Ravensburg Landgericht Ravensburg: Alles auf Anfang im Mordprozess von Hoßkirch

Nach der Panne im Fall Hoßkirch vor dem Schöffengericht in Ravensburg fangen die Richter wieder von vorne an.

Vor mehr als einem halben Jahr, am 9. November 2017, begann der Prozess vor dem Landgericht Ravensburg gegen einen 35-jährigen Arbeitserzieher aus Hoßkirch. Der Mann soll seine Ehefrau erwürgt und dann versucht haben, einen Unfall vorzutäuschen. Aber nach 13 Verhandlungstagen war der Prozess wegen Befangenheit der Schöffin geplatzt. Gestern also Neustart im Ravensburger Landgericht.

Mehr Personal soll erneute Pannen verhindern

Alles wie gehabt: Der Vorsitzende Richter Stafan Maier eröffnet das Hauptverfahren vor der Schwurgerichtskammer mit der Feststellung der Anwesenheit aller Beteiligten. In zwei Minuten verliest Staatsanwalt Peter Spieler dann die Mord-Anklage, Wort für Wort wie damals. Alles wie gehabt. Dann fragt der Richter den Angeklagten, ob er sich zur Person oder Anklage äußern wolle. Hatte der vor Prozessbeginn das Gesicht hinter einem großen braunen Briefumschlag verborgen, zeigt er nun sein Gesicht und antwortet seltsam lächelnd: „Ich mache keine Angaben“. Alles wie gehabt. Aber doch nicht ganz: die Richterbank ist gestern voll belegt, denn neben den drei Berufsrichtern und zwei Schöffen sitzt jetzt links außen noch eine junge Juristin als Ergänzungsrichterin und ganz rechts außen hat ein Ergänzungsschöffe Platz genommen. Denn so eine peinliche Panne wie im März soll sich nicht mehr wiederholen.

Und noch etwas fällt am gestrigen Verhandlungstag auf: Hatten sich vor einem halben Jahr die Zuhörer dicht gedrängt im Gerichtsaal, und hatten Anspannung und Emotionen spürbar in der stickigen Luft gelegen, war Saal 1 gestern nur knapp zur Hälfte gefüllt. Und da ist die von einem Zuhörer eher nebenbei gestellte Frage, ob das Gericht jetzt und an folgenden 12 Verhandlungstagen so tun könne, als hätte man nicht alles bereits einmal gehört und geordnet. Ein Prozess erneut im Anfangsstadium also.

Polizeihauptmeister als Zeuge vernommen

Wie das geht, ist am Donnerstag gleich zu erleben. Als Zeuge nimmt ein Polizeihauptmeister im Zeugenstuhl Platz. Der schildert, wie alles damals aus polizeilicher Sicht begann. Am 26. Februar 2017, es ist der Fastnetssonntag, geht gegen 9.30 Uhr ein Notruf ein. Ein Mann meldet aus Hoßkirch einen Verkehrsunfall. Ein Auto im Acker, da müsse die Polizei kommen. Als der Beamte eine gute halbe Stunde später in Hoßkirch eintrifft, sieht er den dunkelblauen Vito im Acker stehen. Der Motor läuft. Die Scheinwerfer brennen. Im Auto selber liegt eine tote Frau. Mehr als 100 Meter davon entfernt liegt „eine Person“ auf dem Bauch im Acker, schwerverletzt und nicht ansprechbar. Der Polizist damals wie gestern: "Die Spuren passten irgendwie nicht zusammen“.

Angeklagter wirkt distanziert

Der Angeklagte hat jetzt die Arme verschränkt und hört aufmerksam zu. Ob und was er bei der polizeilichen Schilderung empfindet, bleibt im Dunkeln. Dafür berichtet der Polizist, dass er im Auto ein Jacke fand, und in einer Jackentasche einen goldenen Ehering mit der Gravour „Natalie“. So hieß die Ehefrau und Mutter von zwei Kindern, die damals starb.

Dann versammeln sich Staatsanwalt, Gutachter, Verteidiger und Nebenkläger- Anwälte am Richtertisch, um längst bekannte Fotos vom Acker und Fundort noch einmal anzusehen. Der Angeklagte bleibt auf seinem Platz sitzen. Er wird noch viel zu hören bekommen. Der Prozess wird am 7. Juni fortgesetzt.

 

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