Salem Theatergruppe Mittelstenweiler: Liebeswirren in Bad Füssing

Fast vier Stunden Spaß haben die Zuschauer bei der Aufführung der Theatergruppe in Mittelstenweiler im Dorfgemeinschaftshaus erlebt. Es war das 71. Stück der Laienschauspielgruppe, das auf die Bühne kam.

Salem – Thomas Notheis, Leiter der Theatergruppe Mittelstenweiler, hatte es vor ausverkauftem Haus in seiner Begrüßung schon angekündigt: „Ihnen stehen dreieinhalb Stunden Theater bevor“, hatte er am Anfang im Dorfgemeinschaftshaus gesagt. Am Ende seiner Grußworte schlug er noch mal 30 Minuten drauf. „Nun viel Spaß für die nächsten vier Stunden.“ Das 71. Stück des weit über die Grenzen der Gemeinde bekannten Laientheaters stammt aus der Feder von Regina Rösch aus Franken. Das pointenreiche und spitz erzählte Lustspiel wurde durch das routinierte Schauspiel des Mittelstenweiler Ensembles zu einem sehr kurzweiligen Vergnügen voller überraschender Wendungen und Schenkelklopfer.

Den Auftakt machten die Dorfmusiker. Schon zu Beginn kam Bierzeltatmosphäre auf, inklusive des Mitsingens von „Fiesta Mexicana“ durch das Publikum. Den Zugabe-Rufen kamen die Musikanten aber nicht nach. Schließlich standen die Erlebnisse der beiden Feuerwehrleute Oswald (Horst Armbruster) und Emil (Uwe Spießmacher) auf dem Programm. Beide kommen mit ihrem Kameraden Max (Leonard Straub) in voller Uniform sturzbetrunken von der Feuerwehrübung. Auf der Wartebank der Bushaltestelle klagen Emil und Oswald ihr Leid. Nach 25 Jahren kameradschaftlichen Kurens in Bad Füssing fanden diese drei gemeinsamen Urlaubswochen ein jähes Ende. Die beiden Landwirte haben die Sauen abgeschafft, ihre Ehegattinnen haben jetzt keine Aufgabe mehr, wenn die Männer auf Kur sind, und wollen mit ihren Herzbuben in den Urlaub fahren. Mit seiner Betty soll der eine nach „Mauritsinus“, wo er den „Tusnami“ fürchtet. Der andere soll mit seiner Helga auf Kreuzfahrt. Die Seereise ist für ihn aber ein Kreuzweg. Dann die Überraschung: Es geht doch nach Bad Füssing. Noch während sich die Freunde freuen, überfährt sie die zweite Überraschung: Ihre Frauen kommen mit.

Schon im ersten Akt ist die Komödie gespickt mit lokalen Andeutungen, Situationskomik, Doppeldeutigkeiten und Slapstick. Und manch Zuschauer hat sich jetzt schon Tränen in die Augen gelacht. Da wird es ihm noch nicht aufgefallen sein, dass zum Theater schon der 2017er Birnauer Müller-Thurgau trocken aufgetischt wurde. Und mit dem extra langen Paar Wienerle, die eigens für das Mittelstenweiler Theaterspiel hergestellt werden, geht es in den zweiten Akt, in die Kurklinik nach Bad Füssing. Rolf Fenzl schuf eine detailreiche Kulisse, er entwarf erstmals ein Bühnenbild für die Theatergruppe. Es ist ihm gelungen.

Die Schauspieler haben die Nervosität der Anfangsminuten abgelegt und spielen nun freier auf. Helgas Dauerwelle, Bettys Schweißfüße und Oswalds Verlangen nach „Geräucherten mit Sauerkraut“ entwickeln sich zu Running Gags. Während Oswald und Emil meinen, ihre Kurschatten in Chantal (Angela Zyla) und Jacqueline (Christine Busch) gefunden zu haben, lassen sich Helga und Betty von den Hochstaplern Ferdinand (Thomas Notheis) und Adalbert (Marcel Rothmund) um den Finger wickeln. Als Bindeglieder dienen Masseure Harry (Leonard Straub) und Susi (Juliane Öttel). Liebesverrückte Ehefrauen wechseln sich auf der Bühne mit ausgenommenen Freunden ab. Eine vermeintliche uneheliche Tochter taucht auf. Das Publikum geht mit, lebt das Schicksal der Figuren mit.

Akteure

Aufführungen morgen, Samstag, und von Dienstag bis Samstag kommender Woche. "Wenn einer eine Reise tut" von Regina Rösch ist das 71. Bühnenprogramm der 1946 gegründeten Theatergruppe.

  • Die Besetzung

Hubert Armbruster (Feuerwehrkommandant Oswald Krause), Elisabeth Straub (Oswalds Ehefrau Helga), Uwe Spießmacher (Feuerwehrmann und Oswalds Freund Emil Lautenschläger), Alexandra Pfaller (Emils Ehefrau Betty), Leonard Straub (Max Kaiser, Feuerwehrmann und Freund von Oswald und Emil, sowie Harry Gruber, Masseur im Kurhotel), Juliane Öttel (Marie Jungbauer, die Nachbarin, und Masseurin Susi Weber), Thomas Notheis (Kurgast und Heiratsschwindler Ferdinand van Cartier), Marcel Rothmund (Kurgast und Freund von Ferdinand Adalbert Baron von und zu Stadelhofen), Angela Zyla (Kurgast Chantal Obermaier), Christine Busch (Kurgast Jacqueline Niedermüller).

  • Hinter den Kulissen

Regie: Rolf Rudolf; Souffleuse: Bärbel Kanz; Maske: Gabi Duttlinger und SeffiKanz; Bühnenbau: Kurt Lenski; Bühnenkünstler: Rolf Fenzel; Gesamtleitung: Thomas Notheis.

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