Sipplingen Es geht nicht nur um die Wurst: Bürgermeister und Alt-Kommunalpolitiker im Zwist über Weißwurstfrühstück

Bürgermeister Oliver Gortat ist nicht zum traditionellen Weißwurstfrühstück der Altgemeinderäte und Altbürgermeister gegangen und wird auch in Zukunft nicht daran teilnehmen. Davon haben die Alt-Kommunalpolitiker aus dem Gemeindeblatt erfahren. Nun äußern sich beide Seiten zu der Diskussion um die Wurst.

Die Enttäuschung wirkt nach, im Dorf spricht man von mangelnder Wertschätzung: Seit 40 Jahren treffen sich die Altgemeinderäte und Altbürgermeister mit dem jeweils amtierenden Schultes kurz vor Weihnachten zum Weißwurstfrühstück, doch dieses Mal erfuhren die Ehemaligen aus dem Gemeindeblatt, dass der neue Bürgermeister Oliver Gortat mit dieser Tradition bricht. Unter der Rubrik "Der Bürgermeister informiert" stand da kurz und knapp: "Ich möchte Sie darüber informieren, dass ab diesem Jahr von dem vorweihnachtlichen 'Weißwurstfrühstück' für ehemalige Mitglieder des Gemeinderates sowie die Bürgermeister a. D. abgesehen wird." Ebenso würden keine Weihnachtskarten mehr verschickt. Das so eingesparte Geld werde der Kinderkrebsnachsorgeklinik Tannheim gespendet. Dann noch der Satz: "Bitte sehen Sie dies nicht als fehlende Wertschätzung."

Doch genau so empfinde man das, macht Altgemeinderat Karl Hepp namens der 18 Ehemaligen deutlich, die sich auch ohne Bürgermeister im Hotel "Krone" getroffen haben. "Es geht nicht um die bisher gesponserten Weißwürste, die die Ehemaligen gerne auch selbst bezahlen, sondern um eine Wertschätzung", habe Bertold Biller beim Weißwurstfrühstück deutlich gesagt. Biller, Träger des Ehrenrings der Gemeinde, organisiere seit vielen Jahren diese Treffen, bei denen bisher die jeweiligen Bürgermeister über die Entwicklung der Gemeinde während des vergangenen Jahres informierten. Dabei sei es immer zu einem „regen Erfahrungs- und Meinungsaustausch“ gekommen, erläutert Hepp. Unter den Teilnehmer im Dezember waren auch die als hoch verdient geachteten Altbürgermeister Kurt Binder und Anselm Neher.

"Dieses Weißwurstfrühstück ist ein Zeichen dafür, dass die Ehemaligen nach wie vor ein großes Interesse an der Entwicklung der Gemeinde haben", erläutert Hepp. Und beschreibt, dass die Veranstaltung sehr viel mit Respekt zu tun hat: "Berthold Biller erinnert jedes Jahr namentlich an alle Gemeinderäte und Bürgermeister, die jeweils in ihrer Zeit gewählt waren und sich für die Gemeinde eingesetzt haben – dieses Mal vor allem an den im letzten Jahr verstorbenen Kollegen Bernhard Thiel, dem Träger des Bundesverdienstkreuzes und des Ehrenrings der Gemeinde."

Das Weißwurstfrühstück hatte erstmals vor 40 Jahren auf Einladung der Altgemeinderäte Ernst Sanktjohanser und Franz Schirmeister stattgefunden, erinnert Hepp, der selbst 34 Jahre lang im Gemeinderat saß, bis 2014. Höflich aber deutlich formuliert Hepp: "Allgemein wurde bedauert, dass der neue Bürgermeister die Gelegenheit nicht nutzte, aus dem Gemeindeleben des letzten Jahres zu berichten. Und es wurde bedauert, dass nur per Gemeindemitteilungsblatt ausgerichtet wurde, diese Treffen nicht zu unterstützen."

Dass der Weg, lediglich im Gemeindeblatt unter der Überschrift „Spenden statt Schenken“ zu informieren, nicht richtig war, räumt Gortat auf SÜDKURIER-Nachfrage ein. "Tatsächlich wäre es sensibler gewesen, wenn ich die ehemaligen Gemeinderäte sowie Bürgermeister a. D. vorab persönlich informiert hätte." Ansonsten steht er zu seiner Entscheidung: "Ich halte es jedoch für richtig, dass das Weißwurstfrühstück aus Gründen der Gleichbehandlung nicht mehr über die Gemeinde organisiert und finanziert wird."

Eine Missachtung und Geringschätzung verdienter Kommunalpolitiker? "Es kommt hier natürlich immer auf die eigene Sichtweise an, für mich gibt es keine Zweischichtengesellschaft", entgegnet Gortat. Das Weißwurstfrühstück werde nun ohne Zutun der Gemeinde abgehalten und von privat organisiert. "Dies finde ich eine ganz tolle Sache." Er sei hingegen als Bürgermeisterkandidat angetreten, um Bürgermeister für alle Bürger zu sein. "Hier mache ich keine Unterschiede, ob jemand erst vor Kurzem in den Ort gezogen ist, oder, ob es sich um einen ehemaligen Gemeinderat oder Bürgermeister handelt. Tatsache ist doch, dass es aktuell sehr viele Bürgerinnen und Bürger in unserer Gemeinde gibt, welche sich ehrenamtlich engagieren." Natürlich seien darunter auch ehemalige Bürgermeister und auch Gemeinderäte, aber eben auch Bürger, die diese Funktionen nicht inne gebhabt hätten. "Und genau dafür gibt es am 20. Juli diesen Jahres um 19 Uhr einen Bürgertag in der Turn- und Festhalle in Sipplingen, wo dieses Engagement gewürdigt wird und Vorschläge aus der Bevölkerung zur gegebenen Zeit eingereicht werden können."

Falsch findet die Runde der Alt-Kommunalpolitiker auch, das eingesparte Geld nach Tannheim zu überweisen: "Die Ehemaligen hätten gerne die Spende an eine Sipplinger Einrichtung befürwortet", heißt es beim Weißwurstfrühstück. Auf SÜDKURIER-Nachfrage verdeutlicht Gortat: "Das Geld zu spenden war meine alleinige Entscheidung. Und das Geld an die Nachsorgeklinik nach Tannheim gespendet zu haben, um krebs-, herz- und mukoviszidosekranke Patienten mitsamt ihrer Familien zu unterstützen, war die richtige Entscheidung." Die weitere Nachfrage nach der Höhe der Spende beantwortet Gortat: "Wir reden hier von keiner großen Summe."

Wäre Gortat denn bereit, kommenden Dezember zum traditionellen Weißwurstfrühstück zu kommen, wenn die Teilnehmer alles selbst bezahlen? "Traditionen sind mir sehr wichtig, doch die Gleichbehandlung aller Bürgerinnen und Bürger auch." Es gehe nicht um die Übernahme der Kosten, es gehe darum, als Bürgermeister ein offenes Ohr für alle Bürgerinnen und Bürger zu haben. "Bei meiner Entscheidung gab es nur zwei Möglichkeiten: Entweder ich veranstalte verschiedene vorweihnachtliche Weißwurstfrühstücke mit unterschiedlichen Gruppierungen unserer Bürgerinnen und Bürger oder ich beende das traditionelle Weißwurstfrühstück." Die fehlende Unterstützung der Gemeinde sei „überhaupt nicht böse gemeint“, sondern es gehe ihm um eine Geradlinigkeit und Gleichbehandlung. Gortat: "Ich halte es für richtig, dass wir uns als Gemeinde Sipplingen aus dieser Veranstaltung künftig komplett heraushalten.“

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