Tettnang Nach Brandanschlag auf Flüchtlingsunterkunft: Noch keine heiße Spur zu Tettnanger Brandstifter

Das Landratsamt des Bodenseekreises verstärkt nach dem Brandanschlag vom Wochenende in Tettnang die Bewachung von Unterkünften für Flüchtlinge. Mögliche Parallelen zu einer nach wie vor nicht geklärten Brandstiftung 2015 in Oberteuringen werden von der Polizei untersucht.

Noch keine heiße Spur haben die Ermittler der Polizei zum Brandstifter, der in der Nacht zum vergangenen Sonntag eine Asylbewerber-Unterkunft in Tettnang angezündet hat. Dies sagte Polizeisprecher Markus Sauter am Mittwoch auf Anfrage des SÜDKURIER. Die Ermittlungsgruppe der Kripo sei weiter dabei, Spuren auszuwerten. Das Kernteam dieser Gruppe bildeten sieben Kripobeamte, die je nach Bedarf von Kriminaltechnikern unterstützt würden. Da diese Brandstiftung möglicherweise auch einen fremdenfeindlichen Hintergrund haben könnte, ermitteln in diesem Fall auch Polizisten, deren Fachgebiet das Thema Staatsschutz ist.

Nach dem Brand in Tettnang würden Streifen der Polizei verstärkt ähnliche Einrichtungen im Bodenseekreis beobachten. Auf unsere Frage nach stärkeren Sicherheitsbemühungen seitens des Landratamtes äußerte sich Pressesprecher Robert Schwarz so: "Wir haben die Sicherheitslage aus der jetzigen Sicht heraus analysiert, auch mit der Polizei zusammen, werden das natürlich auch künftig tun, wenn es neue Anhaltspunkte gibt. Für den Moment haben wir uns dazu entschieden, punktuell nachzusteuern. Wir werden aber nicht alles Bisherige, mit dem wir sonst ja gute Erfahrungen gemacht haben, auf den Kopf stellen. Wir wollen keine Festungen aus unseren Unterkünften machen." Was "punktuell nachsteuern" bedeute, wollte Schwarz dem SÜDKURIER gegenüber nicht weiter präzisieren – nach unseren Informationen wurde die Bewachung von Flüchtlingsunterkünften verstärkt.

Um das Feuer löschen zu können, mussten Einsatzkräfte der Feuerwehr Tettnang die Wellblechfassade aufreißen, um an die brennende Isolierung zu kommen.
Um das Feuer löschen zu können, mussten Einsatzkräfte der Feuerwehr Tettnang die Wellblechfassade aufreißen, um an die brennende Isolierung zu kommen. | Bild: Feuerwehr Tettnang

Mögliche Parallelen zu einem Brandanschlag, den es zu einem ähnlichen Zeitpunkt des Jahres, am 29. September 2015, in Oberteuringen gegeben hatte, würden von den Ermittlern geprüft, sagte Polizeisprecher Markus Sauter. Bis heute konnte diese Brandstiftung nicht aufgeklärt werden. Auch die Flüchtlingsunterkunft im Oberteuringer Ortsteil Neuhaus war zum Zeitpunkt der Brandstiftung im Jahr 2015 noch nicht bezogen. Auch hier wurde vorsätzlich an der Außenfassade des Gebäudes Feuer gelegt. Das ergab eine Spurenanalyse des Brandschutts durch das baden-württembergische Landeskriminalamt. Es waren eindeutige Spuren eines Brandbeschleunigers gefunden worden. Solche fanden sich auch nach dem Brand in Tettnang. Da das Feuer hier früh von Anwohnern entdeckt worden war, konnte es von der Tettnanger Feuerwehr rasch gelöscht werden. Den Schaden beziffert die Polizei mit rund 50 000 Euro. Bereits in der Nacht zuvor hatte vermutlich der gleiche Täter versucht, auf der Ostseite des Neubaus die Außenfassade in Brand zu setzen, was aber nicht gelang.

Polizei sucht Hinweise

Zeugen, die in der Nacht auf vergangenen Sonntag, wie in der Nacht davor, Verdächtiges bei der Tettnanger Asylbewerberunterkunft beobachtet haben oder sonst sachdienliche Hinweise geben können, werden gebeten, sich bei der Kriminalpolizei Friedrichshafen (Telefonnummer: 0 75 41/70 10) zu melden. (sk)

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