Überlingen Arbeitskreis "Friedensregion Bodensee" lädt zur Diskussion

Im Vorfeld der Bundestagswahl setzen sich die Kandidaten der im Parlament vertretenen Parteien mit Friedenspolitik auseinander. Der Arbeitskreis "Friedensregion Bodensee" veranstaltet am 11. September eine Podiumsdiskussion zum Thema „Frieden schaffen – mit Friedens- oder mit Kriegslogik?“

Als Bernd Wipper vor ein paar Jahren seinen Lebensmittelpunkt von Tübingen nach Überlingen verlegte, machte der pensionierte Arzt eine für ihn verstörende Entdeckung: in der schönen Urlaubsregion am Bodensee gibt es mehr als 20 Unternehmen, die für die Rüstungsindustrie arbeiten. Er hatte sich schon länger mit Friedenspolitik beschäftigt, nun, im Ruhestand, beschloss er, sich aktiv für den Frieden einzusetzen – auch seinen Enkelkindern zuliebe: "Ich habe mich gefragt: Welche Welt hinterlasse ich ihnen?"

Er trat dem Verein "Keine Waffen vom Bodensee" bei, wo er unter anderem auf Bernhard Liehl traf. Gemeinsam mit dem pensionierten Lehrer und einigen weiteren Mitstreitern rief Wipper vor knapp vier Jahren den Arbeitskreis "Friedensregion Bodensee" ins Leben. Im Gegensatz zum Dachverein geht es den mittlerweile knapp 20 aktiven Mitgliedern nicht nur darum, die Waffenproduktion einzudämmen, sondern die Probleme an den Wurzeln zu packen. "Unsere Vision ist, dass wir irgendwann ohne Militär nationaler Provenienz auskommen", sagt Bernd Wipper.

Auch wenn die Mitglieder wissen, dass sie etwas verfolgen, "was in Überlingen nicht so gern angefasst wird"(Liehl), lenken sie mit verschiedenen Aktionen immer wieder den Fokus auf das Thema Frieden. Dabei spielt die Tatsache, dass gerade hier eine Vielzahl von Rüstungsunternehmen beheimatet ist, eine untergeordnete Rolle: "Auch, wenn es die Rüstungsindustrie hier nicht gebe, müsste es uns trotzdem geben", sagt Bernhard Liehl. "Wenn man etwas erreichen möchte, setzt das voraus, dass man auch etwas unternimmt."

Besorgt über die Aufrüstungspolitik der Nato und die Erhöhung der Militärausgaben veranstaltet der Arbeitskreis Friedensregion Bodensee deshalb im Vorfeld der Bundestagswahl erstmals eine Podiumsdiskussion. Zum Thema „Frieden schaffen – mit Friedens- oder mit Kriegslogik?“ haben die Mitglieder die Kandidaten der im Parlament vertretenen Parteien eingeladen. Leon Hahn (SPD), Markus Böhlen (Grüne) und Claudia Haydt (Linke) haben ihre Teilnahme zugesagt, Lothar Riebsamen (CDU) schickt seinen Vertreter Christian Natterer. Die Moderation wird Andreas Zumach übernehmen, der einem breiten Publikum als UNO-Korrespondent und als Sachverständiger für Außen- und Sicherheitspolitik bekannt ist und 2009 mit dem Göttinger Friedenspreis ausgezeichnet wurde.

Die Bundestagskandidaten werden am Montag, 11. September, ab 19 Uhr in der Aula der Waldorfschule Überlingen zu den Themen Erhöhung der Militärausgaben, Rüstungsexporte, Alternativen zu Militäreinsätzen, Atomwaffenverbotsvertrag der UNO und dem Ausstiegsszenario der badischen Landeskirche aus der militärischen Friedenssicherung Stellung beziehen. "Wir hoffen auf eine lebhafte Diskussion", sagt Bernhard Liehl.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Historische Momente
Neu aus diesem Ressort
Überlingen
Überlingen
Überlingen
Überlingen
Überlingen
Überlingen
Die besten Themen
Kommentare (2)
    Jetzt kommentieren