Salem Bürgermeister Manfred Härle zu Perspektiven 2018: Neue Mitte ist auf Kurs

Gehen die Pläne für die Neue Mitte auf? Laufen die Kosten für das neue Rathaus aus dem Ruder? Wie meistert die Gemeinde die riesigen Investitionen, die ins Haus stehen? Im Jahresschlussgespräch mit dem SÜDKURIER gibt Bürgermeister Manfred Härle Antworten auf Fragen, die die Salemer Bevölkerung umtreiben und blickt auf Projekte, die 2018 anstehen.

Herr Härle, fangen wir mit einer ganz profanen Frage an, die die Salemer umtreibt: Wann geht es mit den Bauarbeiten für das Rathaus in der Neuen Mitte los?

Den Baubeginn für die Erdarbeiten haben wir für den 15. Januar eingeplant. Für die Rohbauarbeiten laufen derzeit noch die Ausschreibungen. Ich gehe davon aus, dass wir spätestens im April mit den Rohbauarbeiten starten können.

Generell zur Realisierung der neuen Gemeindemitte: Ist man da auf Kurs?

Ja, alles im grünen Bereich. Die Fach- und Detailplanungen sowie die öffentlichen Ausschreibungen laufen planmäßig. Die Ingenieurbüros arbeiten sehr gut zusammen und sind zügig und zielorientiert unterwegs.

Wie immer wieder zu hören ist, zeigt keine der Drogeriemarktketten Interesse, sich in der Neuen Mitte anzusiedeln. Was ist da dran?

Diese Frage ist noch nicht abschließend geklärt. Natürlich wäre es den Drogeriemarkt-Betreibern aus wirtschaftlicher Sicht lieber, einen Markt auf der grünen Wiese mit oberirdischen Stellplätzen zu realisieren. Der ursprünglich für den Drogeriemarkt vorgesehene Platz in der Neuen Mitte ist bereits anderweitig belegt beziehungsweise vergeben. Zurzeit wird ein anderer möglicher Standort für die Ansiedlung des gewünschten Drogeriemarktes in der Neuen Mitte geprüft.

Wie steht es um den geplanten Lebensmittelmarkt in der Neuen Mitte und das Hotel?

Für den Lebensmittelmarkt sind die Weichen gestellt und die notwendigen Verträge unterzeichnet. Der Markt wird von Edeka betrieben werden. Die Rückmeldungen zum Hotel sind allerdings nicht so erfolgversprechend. Wir haben zwar einen Investor, aber keinen Betreiber. Im Ergebnis werden wir das Hotel in der Neuen Mitte nicht verwirklichen können. Dies ist für mich aber auch kein Beinbruch. Alternativ könnte ich mir an dem geplanten Standort auch ein Wohn- und Geschäftshaus sehr gut vorstellen. Diese Nutzung entspricht auch eher dem Bedarf, den wir in der Gemeinde abbilden sollten.

Es gibt also noch dicke Fragezeichen, ob das Konzept Neue Mitte in vollem Umfang so aufgehen wird, wie es sich die Planer ausgedacht haben.

Insgesamt bin ich mit den Planungen und Entwicklungen für das neue Wohn- und Geschäftsquartier in der Neuen Mitte sehr zufrieden. Natürlich möchte ich von den gesteckten Zielen auch die 100 Prozent erreichen. Das ist mein eigener Anspruch. Wenn im Ergebnis dann lediglich 80 bis 90 Prozent herauskommen, darf man nicht enttäuscht sein. Noch vor fünf Jahren haben nur wenige daran geglaubt, dass ich überhaupt Investoren für die Neue Gemeindemitte finde.

Ein fettes Fragezeichen steht auch noch hinter den Kosten, die im Zusammenhang mit der Neuen Mitte auf die Gemeinde zukommen. Bei manchem Gemeinderat hat sich diesbezüglich die Stirn schon mal gewaltig in Falten gelegt. Haben Sie sich im abgeschiedenen Kämmerlein auch schon mal an die Stirn gefasst?

Die Kostensteigerungen kommen für mich nicht überraschend. Jeder, der die allgemeine Baupreisentwicklung beobachtet, weiß, dass wir in den zurückliegenden drei Jahren Preissteigerungen bei einzelnen Gewerken von 5 bis 20 Prozent zu verzeichnen hatten. Die Kostenentwicklung haben wir auf jeden Fall im Blick, und die Finanzierung der Neuen Mitte steht nach wie vor auf sicheren Füßen. Da mache ich mir keine Sorgen.

Ist zu befürchten, dass andere geplante Investitionen in die Infrastruktur der Gemeinde der Neuen Mitte geopfert werden müssen?

Nein, das ist nicht der Fall. Ich habe immer gesagt, dass wegen der Neuen Mitte keine andere kommunale Aufgabe zurückgestellt oder vernachlässigt wird. Und das gilt nach wie vor. Neben der Neuen Mitte haben wir eine Vielzahl von weiteren wichtigen kommunalpolitischen Projekten fest eingeplant. Dazu zählt zum Beispiel die Sanierung des alten Schulgebäudes der Hermann-Auer-Grundschule mit dem An- beziehungsweise Ausbau eines zweigruppigen Kindergartens. Auch am Bildungszentrum Salem werden wir noch einen weiteren Bauabschnitt mit einem Investitionsvolumen von 800 000 Euro im neuen Jahr abarbeiten. Darüber hinaus gibt es Überlegungen für die Planung eines neuen und modernen Kindergartens in Stefansfeld. In diesem Teilort werden wir zusätzlich im neuen Jahr mit der Erschließung eines größeren Neubaugebietes mit 5,5 Hektar starten. Auch eine Erweiterung des zentralen Gewerbegebietes um vier Hektar steht im kommenden Jahr zur Umsetzung an. Nicht vergessen möchte ich die Sanierung der Ortsdurchfahrt von Neufrach und die weiteren Vorhaben aus unserem Gemeindestraßenausbauprogramm.

Hinzu kommt noch eine flächendeckende Breitbandoffensive für das Ortsnetz Salem, bei der rund 2300 Haushalte ein schnelleres Internet bekommen sollen. Ich denke, diese Aufzählung macht deutlich, dass wir neben der Neuen Gemeindemitte einen sehr hohen Taktschlag auch bei den anderen Vorhaben in der Gemeinde fahren.

Erläutern Sie bitte einmal in groben Zügen die Finanzsituation der Gemeinde.

Trotz großer Kraftanstrengungen für die Umsetzung der Neuen Mitte und weiterer Großprojekte haben wir einen soliden und ausgeglichenen Haushalt, bei dem die Investitionen in der Finanzplanung für die kommenden Jahre sauber durchgeplant sind. Mein erklärtes Ziel ist es nach wie vor, die Nullverschuldung zu halten. Dies bekommen wir auch hin.

Klingt ja nicht schlecht. Worauf ist diese komfortable Lage zurückzuführen?

Was uns auszeichnet, ist, dass wir unsere Projekte strategisch gut in die Wege aufgegleist haben. Für einzelne Projekte konnten und können wir sehr hohe Zuschussquoten erreichen. Man darf auch nicht vergessen, dass wir dank unserer Nullverschuldung die Mittel, die andere Gemeinden für Zins und Tilgung einsetzen müssen, investieren können. So schaffen wir es trotz der hohen Anforderungen, die an eine Flächengemeinde mit elf Teilorten und einer aufwändigen Infrastruktur gestellt werden, alljährlich ein gutes Betriebsergebnis zu erzielen und finanzielle Mittel für künftige Investitionen zur Verfügung zu stellen.

Und wie schätzen Sie die Zukunft ein?

Während andere Gemeinden noch über die demografischen Veränderungen in unserer Gesellschaft diskutieren und überlegen, wie sie darauf reagieren sollen, haben wir diesen Prozess bereits vollzogen. Mit der Neuen Mitte sind wir bei den Aufgabenstellungen der Zukunft, wie barrierefreiem Wohnraum, wohnortnahen Einkaufsmöglichkeiten und einer optimalen Gesundheitsversorgung hervorragend aufgestellt und für die Zukunft gerüstet.

Das Bauamt wurde im Lauf des zurückliegenden Jahres plötzlich zum Sorgenkind. Seit dem 1. Oktober ist die Leitung des Bauamts verwaist.

Aufgrund der Fülle an Aufgaben und Projekten haben wir das Bauamt neu gegliedert und strukturiert. Die Nachfolgeregelung des Bauamtsleiters steht. Torsten Schillinger wird unser neuer Bauamtsleiter. Anfang des Jahres werden wir zudem einen neuen Leiter für den Tiefbaubereich und einen weiteren Mitarbeiter als Ansprechpartner und Koordinator für den Bauhof anstellen.

Auf was hoffen oder freuen Sie sich im kommenden Jahr?

Ich freue mich vor allem auf die Grundsteinlegung für das neue Rathaus und die öffentliche Tiefgarage, die für mich ein wichtiger Meilenstein nach jahrelangen Planungen und Vorbereitungen ist.

Und worauf können sich die Salemer Bürger freuen?

Die Gemeinde Salem steht nach wie vor sehr gut da, und wir befinden uns auf einem guten Kurs. Entscheidend ist jedoch die Attraktivität und Lebensqualität vor Ort in den Teilorten. Und da sind wir richtig gut. Neben einer guten Infrastruktur mit elf Dorfgemeinschaftshäusern haben wir sehr engagierte Vereine und Gruppierungen, die eine Vielzahl von Veranstaltungen und Aktivitäten bieten. Nicht vergessen möchte ich die Angebote des Kulturforums und die Veranstaltungen auf Schloss Salem. Das heißt, im kommenden Jahr ist wieder einiges geboten. Und darauf dürfen wir uns alle freuen.

Fragen: Peter Schober

Was sich 2017 in Salem getan hat

  • Die Gemeinschaftsschule am Salemer Bildungszentrum sorgt im Februar für landesweite Schlagzeilen. Im Neuen Schloss von Stuttgart kann Rektor Emil Bauscher den auf Landesebene mit 5000 Euro notierten ersten Preis des bundesweit größten Schulwettbewerbs "Deutschlands beste Schulen, die zur Ausbildungsreife führen" und damit die Fahrkarte zur Bundesausscheidung in Berlin entgegennehmen. Auf Bundesebene kann sich die Salemer auf Platz fünf platzieren. Für Emil Bauscher das Sahnehäubchen seines hohen pädagogischen Engagements. Ende Juli wird er in den Ruhestand verabschiedet. Er hat zwölf Jahre die auslaufende Haupt- und Werkrealschule geleitet und daneben von 2014 an die Gemeinschaftsschule aufgebaut. Seit den Sommerferien wird die Schule von der aus Neufrach stammenden Bettina Schappeler, einer Gymnasiallehrerin, geführt.
    Bettina Schappeler leitet seit den Sommerferien die Gemeinschaftsschule am Salemer Bildungszentrum. Die 42-jährige Gymnasiallehrerin ist in Salem-Neufrach aufgewachsen.
    Bettina Schappeler leitet seit den Sommerferien die Gemeinschaftsschule am Salemer Bildungszentrum. Die 42-jährige Gymnasiallehrerin ist in Salem-Neufrach aufgewachsen. | Bild: Peter Schober
  • Auch die Schlossschule macht im vergangenen Jahr mehrfach von sich reden. Zum Schuljahresbeginn wird die Unterstufe von Burg Hohenfels nach Salem verlegt und mit der Mittelstufe zusammengeführt. In Salem werden jetzt mit 290 Schülern 50 mehr unterrichtet als bisher. Dem trägt die Schule mit einem 20-Millionen-Investitionspaket Rechnung. Im Februar hat das Richtfest für eine Sporthalle stattgefunden, im Frühsommer sind die neuen Außen-Sportanlagen eingeweiht worden.
  • Für die Hermann-Auer-Grundschule in Neufrach sind ebenfalls neue Weichen gestellt worden. Der Gemeinderat stimmt im Oktober einem auf zwei Millionen Euro veranschlagten Sanierungs- und Erweiterungskonzept zu. Dieses beinhaltet zum einen die Schaffung von Räumlichkeiten für den Betrieb einer Ganztagsschule, zum anderen soll hier Platz geschaffen werden für zwei weitere Kindergartengruppen in Neufrach.
  • Wohnraum ist in Salem mehr denn je ein knappes Gut. Das geht aus einer Studie hervor, die die Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben zur Bewertung von Salem als Wirtschaftsstandort im November vorgelegt hat. Einer der wenigen Minus-Punkte für die 11400-Einwohner-Gemeinde. Nun kann allerdings in Stefansfeld ein neues Baugebiet für 62 Einfamilienhäuser und sechs Mehrfamilienhäuser erschlossen werden. Im Oktober stimmt das Gremium einem Bauantrag zur Errichtung von 50 Wohneinheiten in der an der Schlossseeallee projektierten Neuen Mitte zu.
  • Ebenfalls im Oktober stellen im Schlossseestadion Deutschlands beste Zollhundeteams in spektakulären Wettkämpfen ihr Können unter Beweis. Nach 2006 bereits zum zweiten Mal. Die Generalzolldirektion hat als Austragungsort Salem den Vorzug vor der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf gegeben.
    Ein spektakuläres Ereignis: Im Schlossseestadion maßen sich drei Tage lang Deutschlands beste Zollhundeteams.
    Ein spektakuläres Ereignis: Im Schlossseestadion maßen sich drei Tage lang Deutschlands beste Zollhundeteams. | Bild: Peter Schober
  • Am letzten Oktobertag, dem Reformationstag, wird dann in Salem auch noch das Jubiläum "500 Jahre Reformation" groß gefeiert. Eingebunden in diesen Rahmen ist auch das Richtfest für einen kleinen Glockenturm vor dem evangelischen Gemeindehaus.

Peter Schober

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