Salem Experte Ketterer erläutert Waldpflege zwischen Ökologie und Ökonomie

Diplom-Forstwirt Rudolf-Friedrich Ketterer erläutert Vertretern des Umweltarbeitskreises im Bundesverband Deutscher Stiftungen das Konzept der nachhaltigen Waldbewirtschaftung. Mit der WaldPlus GmbH betreut der Diplom-Forstwirt die Wälder des Markgrafen von Baden.

Rudolf-Friedrich Ketterer zeigt auf einen dichten Waldbestand zwischen Baufnang und Tüfingen, der inzwischen 90 Jahre alt ist und eine ausgewogene Mischung von Buchen, Eichen und Fichten mit großen Prachtexemplaren und viel natürlichem Aufwuchs präsentiert. "Da geht einem doch als Förster das Herz auf", sagt der Diplom-Forstwirt und Gesellschafter der "WaldPlus GmbH" bei einer Exkursion den Vertretern des Umweltarbeitskreises im Bundesverband Deutscher Stiftungen. "Hier brauchen wir uns kaum Sorgen um Wildverbiss machen. Hier können Rehe fressen, bis es ihnen schlecht wird." Dass dennoch ein gesunder und wertvoller Holzertrag heranreift, dürfte insbesondere markgräflich-badische Familie in Salem freuen, deren Forstbetrieb sich unter anderem hinter dem Dienstleister "WaldPlus" praktisch verbirgt und dessen Geschäftsführer Michael Prinz von Baden ist.

Seit rund 15 Jahren verfolgt Ketterer ein Bewirtschaftungskonzept, das einen Brückenschlag zwischen Ökonomie und Ökologie darstellen will. Dazu gehört eine Strategie, die besonders wohlgeratene Exemplare auswählt, diese als Z-Bäume bezeichnet und mit einem weißen Bändel versehen werden. Ihnen schaffen die Waldarbeiter optimale Wachstumsbedingungen und Raum zur idealen Kronenentwicklung. Dazwischen wird bei Bedarf immer wieder ausgelichtet. So entsteht eine nachhaltige Entwicklung, im Rahmen derer einzelne große Bäume gefällt werden, wenn die Zeit gekommen ist, die aber auf einen Kahlschlag auf einzelnen Flächen verzichtet. An drei verschiedenen Waldbildern mit einem Bestandsalter von 40, 90 und 110 Jahren macht Ketterer das Konzept bei der Exkursion deutlich.

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Im Wald spielen diese Faktoren eine ganz besondere Rolle, die sich die Förster gezielt zunutze machen. Will er Eichen oder Fichten fördern, muss er etwas mehr Licht schaffen, sonst sind sie im Nachteil gegenüber den Buchen, die auch mit mehr Schatten zurecht kommen. Eine echte Schattenseite sind derzeit insbesondere die Eschenbestände, deren Verfall man seit wenigen Jahren unmittelbar beobachten kann. 2009 ist das Eschentriebsterben in Bayern erstmals beobachtet worden, inzwischen ist es auch in der Regio allgegenwärtig, wie die kahlen Bäume zeigen. "Ursache ist ein Pilz mit dem niedlichen Namen 'Falsches Weißes Stengelbecherchen' oder Hymenoscyphus pseudoalbidus", stellt Rudolf-Friedrich Ketterer den Verursacher vor.

Ökologie und Ökonomie unter einen Hut zu bekommen, ja zu versöhnen, das kann mitunter sehr schwierig sein. Rudolf-Friedrich Ketterer als will dies auf den Flächen das zumindest versuchen, soweit es geht. Bei der Begrifflichkeit hat er dies längst getan. Auf die Frage aus der Runde, ob das nun ein "Forst" oder ein "Wald" sei, antwortet der Hüter der markgräflichen Baumbestände: "Wir machen da keinen Unterschied. Wir verwenden die Begriffe Forst und Wald synonym." Zwar überlässt der Betrieb nur wenige Bäume so alt werden, dass si e einen natürlichen Tod sterben. "Die markgräfliche Familie lebt ja vom Forstbetrieb und der Landwirtschaft", erklärt Ketterer. Doch neben den Vorzeigebäumen mit weißem Bändel, deren Entwicklung zu Prachtexemplaren gefördert wird, gibt es auch so genannte "Habitatbäume", die mit einem roten Punkt gekennzeichnet sind. Dabei handelt es sich um weniger wertvolle, teilweise vorgeschädigte Bäume, die dauerhaft am Standort belassen werden, um langfristig zu einem Totholzbiotop zu werden.

Es kann auch vorkommen, dass die Entwicklung nicht der positiven Prognose folgt. "Was ist denn mit dem Z-Baum, der so viele Schwammerl am Stamm hat", fragt ein Teilnehmer aus Bayern. "Der ist wohl schon geschädigt", erklärt Forstchef Ketterer: "Der muss mal 'umgebändelt' werden."

Firma WaldPlus

Die WaldPlus GmbH ist ein forstliches Dienstleistungsunternehmen, das seit rund zwölf Jahren Forstbetriebe berät, betreut und bewirtschaftet. Gesellschafter sind der Markgraf von Baden, die Klenk Holz AG und Rudolf-Friedrich Ketterer. Geschäftsführer ist Michael Prinz von Baden. Der Unternehmenssitz ist in Schloss Salem. Betreut werden Forstbetriebe in ganz Deutschland mit zirka 11 000 Hektar, wobei der markgräfliche Forstbetrieb allein rund ein Drittel dieser Fläche ausmacht. WaldPlus berät auch einen Forstbetrieb in der Schweiz mit zirka 12 000 Hektar und leistet das Projektmanagement für zwei Unternehmen in der Forst- und Holzwirtschaft. (hpw)

Ihre Meinung ist uns wichtig
Herbstliche Weine vom Bodensee
Neu aus diesem Ressort
Salem
Salem/Deggenhausertal
Salem
Salem
Salem
Salem
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren