Überlingen ARD filmt 103-jährige Anny Hamm bei Büttenrede im Renker

Anny Hamm in der Bütt im Renker-Schlössle: Die wohl älteste Büttenrednerin Deutschlands begeistert ihr Publikum mit 45-minütigem Beitrag. Ein Kameramann im Auftrag der ARD filmte.

Als Weinkönigin mit großem Gefolge, ihren drei Töchtern, einem Schwiegersohn und ihrem Enkel als Hänsele zog Anny Hamm am Rosenmontag ins Renker-Schlössle ein. Eine erlauchte, meist weibliche Gesellschaft, alle im fasnachtlichen Häs, erwartete die große alte Dame der Überlinger Fasnet mit tosendem Beifall im wunderschön dekorierten "Schloss-Saal", um – und das sei gleich vorweg gesagt – einen ganz entzückenden Rosenmontags-Kaffee zu genießen.

Jonas Rathjen war aus Ravensburg dazu gekommen. Der Kameramann wurde von der ARD beauftragt, Filmaufnahmen der 103-jährigen Büttenrednerin für das Fernsehformat "Zeig mir Deine Welt" zu drehen. Kai Pflaume moderiert diese Sendung seit 2016 und reist dafür quer durch die Republik, um seine Protagonisten persönlich zu treffen. Wann er nach Überlingen kommt, um Anny Hamm zu besuchen, steht noch nicht fest. Erst einmal war es den Machern von der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt wichtig, die Filmaufnahmen der Büttenrede "im Kasten zu haben".

Fast schon an die Filmtechniker gewöhnt ist das Renker-Publikum im Zusammenhang mit Anny Hamm, denn zum Rosenmontag 2017 war aus Köln ein ganzes Filmteam angereist, um die rüstige Seniorin für den Kinofilm "The Woman Century" aufzunehmen.

Blumen für die (Wein)Königin überreichte Renker-Wirtin Elke. Im Hintergrund einer der so gescholtenen Stadträte, Walter Sorms und Karin Ebner, ein Überlinger-Urgestein.
Blumen für die (Wein)Königin überreichte Renker-Wirtin Elke. Im Hintergrund einer der so gescholtenen Stadträte, Walter Sorms und Karin Ebner, ein Überlinger-Urgestein. | Bild: Stef Manzini

Die große Fasnachterin hielt auch diesmal eine große und fast 45 Minuten lange Büttenrede, in der sie das Stadtgeschehen aus dem vergangenem Jahr, aber auch Aktuelles wie die Diskussion um den Chantilly-Platz pointiert kommentierte. Der Überlinger Schultes Jan Zeitler wurde von Hamm augenzwinkernd "über den grünen Klee" gelobt – nicht ohne ihm natürlich mit gutgemeintem Spott so manchen Rat zu erteilen. Apropos Rat: Der Stadtrat bekam sein "Fett weg", denn die Weinkönigin sprach vom Kellermeister-Zeitler und seinen Räten, die als Fässer im "Spinn-Huddligen" Keller lagern. Höchste Zeit sei es gewesen, dort einmal richtig durchzukehren. Der anwesende Stadtrat Walter Sorms ertrug den liebevollen Spott der alten Dame, was blieb ihm auch anderes übrig.

In einem Beitrag des Deutschlandfunks, dieser hatte Hamm am Rosenmontag einen größeren Beitrag im Vormittagsprogramm gewidmet, wurde Hamms Humor als "schonungslos, aber herzlich" bezeichnet. "Vom Rhein nun an den Bodensee, Überlingen ist eine Hochburg der alemannischen Fasnacht", so beginnt der Beitrag, in dem auch Anny Hamm selbst zu Wort kommt und von ihren Fasnachts-Erlebnissen der letzten Jahrzehnte erzählt. Immer wieder unterbrochen von den staunenden Feststellungen des Moderators: "Sie trägt ihre Rede ohne Brille vor", oder "ich kann ihr dieses Alter kaum glauben".

Eine wunderbar-festliche Dekoration verlieh dem Weinhaus Renker etwas Majestätisches. Das fanden auch die Gäste am Familientisch von Anny Hamm.
Eine wunderbar-festliche Dekoration verlieh dem Weinhaus Renker etwas Majestätisches. Das fanden auch die Gäste am Familientisch von Anny Hamm. | Bild: Stef Manzini

Die Popularität von Deutschlands wohl ältester Büttenrednerin wirkt also in die Republik und stellt Überlingen in den Fokus. Anny Hamm selbst bleibt dabei gelassen und bescheiden und ist stets zu einem augenzwinkernden Schabernack aufgelegt.

Das bunte Publikum im Weinhaus Renker hing mucksmäuschenstill an den Lippen der Vortragenden und unterbrach sie immer wieder mit Szenenapplaus, um der großen Fastnachterin dann am Ende der Rede mit Standing-Ovations Ehre zu erweisen.

Dass Freud und Leid im Leben nahe beieinanderliegen, zeigten die Tränen der Renker-Wirtin, die bei ihrer Begrüßung der Gäste im vollbesetzten Saal vom gerade erlebten Trauerfall in ihrer Familie berichtete. "Aber jetzt feiern wir Fasnet, das hätte die Mutti gewollt, Kaffee und Kuchen sind frei, bitte spendet an die Ernie-Schmitt-Hospiz-Stiftung." Damit schloss sich Elke Renker dem Wieber-Allefanz und ihrer diesjährigen Spende ebenfalls für diese Stiftung an. Unter großem Beifall wurden vier der Allefänzige-Wieber begrüßt, die das Programm im Renker mit ihren tollen Beiträgen abrundeten, die dem Publikum sichtlich viel Spaß bereiteten.

Die Sendung

"Zeig mir Deine Welt" ist der Name eines TV-Formates der ARD. Die Mischung aus Reportage und Dokumentation wird seit 2013 ausgestrahlt. Kai Pflaume moderiert seit 2016 und reist durch die Bundesrepublik, um mit seinen Protagonisten im persönlichen Gespräch deren Lebenssituation zu erfahren. Wann der Moderator nach Überlingen kommt, um Anny Hamm zu treffen und mit ihr über die Fasnet zu plaudern, steht noch nicht fest. Evelyn Kohlhaas von der TV-Produktion in Köln steht aber mit Anny Hamm in Kontakt.

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