Salem Luther-Abend mit Schriftsteller Arnold Stadler und den Meistersingern

In der Bibliothek der ehemaligen Zisterzienser-Reichsabtei traten Schriftsteller Arnold Stadler und die Meistersinger zum Lutherjubiläum auf. Eingeladen hatten die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg.

Salem – "Davon ich sing'n und sagen will", dieser Teilsatz im bekannten Weihnachtslied "Vom Himmel hoch, da komm ich her" von Martin Luther diente an diesem Abend als Vorlage. In der Bibliothek der ehemaligen Zisterzienser-Reichsabtei Salem luden die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg zum Reformationsjubiläum im Rahmen des Themas "Über Kreuz" ein: um "Singen und Sagen"-Auftritt des Schriftstellers Arnold Stadler aus Sauldorf-Rast (Landkreis Sigmaringen) und der Meistersinger. Die Meistersinger sind 17 Sänger, die als Chor unter Klaus Breuninger 1998 aus der "Gächinger Kantorei" von Helmuth Rilling hervorgegangen sind.

"Kloster Salem, mächtiger Zisterzienserkonvent und stolze Reichsabtei, war über die Jahrhunderte einer der Leuchttürme in den katholischen Gebieten", führte Birgit Rückert ins Thema ein – anders die Zisterzienserklöster Bebenhausen bei Tübingen und Maulbronn. Auch in Salems Bibliothek habe es Schriften und Flugblätter von Luther gegeben. Nur mit Erlaubnis des Abtes durften ausgewählte Mönche die sogenannten "unnützen Bücher" lesen – in der Geheimbibliothek, versteht sich.

Martin Luther habe, sagte Arnold Stadler, zu seiner "einmaligen und grandiosen Übersetzung und damit auch Deutung" die Frohe Botschaft, die "neue Mär", auch als Liedermacher weitergegeben, denn "Singen ist das Schönste, was der Mensch kann" und gehöre zum "Herzstück" der Kirche, schon vor Luther mit der Gregorianik auf Lateinisch. Die Reformation prägte die folgende Geschichte, eine "Trennungsgeschichte" leider, noch dazu oft Kriegsgeschichte. Luther, führte der Theologe und Germanist Arnold Stadler aus, habe in der Tradition des abendländischen Mönchtums gestanden, er sei aus der Mitte der katholischen Welt gekommen. Dazu gehörte die bekannte Frage, wie er einen gnädigen Gott finde. "Weithin verschwunden ist diese Angst heute", was aber das Verstehen Luthers nicht erleichtere.

Nach dem ersten evangelischen Gottesdienst 1525 in Wittenberg folgte 1526 das Singen auf Deutsch, initiiert vom "großen Sänger und Redner über Musik – Martin Luther", denn "Singen trennt nicht, sondern verbindet, vermag die Hoffnung des Menschen aufleben zu lassen" und stehe jenseits juristischer Rechthaberei. "Mit Martin Luther", so Stadler, "kam der große Durchbruch der Bibelübersetzung", glücklicherweise in Verbindung mit Johannes Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks mit Metalllettern. Frühere Übersetzungen stammen von Wulfila, Hieronymus, Otfrid von Weißenburg im neunten Jahrhundert und von Notker von St. Gallen mit seinem Psalterkommentar um das Jahr 1000. Luther sei "ein Sprachmensch mit hoher Musikalität, der die Menschen in ihren Herzen erreichte".

Der im Dunstkreis des Meßkircher Geniewinkels geborene und aufgewachsene Arnold Stadler erzählte von seinen "Erfahrungen mit Evangelischen" – keine in der einklassigen Volksschule in Rast, am Gymnasium in Meßkirch ("erstmals bin ich da wirklich evangelischen Menschen begegnet"). Vom Studium in Tübingen blieb ihm die These "Die katholische Kirche gibt es erst seit Luther" haften. Stadler hielt fest, Singen sei "Ja-Sagen wie das Schreiben auch". Die Welt im heute zunehmenden Utilitarismus wäre noch ärmer ohne das Singen.

Der hörenswerte Vortrag von Liedern durch die Stimmen-Harmonie der Meistersinger bereicherte die Zuhörer: Mit der erstmals in Salem gesungenen Komposition von Chorleiter Klaus Breuninger "Eine feste Burg", mit "Bleib bei uns Herr" von Michael Praetorius und der Motette "Cantate Domino" von Hans Leo Hassler in "Emmauszeiten heute". Die Herzenstiefe berührten Melodien von Franz Schubert ("Im Abendrot") und Felix Mendelssohn Bartholdy ("Beati mortui", "Periti autem"), Franz Wilhelm Abt, (Johann) Christian Heinrich Rinck und Willy Trapp, vom Meßkircher Komponisten Conradin Kreutzer "Das ist der Tag des Herrn" sowie von Friedrich Silcher das impulsive und auch dezente "Sanctus" und der Hymnus "Jauchzet dem Herrn". Drei bekannte Zugaben schenkte der Chor als Lebensweisheiten noch dem Publikum: Kreutzers "Hobellied", Silchers "Hab oft im Kreise der Lieben" sowie die Liedbearbeitung zu "Der Mond ist aufgegangen" von Rolf Lukowsky.

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