Überlingen Adventskalender der Überlinger Persönlichkeiten: Andreas Reichlin von Meldegg

Sie hinterließen Spuren: Hinter dem zweiten Türchen des Adventskalenders der Überlinger Persönlichkeiten verbirgt sich Andreas Reichlin von Meldegg.

Man kennt ihn: Andreas Reichlin von Meldegg (um 1400-1477) ist auch lange nach seinem Tod in Überlingen ein Begriff – nicht zuletzt wegen des Palastes, der den Namen seiner adeligen Familie trägt. Dieses eindrucksvolle Gebäude, das heute das Museum beherbergt, wurde 1462 von dem Arzt samt der Luzienkapelle errichtet: "Wie Reichlin von Meldegg herrliche und stattliche Behausung allhie oben am Luzenberg ist anno 1462 von Andress Reichlin von Neuem erbaut worden. Darin ein Capell zu Ehren Sct. Lucien, von welcher der Bluthenberg den Namen Luzenberg bekam", ist in der "Geschichte der Familie Reichlin von Meldegg" von Hermann Reichlin von Meldegg aus dem Jahr 1881 festgehalten.

Das prachtvolle Überlinger Museum ist Andreas Reichlin von Meldegg zu verdanken.
Das prachtvolle Überlinger Museum ist Andreas Reichlin von Meldegg zu verdanken. | Bild: Städtisches Museum Überlingen

Andreas Reichlin von Meldegg ist kein gebürtiger Überlinger. Erst 1455 zieht er von Konstanz, das sich damals noch mit "C" schrieb, herüber. Ein Jahr später ist er bereits Bürger der Stadt: "Anno 1456 Dienstag nach Skt. Gallentag hat ain Rath allhie zu Überlingen den fürsichtigen, ersamen und wolgelehrten Andressen Reichlin, ainen Lehrer der freyen Künste und Arzney unsern Herrn und gut Freundt zu einem Bürger uff und angenommen inhalts aines Brieves so Im dessweg gegeben worden ist", wie dem Buch über die Geschichte seiner Familie zu entnehmen ist. 

Andreas Reichlin von Meldegg macht in Überlingen auf vielfältige Weise von sich reden. Nicht nur als Bauherr des schönen Palastes ist er bekannt, sondern er gilt auch als geschickter Schlichter in Streitfragen, etwa 1470, als zwischen dem Rat und der "Caplaneien" Streitigkeiten wegen der jährlichen Steuern aus deren Gütern entbrennen. Allerdings schlichtet Reichlin von Meldegg nicht nur, er teilt auch gerne mal aus. Das lässt sich zum Beispiel aus einem "Urtheil gegen Andreas Reichlin von Meldegg" festmachen, das "der Red halber, so Maister Andress gethan", erlassen wird, wie die "Geschichte der Familie Reichlin von Meldegg" vermeldet. Und zwei Jahre später ergeht erneut ein Urteil gegen den Mediziner, weil er einen gewissen Berthold Vogt einen "Bösewicht geheissen". Seinem Ruf wird dies wohl keinen Abbruch getan haben, macht er doch "verschiedene fromme Stiftungen", wofür ihm manch ein Überlinger seine hitzigen Worte verziehen haben mag.

Übrigens war die Familie nicht immer adelig – ursprünglich handelt es sich bei den Reichlin um Konstanzer Bürger – und die kommen auf ausgesprochen interessante Weise zu ihrem Titel: Andreas' Vorfahre Joss Richli hatte nämlich einen Freund. Der hieß, man lese und staune, Hans von Meldegg und stand in Diensten der Abtei Sankt Gallen. Wie viele Adelige Geschlechter aus den eidgenössischen Gebieten zieht die Familie von Meldegg nach Schwaben, wo Hans als Zeuge in einer Urkunde der Stadt Wangen im Allgäu verbürgt ist. Hans von Meldegg hat keine Nachfahren, die Linie droht auszusterben. Um das zu verhindern, bietet er seinem engen "Blutsfreund" Joss an, Titel und Wappen zu übergeben, unter der Bedingung, dass dieser beides in Zukunft weiter führen würde.

Joss stimmt dem zu und so übergibt Hans von Meldegg 1400 in Konstanz vor dem Stadtamann Ehinger im Gericht seinen Namen und Wappen, was Kaiser Friedrich III. (1415-1493), als er am 20. Augst 1465 in Überlingen ist, bestätigt. Seitdem führt die Familie den Namen "Reichlin von Meldegg" mit dem Wappen derer von Meldegg, nämlich drei rote Ringe auf weißem Grund zwischen zwei roten Querbalken, das noch heute in Überlingen zu sehen ist, etwa über dem Portal des Gebäudes der Städtischen Musikschule Überlingen.

 

Adventskalender

In unserem diesjährigen Adventskalender widmen wir uns Menschen, die Überlingen zu dem gemacht haben, was es heute ist. Menschen, die auf die eine oder andere Weise Spuren hinterlassen, die die Stadt geprägt haben. Bisher erschienen: Hermann Hoch.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Außergewöhnliche Geschenkideen für Ihre Liebsten
Neu aus diesem Ressort
Überlingen
Überlingen
Überlingen
Überlingen
Überlingen
Überlingen
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren