Sipplingen Wasserversorger kritisieren Pläne für Fischzuchtanlagen im Bodensee

Der Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung (BWV) geht auf Konfrontationskurs zu Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU). Bei der Verbandsversammlung in Heilbronn kritisierte die Spitze Pläne für den Bau von Fischzuchtanlagen im Bodensee.

„Wir haben die große Sorge, dass die Wasserqualität des See durch Verunreinigungen durch Futtermittel und Ausscheidungen der Fische leidet. Das darf nicht passieren. Trinkwasser ist ein hohes Gut“, sagte Verbandschef Bernhard Schuler.

Um dem Rückgang an Bodenseefelchen aufgrund fehlender Nahrung entgegenzuwirken, hatte Minister Peter Hauk die Idee, Zuchtbecken und ein Dutzend Netzgehege vier Kilometer von den Wasserentnahmestellen im Überlinger See auf einer Fläche von rund 3800 Quadratmetern einzubringen. Die Einbringtiefe liegt bei gut 50 Meter, also in dem Bereich, aus dem der Zweckverband sein Trinkwasser gewinnt.

Die Befürworter, vor allem Berufsfischer, erhoffen sich dadurch einen Ertrag an Felchen von 500 bis 600 Tonnen pro Jahr. Obwohl Aquakulturen im Bodensee gemäß der Wasserschutzrichtlinie nicht zulässig sind, die teuer gebauten Kläranlagen umgangen würden und auch die Bodensee-Anrainerkommunen dagegen sind, hält Minister Hauk an seinen Plänen fest. „Der Sicherstellung von einwandfreiem Trinkwasser muss Vorrang vor den kommerziellen Interessen einiger weniger eingeräumt werden“, sagte Christoph Jeromin, technischer Geschäftsführer der Bodensee-Wasserversorgung in Heilbronn.

Wie beim Fracking-Verbot erwartet der Verband auch bei Fischzuchtanlagen ein Umdenken. Wichtige Regionalpolitiker haben sich bereits gegen die Becken ausgesprochen, in denen Fische im großen Stil gezüchtet würden.

Mit Sorge beobachtet der Zweckverband die Auswirkungen des Klimawandels auf den 536 Quadratkilometer großen Bodensee. Die Oberflächentemperatur des Wassers hat sich seit 1960 um zwei Grad erhöht, und in 60 Meter Tiefe ist die Temperatur von 4,4 auf deutlich über fünf Grad gestiegen. Jeder Temperaturanstieg hat Folgen für die Flora des Sees – und für die Fische ohnehin.

Zum Schutz seiner Anlage erstellt der Zweckverband derzeit ein umfangreiches IT-Sicherheitskonzept. Nach dem Giftanschlag 2005 war die Sicherheitszone flächenmäßig ausgeweitet worden. Der Wasserpreis, den der Verband seinen 320 Städten und Gemeinden für die Lieferung von Bodenseewasser berechnet, reduziert sich 2018 geringfügig von derzeit 57,6 auf 57,5 Cent je Kubikmeter. Bis 2021 jedoch soll dieser Preis auf 64,4 Cent steigen. Die Verbraucher müssen sich somit auf einen höheren Wasserzins von ihren örtlichen Versorgungsunternehmen einstellen.

Im Zeitraum 2017 bis 2021 wird der Zweckverband nach den Worten von Michael Stäbler rund 108 Millionen Euro an Investitionen tätigen: „Nach 60 Jahren, in denen die Bodensee-Wasserversorgung besteht, müssen große Teile des Leitungsnetzes und Wasserbehälter erneuert und saniert werden“, sagte der kaufmännische Geschäftsführer.

Bei der 73. Verbandsversammlung gab es turnusmäßig einen Wechsel an der Spitze des Zweckverbands: Bernhard Schuler, Oberbürgermeister von Leonberg, übergab das Zepter an Roland Klenk, den OB von Leinfelden-Echterdingen.

Wasserversorgung

13 Kommunen gründeten 1954 den Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung (BWV), um den steigenden Trinkwasserbedarf mit Zusatzwasser aus dem Bodensee zu decken. Heute versorgt die BWV rund vier Millionen Menschen mit Trinkwasser. Das Wasser wird dem Überlinger See bei Sipplingen in etwa 60 Meter Tiefe entnommen. An einem Tag dürfen maximal 670 000 Kubikmeter Wasser dem Bodensee entzogen werden. Das sind 7755 Liter in der Sekunde. 2016 wurden 130,7 Millionen Kubikmeter Wasser an die 183 Mitglieder abgegeben. Der Zweckverband hat aktuell 320 Beschäftigte. Deutschlandweit liegt der Wasserverbrauch bei 4,6 Milliarden Kubikmeter. (sk)

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