Salem Eine entspannte Mutprobe: Salem feiert den Auftritt der Söhne Mannheims

Knapp 4000 Zuschauer waren am Freitag, 16. Juni, zum Schloss Salem gekommen, um die Musik der Söhne Mannheims zu feiern. Auch wenn die Polizei im Vorfeld des Salem Open Air von einer erhöhten Sicherheitslage gesprochen hatte, blieb am Ende alles friedlich.

Wenn es eine Botschaft gab, die die Söhne Mannheims ihren rund 4000 Fans mitgebracht hatten, dann war es eine Botschaft der Dankbarkeit. Keiner der sechs Sänger ließ am Freitag die Chance ungenutzt, das Salemer Publikum zu würdigen. Henning Wehland, der mit seinem musikalischen Vorprogramm bereits für den Auftakt des Abends gesorgt hatte, brachte es auf den Punkt: "Danke, dass ihr uns unterstützt – wir wissen, das ist keine Selbstverständlichkeit. Heutzutage ist es ja fast schon eine Mutprobe, auf ein Söhne Mannheims Konzert zu gehen."

Kritiker würden darauf antworten, dass die Band sich das durchaus selbst zuzuschreiben hat. Als eindeutig mit dem Jargon von rechten Gruppierungen und Verschwörungstheoretikern behaftet, hatten sie den Song "Marionetten" auf dem neuen Album der Mannheimer empfunden. Auch die Polizei nahm die mögliche Verbindung zur Reichsbürger-Szene ernst. Im Vorfeld der Veranstaltung war von einer erhöhten Sicherheitslage die Rede.
 

Tatsächlich bot sich den Sicherheitskräften am Freitagabend dann aber ein friedliches Bild. Statt aus der rechtsgeneigten Aluhut-Fraktion setzte sich das Publikum eher aus Pärchen und Paaren aller Altersgruppen zusammen. Auf seinem Sockel inmitten des Schloss-Hofs war Wilhelm Prinz von Baden der einzige Zuhörer, dem man eine besondere Affinität zum Deutschen Reich ansehen konnte.

Unter den Besuchern, die es sich bei hochsommerlichen Temperaturen auf dem Rasen um die Statue bequem machten, herrschte schon vor Konzertbeginn eine entspannte Atmosphäre. Viele hatten ihre Tickets erstanden, bevor sich die neuesten Querelen um Xavier Naidoo und seine musikalischen Mitstreiter entfacht hatten.
 

"Ich habe meinem Mann die Karten zu Weihnachten geschenkt", verriet Ingrid Pichler. Die 45-Jährige war aus Innsbruck angereist, um sich die Lieder anzuhören, zu denen sich das Paar in 90ern kennen- und lieben gelernt hatte.

Nicht nur vor der Bühne war die Stimmung gut. Xavier Naidoo – wie immer ausgestattet mit Sonnenbrille und Mütze – gab sich von Beginn an eher als Vorzeige-Sohn, denn als Demagoge. Auf seine kontroverseren Lieder verzichtete der Popstar. "Wisst ihr eigentlich, wie schön ihr es hier habt?", wollte er von den Zuschauern wissen. Die Schlosskulisse nahm er anschließend zum Anlass, den Text von "Und wenn ein Lied" umzudichten. "Dieses Lied ist nur für dich, Salem – schön, wenn es dir gefällt."
 

Aber nicht nur die sanfteren Töne kamen beim Publikum an. Während den Strophen von "Geh davon aus" drehte Saitenkünstler Kosho den Verzerrer so weit auf, dass man sich fast an Hardrock-Riffs à la Deep Purple erinnert fühlte. Überhaupt gelang es der Gruppe, eine musikalisch abwechslungsreiche Brücke von Soul über Pop bis hin zu Dancehall zu schlagen. Auch die Rapper Marlon B. und Metaphysics avancierten mit ihren energiegeladenen Intermezzos zu Publikumslieblingen.

Den größten Applaus sparten sich die Zuschauer aber für die stimmig gesungen Balladen der Gruppe auf. Selbst als Naidoo bei "Ich wollt nur deine Stimme hörn" einen Texthänger offenbarte, spendete Salem aufmunternden Applaus. Vielleicht war es seine Dankbarkeit über diese zweite Chance, die den Sänger dazu animierte, nach der Zugabe noch einen draufzusetzen – obwohl die ursprünglich anberaumte Konzertzeit längst abgelaufen war. "Wenn's eine Strafe gibt, legen wir einfach zusammen" waren sich die Söhne einig und stimmten zum Abschied einen a-cappella-Song an.
 

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Alle Berichte und Bilder zu den Open-Air-Konzerten auf Schloss Salem im SÜDKURIER-Themenpaket.
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