Überlingen „Perle hat Sau“: Vom Kulturkampf zwischen Mann und Frau

Die Fortsetzung von „Perle sucht Sau“ feiert eine fulminante Premiere in Noltes Culture Lounge. Oliver Nolte und Birgit Nolte-Michel überzeugen als unzertrennliches Duo.

Sie gehören zusammen wie Loriot und Evelyn Hamann, wie Dieter Krebs und Beatrice Richter, wie Heinz Schubert und Elisabeth Wiedemann – Oliver Nolte und Birgit Nolte-Michel sind die neuen Sterne am Überlinger Theaterhimmel. Mit ihrer Premiere von „Perle hat Sau – über die Kunst, den Mann des Lebens zu halten“ in Noltes Culture Lounge haben die beiden Schauspieler ihr Publikum im Sturm erobert.

Sie sind abgrundtief witzig, musikalisch, mimisch stark und haben das Stück „Perle hat Sau“, die Fortsetzung von „Perle sucht Sau“, auch noch selbst geschrieben. Damit sind Oliver Nolte und Birgit Nolte-Michel fast schon unheimlich, nämlich unheimlich gut. Sie verstehen es, zu improvisieren und ihr Publikum einzubinden. Sie spielen sich richtig in Rage. Es würde niemanden verwundern, wenn sie beim Spaziergang über die Überlinger Promenade mit „Otto und Perle“ angesprochen würden. Großartig begleitet wurden die Beiden, die auch im echten Leben ein Paar sind, von Michael Lauenstein, der als musikalischer Kontrapunkt und Ottos (die männliche Hauptfigur zu Perle) Alter Ego kein Instrument scheute und jedes beherrschte.

Was mit den schönsten Wünschen und innigsten Vorstellungen zum Eheleben beginnt, endet für Otto und Perle nach der Hochzeit in tiefer, alltäglicher Ernüchterung. Schon die Hochzeitsnacht verlief unglücklich, weil „es nicht dazu kam, dazu kam“, wie Otto voller Verzweiflung singt. Dabei hätte nach Ansicht der Beiden doch alles „wie in der Broschüre“ sein sollen. Stattdessen: Sockenhaufen, Motorradzeitschriften, die auf dem Wohnzimmerboden im Weg liegen und ein silberfarbener Ventilator, über dessen Standort sich Perle und Otto nicht einigen können. Sie brauchen ihn noch nicht einmal einzuschalten – die Dramaturgie der Komödie sorgt für noch mehr Kälte in der Beziehung.

Doch die Rettung naht in Form von Ratgeberliteratur: „Ich bin ein Mann, ich muss nur daran glauben“, ist sich Otto sicher. In erfrischender Selbstironie und mit präziser Beobachtungsgabe deckt das Stück die kleinen Schwächen und Eigenheiten von Ehepartnern auf – ganz im Sinne Loriots, der einmal festgestellt hat, dass Männer und Frauen einfach nicht zusammenpassen. Otto, der sein Motorrad und sein Auto über alles liebt, und die kulturinteressierte Perle, die ihn wie im Loriot-Sketch auffordert: „Lies doch mal was!“ Ein Kampf der Geschlechter, ja ein Kampf der Kulturen, der Einsichtslosigkeit und der Missverständnisse. „Kennen Sie das auch, das mit dem Nichts? Was hast du denn?, Nichts, es ist nichts und dann fliegen die Teller“, klagt Otto.

Doch das Duo kann auch anders: Die melancholisch und romantisch Ballade „Alleinsein ohne Einsicht“ markiert den Wendepunkt des Stücks. Erst der Kampf um jeden Zentimeter Ehe, dann die übertriebene Zweisamkeit, bei der letztlich doch die Einsicht siegt. Aufgeräumt sind alle Klischees, die Idylle mit Sätzen wie „Die Wurst hängt ganz schön zwischen den Zähnen“ zerstört.

Am Ende bleibt ein wunderschöner Theaterabend auf sprachlich und musikalisch hohem Niveau, bei dem die Zuschauer Tränen lachen, um anschließend stehend zu applaudieren und Zugaben zu fordern. Sie dürfen gespannt sein auf die hoffentlich nächste Premiere aus der Perlen-Kette, die gar nicht lang genug sein kann.

Die nächste Aufführung von „Perle hat Sau“ findet am Samstag, 26. April, 20 Uhr, in Noltes Culture Lounge, Gunzoweg 1, Überlingen statt. Kartenreservierung unter Telefon 0 75 51/8 01 02 22 (mittwochs, 14 bis 17 Uhr) oder per E-Mail an info@noltes.biz. Weitere Informationen im Internet:

www.noltes.biz

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