Ravensburg Neon Diamond haben die erste CD veröffentlicht

Jung, ambitioniert und lässig: Den Sound der vier jungen Ravensburger sollte man gehört haben. Die fünf Songs der EP "// constellation“ gibt es als CD, zum Download und bei Streaming-Plattformen.

„Schließ die Augen“, singt Marlon Knitz, „und der Regen klingt wie Applaus“. Dabei konnte er die Augen im Figurentheater Ravensburg unlängst ruhig offen lassen: der Applaus, der auf seine Band Neon Diamond beim Release-Konzert der EP „// constellation“ niederprasselte, war schließlich keine Einbildung.

Im Frühjahr 2015 hat sich die Band aus Ravensburg gegründet, und schon ein gutes Jahr später standen sie im Skylark Studio von Michael Wagner in Tettnang. Entstanden sind fünf Songs, die jung, aber nicht unerfahren klingen. Ambitioniert, aber lässig. Mit einer klaren Handschrift, die sich nicht auf ihren Wiedererkennungswert versteift und dadurch maniriert geworden wäre. Marlon Knitz sagt es so: „Wenn ich einen Song schreibe, stelle ich mir die Aufgabe, mal was komplett anderes auszuprobieren.“ Das Ergebnis überzeugt, denn Marlon Knitz (Gesang, Rhythmusgitarre), Daniel Kebschull (Gitarre, Gesang), Marius Hägele (Gitarre) und Pascal Pfefferle (Schlagzeug) gelingt ein Flow, der mühelos verschiedene Stile in sich aufnimmt. Der erste Song „Apollo“ etwa: Das ist schwebender Dream Pop mit viel Melancholie und weichem Sprechgesang. Watte, Unwirklichkeit – und dann ein zeitlupenmäßiges Alternative-Gitarrenriff mit Biss.

Wer daheim die Kopfhörer aufsetzt, schwebt mit Neon Diamond überm eigenen Bett, sprengt die Luke von der Ego-Kapsel und lässt das Weltall herein. So klingt es zumindest, wenn Marlon Knitz sich Wort für Wort vorantastet, wie im Lied „Straßenlaternen“: „Es sind die Sterne, die nachts leuchten und die Straßenlaternen, die uns zeigen, was wir sind und was wir gerne wär’n.“ Bei ihm verschwimmt die Grenze zwischen HipHop und Gesang – da werden die Rhymes zum Gegenteil der konventionellen Selbstbehauptung, die sich in die Außenwelt rammt. Eher gleichen die Wortsilben Händen, die sich mit viel Intuition durch einen dunklen Raum tasten, um ihn kennenzulernen. Und gibt es einen dunkleren Raum als denjenigen „Inside of an Outsider“? So nennen Neon Diamond einen ihrer Songs. Man erwartet Frust, Entfremdung – aber stattdessen lassen die beiden Gitarren zu wuchtigem Schlagzeug glänzende, schillernde Lichtkaskaden herunterregnen, und Marlon Knitz singt „I am afraid, but it’s okay“.

Neon Diamond kennen keine Verhärtungen, auch nicht sprachlich. „Straßenlaternen“ wechselt sogar innerhalb des Lieds zwischen Deutsch und Englisch. „Früher wäre das ein No-Go gewesen; heute kann man switchen, wie mal will“, sagt Marlon Knitz. Demnächst wird er volljährig, ebenso wie Bassist Daniel. Schlagzeuger Pascal ist 19, Gitarrist Marius 20 Jahre alt. Die einen machen gerade ihr FSJ, die anderen haben noch ein Jahr bis zum Abitur. Das Ende der Schulzeit hat schon manche Band auseinandergetrieben, aber Marlon ist zuversichtlich, das das bei ihnen anders läuft. „Wir schauen jetzt erst mal, dass wir zusammenbleiben und gucken, was in den nächsten Jahren geht.“

Auch live geht was. Am 11. März spielt die Band beim Wettbewerb „Open See Contest“ im Kulturladen in Konstanz, und im Mai im Rahmen des „Jugend macht Theater“-Festivals in Ravensburg. Ihre Songs entwickeln die vier weiter fort. Das ist auch einer Neugier geschuldet, die einen Song schon mal über die Instrumentierung hinaustreibt. „Paradise“ ist dafür ein Beispiel: „Den habe ich komplett allein im Kellerstudio aufgenommen“, sagt Marlon Knitz – und zwar mit ausschließlich elektronischem Gerät. „Paradise“ klingt nach Dancefloor aus der Tiefkühltruhe – nach New Order, die ihre Sachen aus den 80ern nochmal neu einspielen. „Wir haben es lange nicht geschafft, diesen elektronischen Klang mit Bass, Gitarren und Schlagzeug umzusetzen. Aber schließlich ging es doch.“ Nur auf die EP hat es der Song zeitlich nicht mehr geschafft. Neon Diamond haben noch andere Stücke im Rohr – eine Single, die 2017 noch erscheinen soll, mit einer bezeichnenden Textzeile: „Lasst mich durch, ich bin ein Freigeist“.

Zum Glück sind die Freigeister nicht immun gegen Ratschläge. „Wir wollten die EP erst ganz allein machen“, sagt Marlon. „Aber wir kamen an Fragen, auf die wir keine Antwort hatten.“ Weiterhelfen konnte Michael Wielath, der in Ravensburg das Popbüro Bodensee-Oberschwaben leitet und die Künstleragentur Set Free Entertainment betreibt. „Er hat uns zum Beispiel empfohlen, die EP ohne GEMA zu machen, weil sie uns in unserem Stadium eventuell noch gar nichts nützt.“ In Michael Wagner fand die Band einen Aufnahmeleiter, mit dem die Chemie stimmt. „Er hat unsere Musik einfach verstanden und konnte sie auch umsetzen. Aber dass das Endergebnis so gut wird, hätten wir trotzdem nicht gedacht.“

 

Hier gibt's die Songs

Die EP "// constellation" von Neon Diamond enthält fünf Songs und ist auf zahlreichen Streamingplattformen präsent, darunter auch bei Spotify. Zum Download gibt es die Songs unter anderem bei iTunes und Amazon. Die CD kann für 8 Euro im Netz bestellt werden unter neondiamond.de (rup)

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