Salem-Rickenbach Karibik-Rum aus Rickenbach

Herbert und Silke Senft stellen neues Destillat vor Jährlich 12 Tonnen Zuckerrohrmelasse aus Jamaika

Nachdem die Familie Senft aus so ziemlich jedem in der Region wachsenden Obst Brände destilliert und sie sich mit Wodka, Whisky und Gin vom Bodensee einen weit reichenden guten Ruf gemacht haben, packte sie vor drei, vier Jahren erneut die Experimentierlust. "Wir haben gesagt, jetzt sollten wir uns wieder was Neues einfallen lassen", meint Herbert Senft verschmitzt. Gemeinsam mit Tochter Silke stellte er am Montag den "Rum vom Bodensee" aus der Brennerei Senft der Öffentlichkeit vor. Dieser Rum sei der erste karibische Zuckerrohrschnaps aus Süddeutschland, ist sich Herbert Senft sicher.

Eigentlich ist das bernsteinfarbene Destillat, das einem mit intensiven Vanille- und Marzipannoten in die Nase steigt, ein Kind seiner Tochter. Silke Senft, gelernte Bankkaufrau mit eigenem Brennrecht und seit 2014 geprüfte "Edelbrand-Sommelière", war 2012 auf Jamaica, besichtigte dort Rum-Brennereien und konnte schnell Kontakt zu einem einheimischen Brennmeister namens Antonio knüpfen. "Er hat mir ganz viele Tricks beigebracht", erzählt Silke Senft. Etwa, was für ein intensives Aroma sich im Schaum konzentriert, der bei der Vergärung der Zuckerrohrmaische entsteht, beschreibt Vater Herbert, der sich selbst die Rumdestillation und den Zuckerrohranbau auf Kuba angesehen hat. "Die ganzen Vanille- und Schokoladenaromen bilden sich in diesem Schaum." Diesen konzentrierten Geschmack geben Senfts ihrem Rum nach dem Destillieren wieder zu, so wie Obstbrände mit Fruchtauszügen aromatisiert werden. Dann kommt der Brand zur Reifung in alte Rotwein- oder Whiskyfässer. Ihren ersten Rum vom Bodensee, den sie jetzt in Flaschen füllen, haben die Senfts drei Jahre liegen lassen.

Bei den Obstbränden kommen eigene Früchte und solche aus der Region in den Maischebottich, sogar ihrem Gin machen sie aus einheimischen Rohstoffen. Die Kräuter stammen von der Reichenau und der Wacholder von der Schwäbischen Alb. Doch Zuckerrohr wächst bislang in Europa nicht – "höchstens, wenn das mit dem Klimawandel so weitergeht", lacht Herbert Senft. Deshalb muss der Rohstoff im Mutterland des legendären Seefahrerbranntweins eingekauft werden: Die jamaikanische Melasse, die die Senfts selbst in Tanks via Hamburger Hafen nach Rickenbach importieren, ist aus Zuckerrohr in Bioqualität hergestellt. "Das wächst da problemlos", sagt Brennmeister Senft, "da braucht man auch gar keinen Pflanzenschutz". Rund zwölf Tonnen Melasse wurden in der Salemer Brennerei bisher jährlich verarbeitet. Diese verwandeln sich in der Brennblase zu rund 3000 Litern Bodensee-Rum, was rund 50 Fässer füllt. Künftig soll es laut Silke Senft "etwas mehr" werden. Destilliert wird im aufwändigen "Pot-Still-Verfahren", nach dem man in Schottland und Irland bei der Whisky-Produktion arbeitet und das dem Rum eine besondere Weichheit gebe, beschreibt Silke Senft. Ihr Vater ergänzt: "Von der Brenntechnik her sind wir den Kollegen in der Karibik sicher ein, zwei Schritte voraus, weil wir einfach die besseren Geräte haben."

Der Rum ist das jüngste Produkt der Firma "Edelbrände Senft", deren Seniorchef Herbert Senft ist. Was er während seiner Berufszeit als langjähriger, erfolgreicher Kellermeister des Weingutes Markgraf von Baden und später des Winzervereins Hagnau noch nebenher betrieb, ist längst zu einem sehr erfolgreichen Familienunternehmen geworden. Derzeit laufen die Planungen für ein neues Brennereigebäude und einen Schaukeller, ist bei Rum-Präsentation zu hören. Alle drei Senfts, Tochter Silke, und die Eltern Anita und Herbert, besitzen jeweils das Brennrecht für eine "Abfindungsbrennerei", in der pro Jahr 300 Liter reiner Alkohol destilliert werden dürfen. Seit 2007 betreiben sie überdies eine zollverplombte "Verschlussbrennerei" in der die hergestellte Alkoholmenge exakt gemessen wird.

Masken aus Jamaica

Die Verbindung der Rickenbacher Destillateursfamilie Senft nach Jamaica wuchs in den vergangenen drei Jahren stetig. Zu Brennmeister Antonio, von dem Silke Senft viel darüber erfuhr, wie er Rum macht, sei eine richtige Freundschaft entstanden. Er war auch bereits in Salem zu Besuch. Als Mitbringsel hatte er typische karibische Holzmasken im Gepäck. Von denen ließ sich der Konstanzer Kommunikationsdesigner Georg Plass inspirieren bei seinen Entwürfen für die Rum-Etiketten. Er kreierte vier verschiedene Motive.

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