Ravensburg Polizei warnt vor der Betrugsmasche mit der Chef-Mail

Die üblen Tricks von Betrügern: Wie Kriminelle Nachrichten fingieren, damit Firmenmitarbeiter ihnen auf den Leim gehen.

Ganoven sind erfinderisch, wenn es darum geht, neue Tricks zu ersinnen, um andere Menschen übers Ohr zu hauen. So warnt die Polizei seit Jahren vor dem sogenannten Enkeltrick, der inzwischen in den unterschiedlichsten Varianten auftaucht. Den Kriminellen fallen dabei vor allem ältere Menschen zum Opfer. Im Kern trifft es Gutgläubige, die nach der Philosophie der Gauner dazu gebracht werden sollen, ihnen ihr Geld auszuhändigen. Für die Opfer gibt es in der Regel ein fatales Erwachen – dann nämlich, wenn es längst zu spät ist.

Der Enkeltrick wurde jetzt in einer neuen perfiden Weise verändert, er trifft in dieser Form gezielt Mitarbeiter von Unternehmen. Am Anfang steht immer eine E-Mail oder ein Telefonat. Beim Polizeipräsidium Konstanz wird derzeit in einem Fall ermittelt, bei dem eine Mitarbeiterin einer Ravensburger Firma eine solche Mail bekam. Verfasst wurde sie angeblich von der Geschäftsführerin des Unternehmens. Darin wurde um die Überweisung einer fünfstelligen Summe gebeten. „Die Mitarbeiterin wurde misstrauisch und fragte bei der Geschäftsführerin nach“, heißt es bei der Pressestelle des Polizeipräsidiums. Es stellte sich heraus, dass die Nachricht fingiert war, die Geschäftsführerin war keineswegs die Absenderin; die Ermittlungen der Polizei ergaben vielmehr, dass die Mail über einen nigerianischen Server versendet worden war.

Fälle wie jener in Ravensburg häufen sich inzwischen, so dass die Polizei verstärkt an die Öffentlichkeit geht und vor den Machenschaften warnt. Hinter den Drahtziehern soll nach Medienberichten ein weltweites Netzwerk stecken, die Konten liegen im Ausland, vor allem in China, Hongkong oder Osteuropa.

Die Masche sei immer gleich, heißt es bei der Polizei. Mal werden Mitarbeiter der Buchhaltung per Mail oder Telefon gebeten eine Summe zu überweisen, ein anderes Mal sind es frei erfundene Rechnungen angeblicher Geschäftspartner, die den Eindruck erwecken, als habe die Geschäftsführung die Mail veranlasst. Die gefälschten Mailadressen seien zumindest auf den ersten Blick täuschend echt. Unterdessen erklärte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), ihm läge eine Liste mit 5000 Personen vor, die von den Trick-Gaunern ins Visier genommen wurden. Die Betroffenen seien über die Risiken solcher Nachrichten informiert. Die Kontaktdaten würden häufig durch frei zugängliche Webseiten der Firmen, Karriere-Portale, soziale Netzwerke, über das Handelsregister und über telefonische Kontakte gewonnen. In der Region zwischen Schwarzwald, Alb und Bodensee ist diese Masche noch weitgehend neu. Die Polizei rät daher Unternehmen, ihre Mitarbeiter über diese Betrugsmaschen zu informieren.

Ganz ähnlich funktioniert auch der sogenannte „Fake-Customer-Trick“ (fingierter Kunden-Trick), mit dem es das Landeskriminalamt (LKA) schon seit ein paar Monaten zu tun hat. Danach gehen betrügerische Mails vorwiegend bei mittelständischen Unternehmen der Metall-, Automobil- und Lebensmittelindustrie ein. Ihnen wird vorgegaukelt, ein seriöser Großkunde – vornehmlich in Großbritannien – bestelle Waren in großem Stil. Dazu belegten die Gauner ihre Bonität mit gefälschten Bilanzen, so Pressesprecher Horst Haug. Die Ware werde dann über eine eigens angemietete Spedition nach Großbritannien transportiert, ohne jemals bezahlt zu werden.

Seit Juni vergangenen Jahres seien neun Firmen in Baden-Württemberg darauf hereingefallen, so Haug. Sie lieferten Waren im Wert von bis zu 300 000 Euro aus. Der gesamte Schaden, den die Kriminellen mit diesen Tricks angerichtet haben, reiche in den Bereich von eine Million Euro.

Das Rät die Polizei

  • Überprüfen Sie den Kunden beziehungsweise seine Bestellung durch Kontaktaufnahme über Telefon oder E-Mail-Verbindungen, die auf der Homepage des Kunden als Kontaktdaten hinterlegt sind.
  • Benutzen Sie nicht die Kontaktdaten aus der E-Mail oder den Antwort-Button für die Überprüfung.
  • Informieren Sie die Beschäftigten Ihres Unternehmens über diesen Fake-Customer-Trick.

 

Wie verhalte ich mich bei einer zweifelhaften Mail richtig?

  1. Überprüfen der E-Mails auf Absenderadresse und korrekte Schreibweise.
  2. Verifizieren Sie Zahlungsaufforderungen unbedingt über Rückruf oder schriftliche Rückfrage beim genannten Auftraggeber.
  3. Verwenden Sie bei der Beantwortung/Rückfrage und Überprüfung aber nicht die angegebene Telefonnummer oder E-Mail-Adresse des Absenders, sondern entnehmen Sie diese Ihrem internen Kommunikationsplan.
  4. Halten Sie Rücksprache mit der Geschäftsleitung oder dem Vorgesetzten.
  5. Achten Sie darauf, welche Informationen über Ihr Unternehmen öffentlich sind beziehungsweise wo und was Sie und Ihre Mitarbeiter im Zusammenhang mit Ihrem Unternehmen publizieren.
  6. Legen Sie klare Verhaltensregeln und interne Kontrollmechanismen für Ihre Finanzabteilung und Buchhaltung fest.
  7. Sensibilisieren Sie Ihre Mitarbeiter hinsichtlich dieses Betrugsphänomens.
  8. Lassen Sie sich aufgrund der vorgegebenen Dringlichkeit nicht unter Druck setzen.
  9. Wenden Sie sich bei Auffälligkeiten an Ihre örtliche Polizeidienststelle.

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