Salem 71. Theaterstück steht an: Theatergruppe ist Teil der Mittelstenweiler Identität

Seit 1946 gibt es die Theatergruppe Mittelstenweiler, seit 71 Jahren wird jedes Jahr ein Stück aufgeführt. Derzeit arbeiten die Freizeitschauspieler an ihrem 71. Stück: "Wenn einer eine Reise tut .... oder Geräuchertes mit Sauerkraut" ist eine Komödie. Zu elf Vorführungenwerden 1700 Besucher erwartet. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Mittelstenweiler gerade mal 710 Einwohner hat.

Anneliese Rudolf sitzt mit Ilse und Rudolf Glöckner in der hintersten Ecke des Dorfgemeinschaftshauses in Mittelstenweiler und beobachten das Geschehen im Saal und auf der Bühne. Die Theatergruppe Mittelstenweiler hat eine Kostümprobe. Die drei Theaterleute unterstützen die Truppe im Hintergrund und haben für den Probetag die Verpflegung übernommen. Früher standen sie teilweise noch selber auf Bühne. Alle zusammen stellen über 110 Jahre Theatererfahrung in der einen oder anderen Funktion dar. Sie scheinen zufrieden mit ihren Nachfolgern zu sein. Ab und an wird herzlich gelacht.

Das Theater zeigt wieder ein sehr unterhaltsames Stück zwischen Weihnachten und Dreikönig. Und das schon zum 71. Mal. In den 71 Jahren seit der Gründung 1946 hat sich die Theatergruppe zu einem Teil der Identität der 710-Seelen-Ortschaft entwickelt. Über Generationen wird in Mittelstenweiler Familien die Freude am Theater weitergegeben. Aktuell stehen mit Elisabeth und Leonard Straub Mutter und Sohn auf der Bühne. Das Theater dient auch zur Integration Zugezogener, wie das Beispiel Helmut Armbruster zeigt. Er hatte in seiner Jugend im Ortenaukreis Theater gespielt. Seine alte Leidenschaft aktivierte er wieder, nachdem die Mittelstenweiler Theatergruppe von seinem Talent erfuhr. Heuer spielte er einer der Hauptrollen, den Feuerwehrkommandanten Oswald Krause. Dieser kommt mit seinen Kameraden Emil (Uwe Spießmacher) und Max (Leonard Straub) gerade von ihrer Feuerwehrübung. Beschwipst und lallend klagen Oswald und Max ihr Leid. 20 Jahre gemeinsamer Kururlaub in Bad Füssing ohne die Ehefrauen haben ein jähes Ende.

Die Landwirte haben ihre Schweinezucht abgeschafft und nun wollen ihre bis jetzt genügsamen Frauen die Urlaubszeit zusammen mit ihren Ehemännern verbringen, statt die Viecher zu versorgen. Statt "morgens Fango, abends Tango" soll es für Oswald und Helga (Elisabeth Straub) in die Karibik gehen. Emil muss mit seiner Betty (Alexandra Pfaller) auf Kreuzfahrt durch das Mittelmeer. Herrlich das Gejammer der Männer über die Planänderung. Umso mehr die Überraschung, dass die einsichtigen Ehefrauen für ihre Männer doch noch Bad Füssing gebucht haben – aber die Frauen kommen mit. Bei den Irrungen und Wirrungen während des Kuraufenthaltes werden die Zuschauer ihre hellste Freude haben. Schenkelklopfer werden den Theaterabend begleiten.

Die Ehefrauen offenbaren ihren Männern, dass es statt Kreuzfahrt nun doch in Bad Füssing "morgens Fango, abends Tango" heißen soll (v.l.): Elisabeth Straub (Helga), Alexandra Pfaller (Betty), Uwe Spießmacher (Emil) und Hubert Armbruster (Oswald).
Die Ehefrauen offenbaren ihren Männern, dass es statt Kreuzfahrt nun doch in Bad Füssing "morgens Fango, abends Tango" heißen soll (v.l.): Elisabeth Straub (Helga), Alexandra Pfaller (Betty), Uwe Spießmacher (Emil) und Hubert Armbruster (Oswald). | Bild: Mardiros Tavit

Auch dieses Mal wird das Stück zwischen Weihnachten und Dreikönig mehrfach gespielt: eine öffentliche Hauptprobe für Senioren und Kinder, eine Nachmittagsvorstellung und neun Abendvorstellungen. Hinzu kommt eine Sondervorstellung für das Alten- und Pflegeheim Wespach. Freunde des über die Gemeindegrenzen bekannten Theaters wissen, dass die Karten eilig reserviert werden sollten, denn sobald der Kartenverkauf eröffnet ist, sind die Karten schnell vergriffen. Am Ende werden rund 1700 Besucher das Treiben von Oswald, Emil und Co. gesehen haben.

Aber bis dahin wird noch zweimal die Woche geprobt. Vorneweg ist Rolf Rudolf als Regisseur gefragt. Er hat schon im Mai von Verlagen verschiedene Stücke eingeholt. Von den 20 Stücken hatte er fünf ausgesucht, die zum Mittelstenweiler Theater und deren Spieler passen. Die Auswahl erhielten auch Elisabeth Straub und Bärbel Kanz und sie waren sich alle drei schnell einig. Die Komödie "Wenn einer eine Reise tut ..." von Regina Rösch sollte es sein. Gleich nach den Sommerferien ging es mit den Leseproben los. Sonntag und Donnerstag treffen sich die Spieler. Seit Mitte Oktober wird im Dorfgemeinschaftshaus geprobt. Über die Besetzung entschied Regisseur Rudolf alleine. Dann stand das Probewochenende mit der Kostümprobe zum Schluss an. "Es geht noch um die Feinabstimmung", sagt Rudolf. "Die Wege auf der Bühne, wo die Figuren stehen und welche Griffe sie machen, das haben wir schon alles durch." Der Regisseur ist noch nicht ganz zufrieden. Trotz der vielen konzentrierten Arbeit wird viel gelacht. "Das ist wichtig, es muss immer noch Spaß machen", ist Rudolf überzeugt. Bei Textaussetzern hilft Bärbel Kanz als Souffleuse nach. Bis zum Schlussvorhang sind alle dabei. Wenn sie nicht auf der Bühne stehen, sortieren sie Perücken oder gehen erneut ihren Text durch. Und das alles mit Leidenschaft. Denn wie heißt es unter den Theaterleuten: einmal Theater, immer Theater.

 

Vor und hinter den Kulissen

  • Stück: Die Komödie "Wenn einer eine Reise tut .... oder Geräuchertes mit Sauerkraut" ist gut zwei Stunden lang und hat zwei Pausen.
  • Nachmittagsvorstellungen um 13.30 Uhr: Mittwoch, 27. Dezember, öffentliche Hauptprobe für Kinder und Senioren mit Kaffee und Kuchen. Samstag, 30. Dezember: reguläre Vorstellung mit Bewirtung.
  • Abendvorstellungen um 19.30 Uhr mit Bewirtung von Mittwoch, 27. Dezember, bis Samstag, 30. Dezember und im neuen Jahr von Dienstag, 2. Januar bis Samstag, 6. Januar.
  • Kartenvorverkauf startet am Montag, 4. Dezember, um 8 Uhr. Reservierung: Telefon 0 75 44/40 30 (Manuela Notheis). Der Bestuhlungsplan ist über die Homepage im Internet abrufbar: www.salem-mittelstenweiler.de
  • Besetzung: Hubert Armbruster als Feuerwehrkommandant Oswald Krause, Elisabeth Straub als Oswalds Ehefrau Helga, Uwe Spießmacher als Feuerwehrmann und Oswalds Freund Emil Lautenschläger, Alexandra Pfaller als Emils Ehefrau Betty, Leonard Straub als Max Kaiser Feuerwehrmann und Freund von Oswald und Emil, außerdem als Harry Gruber Masseur im Kurhotel; Juliane Öttel: als Marie Jungbauer die Nachbarin und als Susi Weber eine Masseurin; Thomas Notheis als Kurgast und Heiratsschwindler Ferdinand van Cartier, Marcel Rothmund als Kurgast und Freund von Ferdinand Adalbert Baron von und zu Stadelhofen, Angela Zyla als Kurgast Chantal Obermaier, Christine Busch als Kurgast Jacqueline Niedermüller.
  • Hinter den Kulissen: Regie: Rolf Rudolf; Souffleuse: Bärbel Kanz; Maske: Gabi Duttlinger und Seffi Kanz; Bühnenbau: Kurt Lenski; Bühnenkünstler: Rolf Fenzel; Gesamtleitung: Thomas Notheis.

 

 

 

Die Masken-Frau

Gabi Duttlinger ist seit 20 Jahren für die Maske zuständig. Anfangs half sie beim Service mit. Von Haus aus ist sie Friseurin, Visagistin und Farb- und Stilberaterin: genau die richtige Kombination für die Maske beim Theater. Als Selbstständige kann sie sich ihre Zeit frei einteilen. Deshalb sind die Aufführungstermine bei ihr im voraus schon geblockt. "Ich liebe es, die Darsteller und ihre Charaktere zu verändern."

Gabi Duttlinger richtet Uwe Spießmacher für seinen nächsten Auftritt her.
Gabi Duttlinger richtet Uwe Spießmacher für seinen nächsten Auftritt her. | Bild: Mardiros Tavit

Seit 49 Jahren dabei

Rolf Rudolf ist seit 49 Jahren bei der Theatertruppe. Und seit 43 Jahren ist er ihr Regisseur – genau wie sein Vater, der das schon bei der Gründung vor 70 Jahren war. In der Schule durfte er den Josef spielen, aber vom Theater fragte ihn niemand, ob er mitmachen will. Über seine Frau ist er erst zur Theatergruppe gestoßen. Das Theaterspiel hat sich bei ihm langsam entwickelt. "Es muss Spaß machen", ist sein Credo.

Rolf Rudolf ist seit fast 50 Jahren dabei und führt seit 43 Jahren Regie.
Rolf Rudolf ist seit fast 50 Jahren dabei und führt seit 43 Jahren Regie. | Bild: Mardiros Tavit

190 Einsätze

Hubert Armbruster spielt eine der Hauptrollen. Mit 190 Einsätzen im Stück steht er von allen Charakteren am häufigsten im Rampenlicht. Seit 2012 ist er bei der Truppe. Schon in seiner Jugend im Ortenaukreis hatte er Theater gespielt. 2006 zog er nach Mittelstenweiler. "Irgendwie haben sie davon erfahren und mich einkassiert", sagt er. Das Theaterspielen sieht er auch als Integration in die Dorfgemeinschaft.

Hubert Armbruster spielt den Oswald Krause.
Hubert Armbruster spielt den Oswald Krause. | Bild: Mardiros Tavit

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