Überlingen Adventskalender der Überlinger Persönlichkeiten: Ursula Bubo

Im Adventskalender der Überlinger Persönlichkeiten stellen wir hinter Türchen Nummer sieben Ursula Bubo vor.

Ursula. Bis in die 60er Jahre hinein ein äußerst verbreiteter und beliebter weiblicher Vorname. Das heutige Wissen darum, dass im 13. Jahrhundert eine der Frauen, die diesen Namen tragen, in Überlingen wichtige Spuren hinterlassen hat, verdanken wir allerdings einem Mann. Der Überlinger Chronist Jakob Reutlinger hält in einer Notiz fest, dass es seinerzeit eine Inschrift am Eingang des ursprünglichen Spitals gab, das sich bis Mitte des 19. Jahrhunderts am Landungsplatz befand. Diese Inschrift besagte, dass Ursula Bubo gemeinsam mit ihrem Ehemann Heinrich Bubo das einstige Spital in Überlingen stiftete.

Aufgrund der spärlichen Quellenlage ist über Ursula selbst zwar leider nicht viel bekannt, fest steht jedoch, dass sie in ihrem Leben Großes bewirkt hat. Gemeinsam mit ihrem Mann gehört sie zu den wohlhabenderen Bürgern der Stadt und sie muss eine sehr gütige und großzügige Frau gewesen sein. Mit der Stiftung des Spitals nimmt sie nachhaltig Einfluss auf das Leben der Überlinger. 

Wie Wolfgang Bühler in "Ein Gang durch die Geschichte" beschreibt, war das Spital für das Leben in der Stadt eine prägende Institution. „Die Aufgabe der Fürsorge und Betreuung [] übernahm in den Städten die vermögende Bürgerschaft.“ Dank der Großzügigkeit von Stiftern wie Ursula und Heinrich Bubo ist es den Spitälern möglich, sich um diejenigen zu kümmern, mit denen es das Leben weniger gut meint. Dazu zählen nicht nur Kranke und Frauen im Kindbett; auch die Versorgung von Bedürftigen wie Armen, Alten, Obdachlosen und Waisenkindern ist Aufgabe des Spitals. Abgesehen von den hygienischen Zuständen der damaligen Zeit, führt ebendiese Mischung dazu, dass auch die eigentlich gesunden Menschen sich schnell mit Krankheiten anstecken. Die schwerpunktmäßige Verlagerung der Spitäler auf die Krankenpflege setzt sich jedoch erst ab dem 17. Jahrhundert durch.

In diesem Durchgang des Alten- und Pflegeheims St. Franziskus wird an das Stifterpaar Bubo erinnert.
In diesem Durchgang des Alten- und Pflegeheims St. Franziskus wird an das Stifterpaar Bubo erinnert. | Bild: Eva-Maria Bast

Selbst wenn die großzügigen Schenkungen einem rein selbstlosen Antrieb entspringen, so gehen sie doch auch für die Stifter mit einem Mehrwert einher, wie Bühler weiter festhält, denn sie werden „durch Erteilung von Ablässen durch die Kirche begünstigt“ und bieten den Stiftern „die Möglichkeit einer eigenen Versorgung bei Alter, Not und Krankheit“. Die Geschichte des Überlinger Spitals reicht weit zurück. Man nimmt an, dass das erste, eben jenes von den Bubos gestiftete, bereits um 1250 existiert. Ein eigentlich dunkles stadtgeschichtliches Kapitel, das Judenpogrom 1349, führt dazu, dass das Spital etwa 100 Jahre später die ebenfalls dort ansässige jüdische Synagoge erwirbt. Mit den hinzugewonnenen Räumlichkeiten kann die Kranken- und Pflegestation erweitert werden. Zu dieser Zeit dürfte auch das steinerne Stifterrelief, das Ursula und ihrem Mann Heinrich Bubo zu Ehren ebenfalls ursprünglich am Spital angebracht wurde, entstanden sein. Seiner stilistischen Beschaffenheit zufolge stammt es vermutlich aus dem zweiten Drittel des 14. Jahrhunderts und ist in seiner Art einzigartig. Obwohl in der Zeit der Gotik entstanden, zeigt das Relief Merkmale auf, die eher in die stilistische Epoche der Romanik gehören. Es ist damit das einzige Relikt aus dieser kunstgeschichtlichen Epoche, das in Überlingen noch erhalten ist.

Etwa 600 Jahre lang befindet sich das Spital an seinem ursprünglichen Platz. Während dieser langen Zeit sind die Spitalgebäude beständig der Feuchtigkeit am Landungsplatz ausgesetzt, was sich an der Bausubstanz bemerkbar macht. Daher nutzt man 1854 die Gelegenheit, die sehr abgewirtschafteten Räumlichkeiten gegen ein trockeneres Plätzchen im Stadtinneren zu tauschen, und erwirbt das ehemalige Kloster der Franziskaner. Der Umzug erfolgt drei Jahre später, die alten Spitalgebäude werden 1858 abgerissen. Übrig geblieben ist das Stifterrelief, heute zu sehen im Durchgang zwischen der Franziskanerkirche und dem Südflügel des Alten- und Pflegeheims St. Franziskus. Und auch ein Krankenhaus gibt es in Überlingen nach wie vor – bekanntermaßen.

 

Der Adventskalender

In unserem diesjährigen Adventskalender widmen wir uns Menschen, die Überlingen zu dem gemacht haben, was es heute ist. Menschen, die auf die eine oder andere Weise Spuren hinterlassen, die die Stadt geprägt haben. Bisher erschienen: Hermann Hoch, Wilhelm Levi, Jörg Zürn, Andreas Reichlin von Meldegg, Herzog Gunzo.

 

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