Ravensburg Blitzüberfall auf Juwelier: Die Spur führt nach Litauen

Ein 22 Jahre alter Mann aus Litauen muss sich vor Gericht verantworten. Er soll im April 2015 ein Ravensburger Juweliergeschäft ausgekundschaftet haben, auf das später vier Täter einen Raubüberfall verübten. Innerhalb einer Minute erbeuteten die Räuber Uhren im Wert von 116.000 Euro.

Vor der 2. Schwurgerichtskammer des Landgerichts Ravensburg muss sich seit Freitag ein 22-jähriger Mann aus Litauen verantworten. Ihm wird vorgeworfen, ein Juweliergeschäft in der Ravensburger Unterstadt vor dem Überfall im April 2015 zweimal besucht und ausgespäht zu haben. Zudem soll er eines der an der Tat beteiligten Fahrzeuge gefahren oder zumindest angemietet haben. Der Überfall sorgte für Aufsehen, denn die Räuber erbeuteten Luxusuhren im Wert von rund 116.000 Euro und benötigten dafür nicht einmal eine Minute. Zwei Angestellte waren mit einer Waffe bedroht und mit Pfefferspray verletzt worden.

Aufgrund von gleich gelagerten "Blitzüberfällen" in Deutschland, Bayern und der Schweiz fügten sich die Puzzleteile die regionalen Ermittler in Kooperation mit dem Bundeskriminalamt mehr und mehr zusammen. Die Spur führte nach Litauen. Dort klickten im Frühjahr die Handschellen und die ersten Auslieferungen nach Deutschland wurden vollzogen. Auch für den jungen Mann, der in Ravensburg auf der Anklagebank saß. In einem weißen Hemd und auch sonst sehr gepflegter Erscheinung wurde er in Hand- und Fußfesseln in den Gerichtssaal geführt. Bei der anschließenden Befragung zur Person passten die Details und Schilderungen so überhaupt nicht zur Verstellung, vor Gericht würde ein Mitglied einer international tätigen Verbrecherbande sitzen.

Zum Tatvorwurf der Beteiligung am Raubüberfall in Ravensburg ließ der Angeklagte über seinen Strafverteidiger eine schriftliche Einlassung verlesen. Immer wieder habe er für und zusammen mit dem Vater in Deutschland, Frankreich und der Schweiz aufgekaufte Fahrzeuge abgeholt und nach Litauen überführt. Das sei auch der Plan in jenem April 2015. Während sein Vater im Raum Frankfurt und Hannover unterwegs gewesen sei, habe sein Weg zunächst ins Elsass und die Schweiz geführt. Auf der Fahrt hätten seine Mitfahrer dann Pläne geschmiedet, sich durch Einbrüche und Überfälle Geld und Beute zu beschaffen.

Laut schriftlicher Erklärung des Anwalts habe der Litauer dann der Aufforderung Folge geleistet, zum Ausspähen das Geschäft zu betreten und sich nach hochwertigen Uhren zu erkundigen. "Er wollte nicht als Feigling dastehen und hat sich darauf eingelassen", so der Anwalt. Beim Überfall selbst sei sein Mandant allerdings nicht mehr dabei gewesen. Er habe seinen Vater in Frankfurt getroffen. Später habe man ihm in der litauischen Heimat erzählt, der Überfall habe nicht geklappt.

Die Namen der Räuber wollte der Angeklagte nicht nennen, da diese in Litauen zum Teil noch auf freiem Fuß seien. Der 22-jährige macht sich offenbar Sorgen um seine Familie, sollte er seine Komplizen belasten.

Zum Auftakt der Beweisaufnahme kamen die ermittelnden Beamten der Kriminalpolizei Ravensburg zu Wort. Sie berichteten unter anderem, wie durch GPS-Daten der beiden Mietwagen ein eindeutiges Bewegungsprofil erstellt werden konnte. Auf die Frage des Strafverteidigers, ob sich litauische Tätergruppen speziell auf derartige Blitzeinbrüche oder Überfälle spezialisiert haben, antwortete einer der Kriminalbeamten trocken: "Aus meiner 25-jährigen Polizeiarbeit weiß ich mittlerweile, dass litauische Tätergruppen inzwischen alles machen." Details, welche den Angeklagten über das Ausspähen hinaus belasten könnten, kamen am ersten Prozesstag aber nicht ans Licht.

Der Prozess wird am Montag mit weiteren Zeugen und einem Gutachter fortgesetzt.

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