemberg und Inhaberin des Blumenhaus Herfurth in Überlingen. Die Floristikmeisterin engagiert sich auch im Aufsichtsrat der Landesgartenschau (LGS) Überlingen, dort vertritt sie ebenfalls die Interessen des Fachverbandes, der im Aufsichtsrat jeder LGS vertreten ist.

Sehen Sie ein sterben gerade kleiner Blumengeschäfte im ländlichen Raum in der Region?

Nein, das kann man so nicht sagen. Generell findet ein Generationenwechsel statt, das sehe ich aber durchaus positiv.

Was meinen Sie damit ganz konkret?

Es ist heute wichtig, in unserer Branche auf der Höhe der Zeit zu sein, man sollte sein Geschäft entwickeln und auch der Eindruck, den die Geschäftsräume vermitteln, ist wichtig. Das stellt große Anforderungen auch an die Ausbildung des Personals. Den kleinen Inhabergeführten Ein-Personen-Betrieb wird es in Zukunft eher selten geben. Wildromantisch, zurück zur Natur, also auch Blumen direkt vom hiesigen Erzeuger, ist zum Beispiel ein starker Trend, wie auch Fair-Trade-Produkte, die wir in unserem Geschäft auch anbieten.

Dann kann man die Blumen ja auch auf den Feldern selbst pflücken – auch das ist doch Konkurrenz?

Ja durchaus, aber dann muss man die Blumensträuße auch selbst aufbinden und vielleicht auch bei Regen in die Felder gehen.

Günstiger als im Blumenladen ist der Strauß bei Aldi oder die Topfpflanze bei Obi. Sehen sie darin einen Grund zur Aufgabe der Blumengeschäfte?

Auch da ein klares Nein. Sicher ist das so, aber man kann nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Die Fachberatung bieten wir und bei uns erhalten sie einen individuellen Brautstrauß oder auch ein Trauergebinde. Noch mal: Gute Fachbetriebe sind innovativ und bilden gut aus. Die Billigschiene wird es immer geben und natürlich geht da die Schere auf wie – in anderen Branchen auch. Wir haben in zehn Jahren acht Lehrlinge ausgebildet, mit viel Engagement und Herzblut. Also ich kann den Beruf des Floristen nur empfehlen. Dieser Beruf ist noch nicht sehr alt und bietet viel Potenzial zur Entwicklung. Ich übe ihn mit Leib und Seele aus und habe sehr viel Spaß daran. (lko)

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