Überlingen Adventskalender der Überlinger Persönlichkeiten: Herzog Gunzo

Im sechsten Teil des Adventskalenders der Überlinger Persönlichkeiten geht es um Herzog Gunzo.

"In dieser Burg residierte 641 Gunzo; Herzog von Schwaben und Alemannien" ist auf der Fassade des Gebäudes zu lesen, das einen gar prachtvollen Namen trägt: die Gunzoburg. Eine ziemlich große Spur, die dieser Gunzo hinterlassen hat – wenn es ihn denn wirklich gab. Und darüber streiten die Quellen. Fakt ist jedoch: Anders als es die Inschrift glauben machen will, hat Gunzo in der Gunzoburg auf keinen Fall gewohnt, denn das Haus ist wesentlich jünger als der Herzog und stammt wahrscheinlich aus dem 13. Jahrhundert, als die Stadt über seine Verteidigungsmauern hinauswuchs und der zweite Ring gebaut wurde.

Eine Quelle, in der Gunzo genannt ist, ist die Vita des Heiligen Gallus. Dort wird der Heilige von "dem Herzog Gunzo in der Villa Iburninga" dazu aufgefordert, sich bei ihm einzufinden, weil "die einzige Tochter desselben Fridiburga sich in hoffnungslosem Zustande befand; denn ein böser Geist war in sie eingezogen und plage sie mit unglaublichen Qualen. Sie nahm nur wenig Speise, wälzte sich schäumend auf der Erde und nur vier Männer konnten sie halten." Für die Austreibung dieses bösen Geistes bietet Gunzo dieser Überlieferung zufolge dem Heiligen neben reichen Geschenken auch den Bischofssitz der Stadt Konstanz an. Gallus lehnt zunächst ab, hilft dem Mädchen aber doch, die Geschenke verteilt er an die Armen.

Der Heilige Gallus in einer Darstellung aus dem 15. Jahrhundert.
Der Heilige Gallus in einer Darstellung aus dem 15. Jahrhundert. | Bild: Joachim Schäfer – Ökumenisches Heiligenlexikon

Den Bischofssitz nimmt er nicht an, da es ihm sein Mentor, der heilige Columban von Luxeuil (540-615) nicht gestattet, stattdessen schlägt er einen seiner Schüler, Johannes, vor, der schließlich auch Bischof wird: "Johannes hielt eine, von Gall lateinisch entworfene Einweihungsrede in alemannischer Sprache. Alles zerfloß in Thränen", heißt es in der "Geschichte der Großherzoglich badischen Landschaften" von Ludwig Fecht. Dieser bringt auch die Ereignisse um die Tochter Gunzos in Überlingen hiermit in Verbindung: "Ohne die Begebenheit in Ueberlingen wäre die plötzliche Umwandlung Gunzo's von einem Verfolger in den wärmsten Verehrer und thätigsten Fürsorger kaum erklärlich". 

Denn noch kurz zuvor war Gunzo anscheinend den Mönchen und dem Christentum wenig zugeneigt. Die wenigen Christen und Missionare standen noch unter dem Schutz des fränkischen Königs, "sodass sich der von der erbitterten Bevölkerung beeinflußte Graf Gunzo nicht gegen sie einzuschreiten wagte", wie "Die Anfänge des Christentums und der Kirche in Baden" von Joseph Sauer schildern. Dies änderte sich mit dem Tod des Königs Theuderich II. (587-613). Nun verbannte Herzog Gunzo den Lehrer Gallus, den heiligen Columban aus seinem Herrschaftsgebiet.

Doch es gibt eben auch Literatur, die annimmt, dass Gunzo gar nicht existiert hat, wie etwa Dieter Geuenich in seiner "Geschichte der Alemannen" annimmt. Etymologisch lässt sich Gunzo, wie der Historiker Hagen Keller aufzeigt, mit Herzog Gundoin aus der "Vita Germani" von Constantius von Lyon (um 420/430-494) aus dem 5. Jahrhundert übereinbringen. Doch in dieser Vita ist Gundoin Herzog des Elsaß, also links des Rheins. Gunzo herrschte aber rechts des Rheins, also können sie nicht ein und dieselbe Person gewesen sein.

Es gibt Quellen, die seine Existenz bestreiten, es gibt Quellen, die ihn ausführlich beschreiben. Von sich reden gemacht hat Gunzo aber auf jeden Fall, so sehr, dass man ihn auch Jahrhunderte nach seinem Tod nicht vergessen hat. So beschwert sich der Landwirt, dem im 19. Jahrhundert die Gunzoburg gehörte, dass so viele Besucher kämen. Denn im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts hatte der Maler Johann Sebastian Dirr (1766-1830) das Gebäude in Überlingen mit dem noch heute erhaltenen Fresko versehen, das Gunzo darstellen soll und das Haus kam als "Gunzoburg" in die Reiseführer. Der Landwirt fühlte sich "durch Fremde stark belästigt" und wollte daher 1919 die Erlaubnis, "den altertümlichen Eindruck des Hauses verwischen" zu dürfen. Zum Glück ist dies nicht geschehen.

 

Adventskalender

In unserem diesjährigen Adventskalender widmen wir uns Menschen, die Überlingen zu dem gemacht haben, was es heute ist. Menschen, die auf die eine oder andere Weise Spuren hinterlassen, die die Stadt geprägt haben. Bisher erschienen: Hermann Hoch, Wilhelm Levi, Jörg Zürn, Andreas Reichlin von Meldegg.

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