Überlingen Baustelle Uferpark: Riesiges Interesse an Führung auf dem Landesgartenschaugelände

Das Interesse war enorm: Rund 180 Bürger kamen zu den Führungen auf dem Landesgartenschaugelände. Die Terrassierung und neue Perspektiven werden bereits erkennbar. Beim moderiertem Workshop in Nußdorf sprudelten konstruktive Ideen.

Rund 180 Bürger konnte Oberbürgermeister Jan Zeitler im Garten der Landesgartenschau-Geschäftsstelle im ehemaligen Haus des Gastes begrüßen und zeigte sich erfreut über die große Resonanz zum Spaziergang über die Baustelle des künftigen Uferpark am westlichen Stadteingang. "Sie werden einige Überraschungen erleben", versprach Zeitler und erklärte, dies sei keineswegs ironisch mit Blick auf die gefällten Bäume gemeint.

Überrascht waren einige Teilnehmer bei der Führung in der Tat, allerdings eher von der Tatsache, dass weniger Bäume fehlten als sie nach der heftigen Kontroverse erwartet hatten. Besonders positiv aufgenommen wurden in den von Roland Leitner, Edith Heppeler und Annette Stoll-Zeitler begleiteten Gruppen insbesondere die neuen Blickbeziehungen zum See, die schon erkennbare Terrassierung und die Treppenzugänge zum Wasser. Wobei gerade hier auch die eine oder andere kritische Stimme zu Details wie der Stufenbreite für Menschen mit beträchtlicher Schuhgroße geäußert wurden.

Leitner, Heppeler und Stoll-Zeitler erläuterten gleich zu Beginn am Bahnhof Therme die beginnende Straßenverlegung und den Verlauf der künftigen Trasse ebenso wie den hier geplanten Hügel als ersten topografischen Hochpunkt und Auftakt zum Uferpark. Hier werde auch die Buswendeschleife für Zubringer geplant. "Es sind mehr Bäume stehen geblieben, als manche vielleicht gedacht hatten", griff Stoll-Zeitler die Verwunderung einiger Teilnehmer auf. Wertfrei forderte sie auch auf, die Baumstümpfe zu beachten. An einigen sie die verminderte Vitalität deutlich zu erkennen. Zudem verwies sie auf die aufgestellten jungen Linden in Pflanzkübeln, die insbesondere Fledermäusen zwischenzeitlich als Orientierung dienen könnten.

Vom Steinmetz ordentlich aufgeschichtet und bei Bedarf bearbeitet liegen Teile der Sandsteinmauer, aus denen die Treppenstufen zum See hinunter gelegt werden. Erste Abschnitte konnten schon besichtigt und erprobt werden. "Wir gehen ganz pfleglich mit dem jedem Stein der Ufermauer um und schmeißen keinen davon weg", erklärte Annette Stoll-Zeitler: "Wir verarbeiten fast alle auf dem Gelände. Aus Alt mach Neu." Dies gelte auch für die nachhaltige Nutzung des gebrochenen Materials der alten Betonmauer, das zu einem kleinen Berg aufgeschüttet ist.

Erkennbar wird an einigen Stellen auch die Wasserhaltung mit schweren Kunststoffsäcken, die eine Arbeitsfläche frei halten und so den Einbau der Uferbefestigung ermöglichen. So arbeite man sich Stück für Stück voran. Neue Ausblicke überraschten die Besucher insbesondere bei der Goldbacher Kapelle, die unter Beachtung der Schutzbedürftigkeit der alten Fresken begrenzt zugänglich gemacht werden wird. Landschaftsperspektiven von höherer Warte aus ermöglicht der Hügel unmittelbar davor, der mit Stauden bepflanzt werden soll.

Schon vor Ort brachte Peter Epinatjeff ein Thema ins Gespräch, das beim anschließenden Workshop noch viele Kreise ziehen sollte. Mit einem Foto aus Castrop-Rauxel demonstrierte er die Idee eines kleinen Amphitheaters, das zunächst nur zum Verweilen einladen und den entspannten Blick in die Landschaft eröffnen sollte – sei es im Abendrot oder in einer sternenklaren Nacht. Wenn es dann noch bei Gelegenheit kleiner Treffpunkt, Tanzboden oder Theaterstandort sein könne, sei dies ein dauerhafter Gewinn.

Der Traum vom kleinen Amphitheater

  • Ein Drittel der Baustellengänger kam auch zum Workshop nach Nußdorf und grübelte an fünf Tischen über mögliche Nachnutzungen im Uferpark. Einige hatten schon vorab fleißig gebastelt. Das Amphiteater, das Peter Epinatjeff auf der Baustelle mit einem Foto demonstrierte, hatte Peter Schütte schon dreidimensional umgesetzt. Auch in anderen Gruppen war dies ein Thema. Sabine Wuermeling würde dies gerne für Chorkonzerte nutzen, Thomas Weber auch fürs Theater. Entsprechend variierten die Wünsche an Infrastruktur und Standort.
  • Doch Roland Leitner hatte zuvor explizit zum freien Denken ohne Schere im Kopf aufgefordert. Wenn eine Idee nicht am geplanten Ort realisierbar sei oder zu teuer erscheine, müsse sich die Stadt eben Gedanken machen, ob und wo diese umsetzbar wäre. So solle auch der Seesportplatz künftig sinnvoller genutzt werden.
  • Taucher hatten ihre Interessenvertreter gut in die Gruppen gestreut. Neben Ralf Münzenmayer als Vorsitzender der Bodensee-Aquanauten und Dirk Diestel von der Tauchgruppe Überlingen erklärte der Sipplinger Klaus Gilmer die besondere Qualität des Tauchplatzes, der unmittelbar an die Bebauung anschließt. "Das ist einer der besten Plätze am ganzen See", sagte er und fand Verständnis für den Wunsch nach Parkplätzen oder anderen Lösungen zum Transport der schweren Gerätschaften.
  • Einen Radweg für Parkplätze zu opfern und die Radler stattdessen durch den Park zu führen, hielt Alexander Rohe für störend und wenig zielführend. Der Überlinger Landschaftsarchitekt, der Stadtplaner in Sigmaringen ist, suchte nach alternative Lösungen für die Taucher. So kamen elektrische Caddys oder Trolleys ins Gespräch, wie man sie von Golfplätzen kennt. Rohe könnte sich auch einen kleinen Campingbereich für Radler oder Wanderer vorstellen, der nur mit Sondergenehmigung und für eine limitierte Zeit genutzt werden darf.
  • Weitere Schwimmstege als Bootsanleger, wie sie an der Promenade schon vorhanden sind, schlug Rolf Briddigkeit vor. Dies laufe allerdings den Interessen von Schwimmern und Tauchern entgegen, machte Taucher Münzenmayer deutlich. Innerhalb von 150 Metern sei bei Anlegestellen sowohl Schwimmen als auch Tauchen verboten.
  • Für einige Großsportgeräte, wie man sie aus Parks in China, Neuseeland oder Spanien kenne, plädierte Gertrud Weber und wünschte sich auch geeignete Standorte, um Gymnastik, Tai-Chi oder Yoga unter freiem Himmel und mit Blick auf den See ausüben zu können. Ein Barfußpfad und eine Kneippanlage waren ebenso Vorschläge wie ein Kräuterpfad, Klangspiele und ein Grillplatz. Eine dauerhafte oder zumindest saisonale Gastronomie wurde ebenso gewünscht wie eine ausreichende Zahl von Toiletten. Nicht nur für Menschen – auch eine Hundewiese hatten die Teilnehmer im Visier. (hpw)

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