Überlingen Andelshofer kämpfen um ihr Schulhaus

Trotz jahrelanger Gespräche können sich die Stadt und die Dorfgemeinschaft Andelshofen nicht auf ein Pachtverhältnis einigen. Die Verwaltung erwägt ­deshalb jetzt auch einen Verkauf des Gebäudes. Doch der Gemeinderat spielt bei diesen Plänen nicht mit und hat den Andelshofern die Chance eingeräumt, bis September ein Nutzungs- und Finanzierungskonzept zu erarbeiten.

Die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Andelshofer Bürgern und der Stadt Überlingen über den Erhalt des alten Schulhauses in Andelshofen sind mittlerweile fast so alt, wie das Gebäude selbst. Nachdem das ehemals selbstständige Dorf 1928 per Dekret in die Stadt eigemeindet worden war, ging auch das 1846 erbaute Gebäude in den Besitz der Stadt über – und somit auch die Unterhaltspflicht. Doch damals wie heute gab und gibt es Ärger wegen des Geldes. „Ein Antrag auf Sanierung im Jahr 1938 wurde vom Bürgermeister der Stadt Überlingen abgelehnt, da sich die Finanzlage der Stadt wesentlich verschlechtert hatte“, hat Peter Höring recherchiert.

Nach neun Jahren Gesprächen noch keine Lösung

An dieser Situation hat sich auch 80 Jahre später wenig geändert. Bereits seit 2009 laufen bezüglich des stark sanierungsbedürftigen Schulhauses Gespräche zwischen der Stadtspitze und Bürgervertretern aus Andelshofen. Die Andelshofener würden das Gebäude gerne als Veranstaltungsstätte nutzen. Zwar ist die Stadt hierzu prinzipiell bereit, fordert aber eine entsprechende Pacht. Außerdem muss die Frage geklärt werden, wer für die Instandsetzung und den Unterhalt des historische Bauwerks verantwortlich ist. Seit bald zehn Jahren gibt es nun Angebote und Gegenangebote – aber bislang keine Einigung. Die Verwaltung will das jetzt nicht länger mit ansehen und ein Ergebnis erzwingen. „Im Hinblick auf die weiterhin notwendigen Maßnahmen zur Konsolidierung des städtischen Haushalts sowie den zwischenzeitlich vorhandenen Grundsätzen der Vergabe von Grundstücken und Gebäuden an Vereine, aber auch im Hinblick auf den sich weiterhin verschlechternden baulichen Zustand in der Substanz des Gebäudes muss nun zeitnah eine Entscheidung bezüglich der Vergabe des Areals auf der Basis eines Erbbaurechts oder eines Verkaufs erfolgen“, schrieb die Verwaltung bereits vor gut einem Jahr in einer Vorlage für die Mitglieder des Finanzausschusses.

Stadt sieht keinen Nutzen mehr für das Gebäude

Da man das Gebäude mit Blick auf die klammen Kassen nicht mehr unterhalten wolle und es auch nicht mehr benötige, erwägt die Stadt nun also auch den Verkauf von Gebäude und Grundstück. Für die Andelshofer ein undenkbares Szenario: „Hier entsteht gerade eine Gemeinschaft. Ein Verkauf des Gebäudes würde diese zum Bröckeln bringen“, sagt Joachim Schäuble, Vorsitzender des Vereins Dorfgemeinschaft Andelshofen (DGA), der 2012 aus einem losen Zusammenschluss der Bewohner hervorgegangen war. Und seine Vorstandskollegin Sabine Maschke ergänzt: „Wir benötigen einen Ort, an dem man sich begegnen kann. Da nehmen wir der Stadt auch Aufgaben im sozialen Bereich ab.“ Deshalb hat sich der 90 Mitglieder starke Verein prinzipiell bereit erklärt, die Kosten für die Sanierung zu übernehmen. So habe man bereits über 4000 ehrenamtliche Arbeitsstunden und 1500 Euro in die Sanierung des Schulsaals investiert. Dieser wird heute neben der DGA auch vom Kirchenchor, der Narrenvereinigung und für Seniorennachmittage genutzt.

Geforderte Pacht ist Dorfgemeinschaft zu hoch

Nicht bereit ist die DGA hingegen, die von der Stadt geforderte Pacht zu zahlen. Nachdem die Verwaltung die Summe mehrfach nach unten korrigiert hatte, steht aktuell ein Angebot von 5520 Euro pro Jahr im Raum. „Sollte dieses Angebot erneut abgelehnt werden, wird die öffentliche Ausschreibung des Anwesens zum Verkauf angestrebt“, hieß es jüngst in einer Gemeinderatsvorlage. Doch dazu bedarf es der Zustimmung des Gemeinderats. Und der spielt bislang nicht mit. Im Oktober 2017 beantragten die Fraktionen von LBU/Grüne, FW/ÜfA, SPD und CDU, der Dorfgemeinschaft das Schulgebäude gegen eine Pacht von 100 Euro pro Monat zu überlassen. Die DGA verpflichte sich im Gegenzug dazu, die 120 Quadratmeter große Wohnung im Dachgeschoss zu renovieren und zu vermieten. Dabei sei zu beachten, dass man bei der DGA nicht den von der Stadt festgelegten Erbpachtzins von vier Prozent für Vereine anwenden könne. „Es geht hier nicht um einen klassischen Verein, sondern um einen Stadtteil Überlingens.“

Vereinsgründung auf Rat der Stadt

So sieht das auch Joachim Schäuble. Der Verein sei 2012 nur auf Anraten der damaligen OB Sabine Becker gegründet worden, da man Rechtssicherheit haben wollte – „und jetzt wird uns das negativ ausgelegt.“ Dabei habe Andelshofen im Vergleich zu den Teilorten wie Nußdorf, Bambergen oder Nesselwangen den Nachteil, dass das Dorf bereits 1928 und nicht erst in den 1970er-Jahren eingemeindet wurde und deshalb nicht den Status als Teilort hat. Immer wieder wurde deshalb angeregt, einen eigenen Ortschaftsrat für Andelshofen einzurichten, dieser hätte dann auch ein Anrecht auf eine Versammlungsstätte. „Wir würden das begrüßen“, sagt Joachim Schäuble, weiß aber: „Das ist derzeit überhaupt nicht denkbar.“ Dennoch hofft er, dass die Stadt mit der Absenkung der Pacht auf 100 Euro pro Monat den Andelshofern zumindest symbolisch entgegenkommt.

Schonfrist bis Mitte September

„Nach Auffassung der Verwaltung ist ein Erbbauzins von nur 1200 Euro pro Jahr kein angemessenes Nutzungsentgelt für das ehemalige Schulhaus Andelshofen“, machte die Stadtspitze aber bereits klar. Noch bleibt der Gemeinderat aber bei dieser Forderung und hat der DGA in seiner letzten Sitzung nochmals eine Schonfrist bis Mitte September gegeben, in der die Andelshofener ein stimmiges Nutzungs- und Finanzierungskonzept entwickeln sollen. Erste Ideen gibt es bereits: So soll die Wohnung im Obergeschoss vermietet werden – am liebsten an Gewerbetreibende. Zudem soll der ehemalige Schulsaal künftig für Feiern an Privatpersonen und für Proben von Vereinen, etwa jener, die das Telekomhaus in der Langgasse verlassen müssen, gegen Bezahlung angeboten werden. Zudem hofft die DGA auf Spenden. „Aber wir sind noch am Anfang“, sagt Schäuble, der dennoch optimistisch ist, den Gemeinderat überzeugen zu können: „Vom Grunde her sind wir zuversichtlich – waren das aber schon einmal.“

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