Überlingen Besorgte Bürger informieren sich zum Thema Gasförderung am See

Das Thema beunruhigt die Menschen: Der Veranstaltungssaal im Hotel "Ochsen" war beim Vortrag zum Thema Gasförderung am See voll. Vor allem das umstrittene "Fracking" ruft Skepsis hervor.

Jörn Krüger erläuterte engagiert und kompetent die Probleme und Gefahren des "Fracking", bei dem mit fragwürdigen Methoden Gas gewonnen werden soll.
Jörn Krüger erläuterte engagiert und kompetent die Probleme und Gefahren des "Fracking", bei dem mit fragwürdigen Methoden Gas gewonnen werden soll.
Die Veranstalter vom „Bürgersinn“ waren selbst überrumpelt vom Andrang auf ihre Veranstaltung zum Thema Gasgewinnung am Bodensee: Rund 80 Interessierte drängten ins Hotel „Ochsen“. Jörn Krüger aus Nordwalde im Münsterland – selbst als Anwohner betroffen und seitdem Sprecher der Initiative „Gegen-Gasbohren“ – präsentierte als Referent den Stand der Technik und ihre mannigfachen Probleme sowie die Rechtslage und den aktuellen Stand in Deutschland. Dabei berief er sich auf Infomaterial der Förderer selbst und auf Berichte aus der heimischen Presse und vom WDR.

Henning von Jagow, Vorsitzender des Vereins „Bürgersinn“, hob die besondere Bedeutung des Bodensees hervor, mit seinem Tourismus und als „Wasserspeicher für mehr als vier Millionen Menschen“. Jetzt gebe es eine neue Gefahr, berichtete Krüger, nämlich eine spezielle Methode zur Gasförderung. Die Konzessionen rund um den Bodensee seien großenteils durch zwei britische Firmen erworben.

Am Bodensee komme durch die Art der Gesteinsschichten nur die „unkonventionelle Gasförderung“ in Frage, das sogenannte „Fracking“ (siehe Infokasten). Im Gegensatz zu seiner Heimat, in der die Initiative die Entwicklung bisher aufhalten konnte, sei dieses Verfahren in Niedersachsen schon weit verbreitet. Damit auch die Probleme, obwohl sie noch weit von den Ausmaßen entfernt seien, wie sie in den USA bereits auftauchten. Neben den direkten Gefährdungen durch den Druck und die eingesetzten Chemikalien seien vor allem ungeeignete Ablaufleitungen für das Lagerstättenwasser für Umweltschäden verantwortlich. So seien in Niedersachsen entlang der Leitungen Äcker verseucht, weil die benutzten PE-Leitungen nicht benzoldicht seien.

Besondere Kritik übte Krüger an der Gesetzeslage und an der Praxis der Behörden: „Das aus preußischen Wurzeln stammende Bergrecht lässt den kommunalen Gremien kaum Rechte.“ Und: „Viele Behörden benutzen das Infomaterial der Lobbyisten als offizielles Material.“ Eine rege Diskussion im Anschluss, zu der vor allem Roland Schick vom Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung BWV aus Sipplingen, regionale Details beisteuern konnte, machte deutlich, dass unter den Besuchern des Vortrags die Angst groß war und sie durchaus Bedarf erkennen, selbst eine Interessensgruppe wie im Münsterland zu gründen.

Info: "Fracking"
Kommentar: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Ihre Meinung ist uns wichtig
Mehr zum Thema
Fracking am Bodensee: Stecken in der Erde unter dem Bodensee Vorkommen von Gas und Öl? Konzerne vermuten das. Mit dem Fracking-Verfahren könnte man die Bodenschätze ausbauten. Womöglich ist das Verfahren aber eine Gefahr für die Umwelt.
Historische Momente
Neu aus diesem Ressort
Bodenseekreis
Überlingen
Überlingen
Überlingen
Überlingen
Überlingen
Die besten Themen
Kommentare (1)
    Jetzt kommentieren