Ravensburg Strafe für Mithilfe an spektakulärem Uhrenraub

Wegen Beihilfe zu schwerem Raub hat die 2. Strafkammer des Landgerichts Ravensburg einen 22-jährigen Mann zu einer Freiheitsstrafe zwei Jahren und drei Monaten verurteilt. Der in Litauen lebende Mann hatte im April 2015 als vermeintlicher Kunde die Gegebenheiten eines Juweliergeschäfts in Ravensburg ausgespäht.

Tags darauf kam es zu einem Blitzüberfall von vier Männern, die in nicht einmal einer Minute gezielt hochwertige Uhren im Wert von über 100.000 Euro erbeuteten. Zwei Angestellte wurden dabei verletzt. Zwei der vier ebenfalls aus Litauen stammenden Räuber wurden inzwischen gefasst.

Dass das Urteil in diesem Prozess bereits am dritten Verhandlungstag gesprochen werden konnte, war dem Angeklagten selbst zu verdanken. Er hatte die Vorwürfe der Ausspähung bereits zu Prozessbeginn eingeräumt, es blieben allerdings Fragen offen. Beispielsweise der Umstand, ob sich der zur Tatzeit 20-jährige Litauer nach Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht schuldig machte. Die Jugendgerichtshilfe sah hier eine Tendenz. Der junge Mann genoss zwar eine gute Erziehung, absolvierte das Abitur und lebte in sozial unauffälligem Umfeld. Wie die Zukunft aussehen sollte, hätte er zum Zeitpunkt der Tat jedoch offen gelassen.

Diese Einschätzung wollte Staatsanwalt Peter Wizemann so gar nicht teilen. "Der Zustand, dass er nicht weiß, was er nach der Schule machen soll, macht einen fast 21-jährigen Mann nicht zum Jugendlichen", argumentierte Wizemann. "Der Überfall war in dieser Form nur deshalb möglich, weil der Angeklagte den Tätern detaillierte Informationen gegeben hatte", so der Staatsanwalt. Er forderte eine Verurteilung nach Erwachsenen-Strafrecht und ein Strafmaß von drei Jahren und drei Monaten.

Strafverteidiger Thomas Pusch widersprach in seinem Plädoyer den Einschätzungen der Staatsanwaltschaft und sah zu viel Interpretation der Indizien. Er merkte an, dass sein Mandat eher von einem nächtlichen Einbruch seiner Kumpanen, nicht aber von einem Raubüberfall ausging und forderte ein Strafmaß von unter zwei Jahren. Damit wäre eine Bewährungsstrafe möglich gewesen.

Richter Veiko Böhm setzte später das Strafmaß auf zwei Jahre und drei Monate und hielt den Haftbefehl aufrecht. Zwar teilte er die Einstufung nach Jugendstrafrecht aufgrund von fehlender Reife – die Beteiligung an einer international geplanten und vollzogenen Strafzeit wiege bei der Frage nach einer Bewährungsstrafe jedoch schwer. "Sie wussten schon Tage zuvor, was Ihre Begleiter vorhatten und hätten Gelegenheit gehabt, sich davon zu distanzieren", sagte Richter Veiko Böhm bei der Urteilsbegründung.

Nicht gut an kam bei der Kammer auch das Schlusswort des Angeklagten: "Anstatt klare Reue zu zeigen und die Absicht darzulegen, wie Sie ihren Lebensweg künftig angehen wollen, ist Ihnen Weihnachten zu Hause in der Heimat wichtig", so der Richter. Daraus wird nun nichts. Nach Anrechnung der Untersuchungshaft wird der Mann jetzt mindestens bis Mai in Haft bleiben. Dann erst wäre eine Abschiebung mit verbundenem Wiedereinreise-Verbot oder eine Aussetzung der Reststrafe zur Bewährung möglich.

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