Ravensburg Oberstaatsanwalt spricht von „kaltblütigem Mord“

Am Freitag soll das Urteil im Prozess gegen einen 46-Jährigen aus der Nähe von Ravensburg gesprochen werden, der seine 43-jährige Ehefrau umgebracht und die Tat als Selbstmord getarnt haben soll. Der Oberstaatsanwalt sprach in seinem Plädoyer von einer "planvollen, kaltblütigen und perfiden Tat".

Für den Ravensburger Oberstaatsanwalt Karl-Josef Diehl ist es ein klarer Fall: Der 46-jährige Betriebswirt aus der Nähe von Ravensburg hat seine 43-jährige Ehefrau, von der er getrennt lebte, in der Nacht vom zum 10. Juli 2016 im Schlafzimmer des gemeinsamen Hauses erwürgt und dann im Heizungskeller ihren Suizid vorgetäuscht. Diehl, der den Mordfall von Beginn an bearbeitete, sah den ermittelten Tatablauf durch zahlreiche Indizien „umfänglich bestätigt“, hieß es in einer schriftlichen Erklärung nach seinem einstündigen Plädoyer. An dessen Ende stand die Forderung nach einer lebenslangen Freiheitsstrafe.

Das Plädoyer wurde in nichtöffentlicher Sitzung gehalten. Grundlage hierfür war, dass die drei Kinder des Ehepaars im Rahmen der Beweisaufnahme unter Ausschluss der Öffentlichkeit und per Videovernehmung befragt worden waren. Der Mann war an dem Juli-Wochenende mit den Kindern in ein Erlebnisbad ins bayerische Erding gefahren und in der Nacht zurück ins Schussental, um seine Frau zu töten, so der Ankläger. So habe der Angeklagte seine Kinder „gleichsam als Alibi missbraucht“, sagte Diehl und sprach von einer „planvollen, kaltblütigen und perfiden Tat“. Er beantragte von der fünfköpfigen Strafkammer die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Nach derzeitiger Praxis würde dies bedeuten, dass der Verurteilte mehr als 20 Jahre im Gefängnis zubringen müsste, bevor er auf Bewährung freigelassen werden könnte.

Am gestrigen Prozesstag versuchten der Angeklagte und sein Verteidiger Hans Bense noch einmal, das Ende der Beweisaufnahme zu verzögern. Erneut wurden Anträge zur Ermittlung der Fahrtzeit zwischen der Gemeinde bei Ravensburg und Erding gestellt und den Ermittlungsbehörden angesichts von Geschwindigkeitsbegrenzungen und Umleitungen fehlerhafte Berechnungen unterstellt. Und es ging um den Hund eines Nachbarn, „ein extrem geräuschempfindlicher und ausgebildeter Wachhund“ (Anwalt Bense), dessen Besitzer als Zeuge zu laden sei. Für kurzzeitige Aufregung im Publikum sorgte die Ankündigung von Verteidiger Bense, man habe einen Abschiedsbrief der Ehefrau gefunden, „höchst persönlich geschrieben und unterzeichnet“ zwei Tage vor ihrem Tod. Bei der Darstellung des Auffindens des Briefes gab es unterschiedliche Aussagen vom Angeklagten und seinem Anwalt. Und die Verlesung des angeblichen Abschiedsbriefs ergab keinerlei Anzeichen für Suizidgedanken, sondern allenfalls das Bild einer Frau, die nach 25 Jahren Ehe einen Neuanfang ohne den Mann wollte und ihm unverhohlen drohte, weitere Nachstellungen nicht mehr zu tolerieren.

Nach dem folgenden Plädoyer des Oberstaatsanwaltes soll Verteidiger Bense sein Plädoyer am morgigen Freitag um 8.30 Uhr halten, ebenfalls nichtöffentlich. Nach dem Schlusswort des Angeklagten will sich die Schwurgerichtskammer „ausreichend Zeit“ zur Beratung des Urteils nehmen. Mit der Urteilsverkündung und Begründung sei frühestens ab 16 Uhr zu rechnen, sagte der Vorsitzende Richter Jürgen Hutterer gestern.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Adventskalender - weil Vorfreude die schönste Freude ist
Neu aus diesem Ressort
Ravensburg
Ravensburg
Ravensburg
Ravensburg
Ravensburg
Ravensburg
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren