Stetten Stettenerin Marianne Kaindl holt "Community-Preis" für Katzenkrimi

Die Verleihung war auf der Leipziger Buchmesse. Die Wahl fand über das Internet statt, Kaindl hatte ihren selbst verlegten Roman "Sechs Katzen und ein Todesfall" eingereicht.

Der Bericht von der Preisübergabe auf der Leipziger Buchmesse gerät bei Marianne Kaindl sogleich zur Erzählung einer abenteuerlichen Reise durch Schnee und Eis. Seit Kinderzeiten liebt die Wahl-Stettenerin es, Geschichten zu erzählen und aufzuschreiben. Mit sieben Jahren hat sie ein illustriertes Buch für ihre Mutter, eine Buchhändlerin, gefertigt. Es folgten Kurzgeschichten, zwei Bücher als Ghostwriter und dann ihre Katzen-Krimis, drei an der Zahl. Den ersten, "Sechs Katzen und ein Todesfall", hat Kaindl für den Autoren-Preis eingereicht, den die Leipziger Buchmesse und die Self-Publishing-Plattform "Neobooks" zum siebten Mal ausgelobt hatten. Mit 50 Prozent der im Internet abgegebenen Stimmen holte sie sich den "Community-Preis": Ein Mediapaket im Wert von 5000 Euro der Online-Community "Lovelybooks" – und eine 20-minütige Lesung im Berliner "Kriminal Theater" inklusive Reise und Hotel. Darüber hinaus bedeutet ihr der Preis noch mehr: Zum einen ist ihr als sich selbst vermarktende Autorin die damit verbundene wachsende Popularität wichtig, zum anderen freut sie sich sehr "über die Anerkennung der Community".

Zu ihrer Anhängerschaft pflegt sie einen für Buchautoren eher ungewöhnlichen, regen Kontakt über facebook und E-Mails. "Ich nehme meine Leserschaft sehr ernst." Heutzutage träten Leser zunehmend aus ihrer Konsumentenhaltung heraus und beteiligten sich beispielsweise per Blogs mit eigenen Ideen. Das gefällt der gelernten Marketing-Fachfrau mit eigener Agentur. Die Leserideen nimmt sie gerne mit auf.

Der Name, den die tierische Ermittlerin in ihren Krimis trägt, geht zum Beispiel auf eine Leserin zurück. Coco heißt die kluge Katzen- Detektivin, die sich ganz modern via iPad und Routenplaner auf Mörderfang begibt. Kaindl, in ihrem alten Fachwerkhaus selbst umgeben von sechs Katzentieren, nennt sie liebevoll "Miss Marple auf Samtpfoten". Die Kriminalromane der britischen Schriftstellerin und Marple-Erfinderin Agatha Christie hat sie zur Vorbereitung ihres Philosophie-Examens gelesen. "Auch Krimis beschäftigen sich mit der Suche nach Wahrheit und dem Weltverständnis", findet Kaindl.

Für ihre Kriminalgeschichten sucht sie den Bezug zu aktuellen Themen wie in ihrem 2017 erschienenen Coco-Krimi "Naziallergie", dem eine wahre Geschichte aus ihrer Heimat in Landsberg zu Grunde liege. Die Literaturwissenschaftlerin verbringt viel Zeit mit Recherche. Für die Nazigeschichte habe sie sich per Pseudonym auf facebook mit Rechtsaußen-Politikern ausgetauscht und sich von deren Jargon inspirieren lassen.

Wenn eine Geschichte fertig ist, geht Kaindl "kritisch das eigene Buch durch" und sucht nach Denkfehlern. Bei ihrem jüngst in Leipzig ausgezeichneten war es das ursprünglich verwendete Gift, das nicht hundertprozentig passte. Beim Nachrecherchieren stieß sie darauf, dass das heutige Rattengift anders zusammengesetzt ist und nach der Einnahme starke Übelkeit auslöst. Die Handlung musste umgeschrieben, der zu tötende Erfolgsguru mit Hang zum Alkohol mit Hilfe von Frostschutzmittel vergiftet werden.

Wenn die Katzenkrimi-Autorin von ihrer Mordgeschichte berichtet, sprudelt sie vor anschaulichen Bildern. "Ich muss das vor mir sehen, was ich schreibe", erklärt Kaindl auf ihre bildhafte Erzählweise angesprochen. Ob sie das Abenteuer ihrer vierstündigen Odyssee durch Leipzig auf dem Weg zur Preisverleihung in eine ihrer nächsten Katzengeschichten einbaut, bleibt ungewiss. Sicher ist, es soll eine Fortsetzung geben, die sich mit Mobbing beschäftigt. Auf Grund von Vorkommnissen in ihrer Community könnte es aber zuerst auch einen Ratgeber zum Umgang mit dem Tod des Haustiers geben.

 

Zur Person

Marianne Kaindl ist 1950 in Landshut geboren. Sie absolvierte zunächst eine multimediale Ausbildung, studierte später Germanistik, Philosophie und Buchwissenschaften. Veröffentlicht hat sie unter anderem Kurzgeschichten und drei Katzenkrimis. Mit "Sechs Katzen und ein Todesfall" gewann sie den diesjährigen Indie-Autoren-Preis. Seit 1991 lebt sie in Stetten, schreibt, designt und verlegt ihre Bücher selbst. Außerdem betreibt sie eine Werbeagentur. Mehr Informationen zur Autorin gibt es unter: http://www.see-marketing.de/coco-katzenkrimi/

 

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