Überlingen Adventskalender der Überlinger Persönlichkeiten: Museumsinitiator Theodor Lachmann

Der Sammelleidenschaft von Theodor Lachmann ist zu verdanken, dass Überlingen heute das Städtische Museum hat. Der praktizierende Arzt und leidenschaftliche Sammler setzte 1871 seinen Plan in die Tat um, ein Museum zu gründen.

Welche Sitten und Bräuche prägen einen Landstrich kulturell? Diese Frage stellt sich auch Theodor Lachmann (1835-1918). Ursprünglich in Konstanz geboren, zieht er, vermutlich im Erwachsenenalter, nach Überlingen und lässt sich dort als praktizierender Arzt nieder. Mit seinem Schwiegervater, dem Überlinger Verleger und Lokalhistoriker Franz Xaver Ullersberger, verbindet ihn das Interesse für Brauchtum und Geschichte seiner Heimat.

Als Arzt ist Lachmann viel unterwegs und lässt sich von seinen Patienten Sagen und Geschichten aus der Vergangenheit erzählen. Unter dem Titel "Überlinger Sagen, Bräuche und Sitten" veröffentlicht Lachmann 1909 seine gesammelten Kenntnisse, die 1972 überarbeitet und neu verlegt werden. Aber schon all die Jahre zuvor ist er in Sachen Kulturgeschichte höchst engagiert. Als 1868 der Verein für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung entsteht, ist Lachmann einer der Mitbegründer. 

Zwei Jahre später beginnt er damit, altertümliche Gegenstände aller Art zu sammeln. Seine Absicht ist es, ein Heimatmuseum zu eröffnen, um die Überlinger Kulturgeschichte erlebbar zu machen und anschaulicher zu gestalten. Bereits ein Jahr darauf, 1871, kann er seinen Plan in die Tat umsetzen und gründet das Überlinger Museum. Unter allen kulturhistorischen Museen des Bodenseeraums ist das Städtische Museum Überlingen heute eines der ältesten und der größten. In seinen Anfängen beschränkt sich der Umfang der Ausstellung jedoch zunächst auf einen Raum im Zeughaus an der Seepromenade; das Museum eröffnet unter dem Namen "Kulturhistorisches und Naturalienkabinett".

1871 eröffnet im Zeughaus das erste kulturgeschichtliche Museum in Überlingen. Die Sammlung Theodor Lachmanns legte den Grundstein.
1871 eröffnet im Zeughaus das erste kulturgeschichtliche Museum in Überlingen. Die Sammlung Theodor Lachmanns legte den Grundstein. | Bild: Elena Oliveira

Die zunehmende Anzahl an Museumsexponaten macht 1885 den Umzug in das Steinhaus notwendig. Dort nimmt die Ausstellung bereits zwei Stockwerke in Anspruch, bevor 1913 der zweite Umzug erfolgt. Insgesamt 20 000 Objekte wechseln dabei den Standort.

Seither befindet sich das Überlinger Städtische Museum in den ehrwürdigen Mauern des einstigen Patrizierhauses der Familie Reichlin von Meldegg. Die dortige Ausrichtung geht insbesondere auf den Kunstmaler und späteren Stadtarchivar Victor Mezger (1886-1947) zurück, der sich vehement für den Erhalt des Reichlin-von-Meldegg-Hauses einsetzt. Gemeinsam mit seinem Bruder betreibt er in Überlingen seit 1897 eine Kunstwerkstätte, mit über 400 Mitarbeitern zeitweise der größte Arbeitgeber der Stadt, und betreut das Museum als Nachfolger Lachmanns. In seinem Nachruf auf Theodor Lachmann schreibt der damalige Vereinspräsident Victor Mezger 1918: "Wenn heute dieses prächtige Gebäude wieder in seiner einstigen Schönheit da steht und seine Räume mit all den Gegenständen täglichen Gebrauches so trefflich sich ausstatten ließen, so ist das in erster Linie Lachmanns Initiative und Sammeltätigkeit zu danken."

52 Jahre später freut sich Victor Mezger junior, dass auch nach sieben Jahrzehnten "Sinn und Gehalt dieser Sammlungen erhalten geblieben" sind. Er beglückwünscht die Stadt Überlingen zur Entscheidung, das Museum in das einstige Patrizierhaus zu verlegen, denn neben den Ausstellungsstücken verdient auch der Ausblick Beachtung: "ein einzigartig schönes Bild der Verflechtung von Stadtbild und Landschaft".

Ebenfalls 1913 lässt die Stadt zu Ehren seines Gründers eine Büste in den neuen Räumlichkeiten des Museums aufstellen. Noch heute begrüßt das Antlitz Theodor Lachmanns jeden seiner Besucher. Im Nachruf des Geschichtsvereins heißt es außerdem über den 1918 verstorbenen Lachmann: "Ein treuer Sohn und Bürger der Stadt Überlingen [...], dessen Namen, insbesonders in Überlingen, noch von spätern Geschlechtern dankend und verehrungsvoll genannt werden wird."

 

Adventskalender

In unserem diesjährigen Adventskalender widmen wir uns Menschen, die Überlingen zu dem gemacht haben, was es heute ist. Menschen, die auf die eine oder andere Weise Spuren hinterlassen, die die Stadt geprägt haben. Bisher erschienen: Hermann Hoch, Wilhelm Levi, Jörg Zürn, Andreas Reichlin von Meldegg, Herzog Gunzo, Ursula Bubo.

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