Sipplingen Großer Zapfenstreich und Fronleichnamsfest in Sipplingen: Bürgermeister Neher erhält Ehrendegen

Bei bestem Wetter hat Sipplingen eines der größten Fronleichnamsfeste in Baden-Württemberg gefeiert. Der Hunderte Meter langer Blütenteppich begeisterte die zahlreichen Besucher. Zudem gab es in diesem Jahr eine Besonderheit: Der scheidende Bürgermeister Anselm Neher wurde als Bürgermilizvorsitzender verabschiedet und zu seiner Überraschung zum Ehrenleutnant ernannt.

Aus christlicher Überzeugung und aus Tradition hat die Gemeinde Sipplingen das gestrige „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“, wie Fronleichnam offiziell bezeichnet wird, begangen. Dabei profitierte die Gemeinde wie schon im Vorjahr von der hochsommerlichen Witterung, die zahlreiche Gäste anlockte. „Es war wieder ein Traum", resümierte der scheidende Bürgermeister Anselm Neher gestern. Am Abend zuvor war er in seiner Funktion als Vorsitzender der Bürgermiliz verabschiedet worden.

Noch in der Dämmerung am gestrigen Donnerstag hatten zahlreiche fleißige Hände begonnen, ihre bunten Motive und biblischen Szenen für den rund 600 Meter langen Blumenteppich zu legen, für den sich die Gemeinde auch außerhalb ihrer Gemarkungsgrenzen längst einen Namen gemacht hat. Jeder Anlieger am Prozessionsweg hatte wie in den Jahren zuvor selbst entschieden, wie er den Abschnitt vor seinem Haus gestalten wollte. „Es finden sich immer wieder neue Bürgerinnen und Bürger, die dabei mitmachen, um entstandene Lücken zu füllen“, freute sich gestern Gabriele Schirmeister im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Bereits gegen sieben Uhr war der Teppich fertig, und es kehrte für kurze Zeit wieder Ruhe im Dorf ein. „So früh waren wir noch nie fertig, alle haben kräftig vorgearbeitet“, sagte Adrian Staiger, Kommandant der Bürgermiliz, gegenüber dieser Zeitung.
 

Der katholische Pfarrer József Biró vor Gemeinderatsmitgliedern und den Augen der Mitglieder der Bürgermiliz.
Der katholische Pfarrer József Biró vor Gemeinderatsmitgliedern und den Augen der Mitglieder der Bürgermiliz. | Bild: Holger Kleinstück
Mehrmals schoss die Mannschaft der Bürgermiliz gestern Salut. Ohren zuhalten war angesagt.
Mehrmals schoss die Mannschaft der Bürgermiliz gestern Salut. Ohren zuhalten war angesagt. | Bild: Holger Kleinstück

Nach dem Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Martin, der vom Kirchenchor umrahmt wurde, bewegte sich die Prozession durch die geschmückten Straßen, unter anderem begleitet von Bürgermiliz, den Erstkommunikanten und Soldaten der Patenkompanie der Gemeinde. Angehalten wurde an jedem der bunten Stationsaltäre, und zwar jeweils etwas länger als in den Vorjahren. Nach dem Segen erwies die Bürgermilizmannschaft an allen vier Altären dem Sanctissimum seine Ehrenbezeugung mittels Gewehrsalven. Das Salutschießen mit ihren alten Vorderladern wiederholte die Mannschaft gestern Nachmittag nach einem Platzkonzert der Milizkapelle und des Spielmannszuges. Der traditionellen Parade auf dem Rathausplatz war eine feierliche Vesper in der Pfarrkirche vorangegangen.

 

Vor der romatischen Kulisse des Rathausvorplatzes fand am Vorabend der Fronleichnamsfeier der große Zapfenstreich mit der Bürgermiliz statt.
Vor der romatischen Kulisse des Rathausvorplatzes fand am Vorabend der Fronleichnamsfeier der große Zapfenstreich mit der Bürgermiliz statt. | Bild: Holger Kleinstück
Bürgermeister Anselm Neher erhielt zum Abschied eine Ehrennadel in Silber für Zivilisten des Landesverbandes der Bürgerwehren und Milizen Baden/Südhessen sowie einen Ehrendegen. Rechts Bürgermilizkommandant Adrian Staiger, links sein Vorgänger Gerold Beirer.
Bürgermeister Anselm Neher erhielt zum Abschied eine Ehrennadel in Silber für Zivilisten des Landesverbandes der Bürgerwehren und Milizen Baden/Südhessen sowie einen Ehrendegen. Rechts Bürgermilizkommandant Adrian Staiger, links sein Vorgänger Gerold Beirer. | Bild: Holger Kleinstück

Bereits beim „Großen Zapfenstreich“ am Abend zuvor, der den Auftakt der zweitägigen Feier bildete, fanden sich zahlreiche Gäste auf dem illuminierten Rathausplatz ein. Feierliche Atmosphäre verbreiteten nicht nur die Mitglieder der Bürgermiliz in ihren blauen Uniformen, sondern auch diejenigen der Freiwilligen Feuerwehr, die als Fackelträger den Platz in flackerndem Licht erschienen ließen – jedes Mal eine ergreifende Stimmung. Während der Feier wurde Bürgermiliz-Vorsitzender Anselm Neher in dieser Funktion nicht nur verabschiedet, sondern zu seiner Überraschung zum Ehrenleutnant ernannt. Außerdem erhielt er die Ehrennadel in Silber für Zivilisten des Landesverbandes der Bürgerwehren und Milizen Baden/Südhessen sowie einen Ehrendegen. „Ich bin überwältigt von diesem Abschied der Bürgermiliz. Es zeigt, dass wir eine gute Verbindung hatten und weiter haben werden“, sagte Neher gegenüber dem SÜDKURIER. Und: "Es ist eine große Ehrung für mich, diesen Degen erhalten zu haben. Ich werde dieses Geschenk natürlich immer in großen Ehren halten – ebenso wie mein Verhältnis zu unserer Bürgermiliz.“

Bürgermiliz Sipplingen

Die Bürgermiliz ist eine 1849 gegründete historische Vereinigung, die das Brauchtum pflegen und erhalten möchte. Sie rückt außer am Fronleichnamsfest am Kirchenpatrozinium St. Martin und am Volkstrauertag aus. Sie ist Mitglied des 1930 gegründeten Landesverbandes der Bürgerwehren und Milizen Baden/Südhessen. Der Verein besteht aus einem Spielmannszug, einer Milizkapelle, einer Mannschaft unter Gewehr und trägt die Uniform der ehemaligen blauen Dragoner. (hk)

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