Ravensburg Das Sams erlebt eine traumhafte Premiere

Das Figurentheater Ravensburg bringt Paul Maars Kinderbuch "Am Samstag kam das Sams zurück" auf die Bühne – und landet damit einen ebensolchen Volltreffer wie 2014 mit "Eine Woche voller Samstage"

Das Sams hat das langweilige Leben von Herrn Taschenbier zwar tüchtig umgekrempelt – aber eines hat sich im zweiten Teil von Paul Maars Kinderbuchreihe rund um das Sams nicht geändert: Herr Taschenbier versteht sich immer noch nicht aufs richtige Wünschen. Zwar hat er, anders als im Märchen, mehr als nur drei Wünsche frei – aber auch so vergeudet er die Wunschpunkte im Gesicht des Sams, bis es fast zu spät ist und er sich das Einzige wünscht, was ihn wirklich glücklich macht: dass das Sams für immer bei ihm bleiben kann.

Wenn es das Figurentheater Ravensburg nicht schon lange gäbe, dann müsste man es sich mit einem Wunschpunkt herbeiwünschen – denn nachdem es vor zweieinhalb Jahren „Eine Woche voller Samstage“ auf die Bühne brachte, landet es nun mit der Fortsetzung „Am Samstag kam das Sams zurück“ erneut einen Volltreffer. Die Aufführungen sind ausverkauft und die nur vier Meter breite Bühne wird zu einer Welt, die sich immer mehr weitet, je kleiner und enger sie wird. Das liegt an einem besonderen Kniff von Regisseurin Angelika Jedelhauser: Als sich Herr Taschenbier nämlich in seiner Wohnung einen Urlaub herbeiwünscht, auf einer Insel mit Palmen und Sandstrand, wünscht er sich direkt in das Bild, das hinter ihm an der Wand hängt. In dieser gemalten Inselkulisse geht das Spiel mit kleinen Pappfiguren weiter – auf die sich mit brennender Aufmerksamkeit die Blicke aller Kinder richten. Denn hinter der Düne liegt ein Großwildjäger auf der Lauer, der das Sams fangen will...

Sogar im gerahmten Bild im Bühnenhindergrund wird Theater gespielt. Als Herr Taschenbier sich auf eine einsame Insel wünscht, geht hier das Spiel mit kleinen Pappfiguren weiter.
Sogar im gerahmten Bild im Bühnenhindergrund wird Theater gespielt. Als Herr Taschenbier sich auf eine einsame Insel wünscht, geht hier das Spiel mit kleinen Pappfiguren weiter. | Bild: Harald Ruppert

Birgit Martetschläger, in unauffälliges Schwarz gehüllt, führt die Sams-Figur auf vollendete Weise. Ihr mädchenhaftes Kichern, ihre modulierfähige Stimme, ihre Gabe, sich wo immer möglich hinter dem Körper des Sams oder der Wohnungseinrichtung von Herrn Taschenbier zu verbergen, lassen ihre Anwesenheit vergessen. Umso lebendiger wirkt dadurch das Sams, das aus sich selbst zu leben scheint. Ein Publikumsliebling für Menschen jeden Alters ist Andreas Thiele als Herr Taschenbier. Er entwickelt einen clownesken Witz, als sei er sich dessen gar nicht bewusst und hat sämtliche Lacher auf seiner Seite, wenn er es mithilfe eines großen Blechs zwischen den Händen ausgiebig donnern lässt – weil es am Donnerstag nun mal donnern muss, damit das Sams erscheint. Sogar die Bauchrederei beherrscht er und verleiht damit Herr Kules seine krächzende Stimme. Herr Kules ist der Papagei von Herrn Mon, der Herrn Taschenbier immer montags einen Besuch abstattet – denn eines ist sicher: Wenn nicht Mon am Montag kommt, kommt am Samstag auch kein Sams. Anton Wassermann als Mon ist eine Schau: wann erlebt man schon ein so formvollendetes Poltern, eine solche Entrüstung wie von ihm, als er erfährt, dass Herr Taschenbier ihn immer nur wegen dem Sams eingeladen hat!

Und dann ist da natürlich noch Frau Rotkohl, ausgezeichnet verkörpert von Christina Wallisch: Verdrossen zieht sie die Schnute herab, entschieden führt sie den Besen; und wenn ihr was nicht passt, wird sie übergriffig wie ein Feldwebel in der Schlacht. An Herrn Taschenbier, ihrem Mieter, passt ihr freilich vieles nicht: nicht nur, dass er einem schweinsnasigen Wesen im Taucheranzug Unterschlupf gibt – jetzt beherbergt er auch noch den Papagei von Herrn Mon. „Ich wünsche, dass dieser Vogel sofort mein Haus verlässt!“, keift sie. Und weil man in Herrn Taschenbiers Wohnung Wünsche nicht folgenlos ausspricht, ist der Vogel plötzlich futsch – in den Fängen Fängen von Herrn Lürcher (Jürgen Segelbacher) nämlich. Der hält Herrn Taschenbier für eine sehr verdächtige Erscheinung und will ihm nun mithilfe des sprechenden Vogels endlich das vermeintlich dunkle Handwerk legen. Aber da ist er beim Polizisten (ebenfalls Christina Wallisch) an den Falschen geraten...

„Am Samstag kam das Sams zurück“ ist ein Reigen von Missverständnissen und Missgeschicken, den man sich bunter nicht wünschen könnte. Nicht einmal mit den Wunschpunkten des Sams.

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