Bodenseekreis BUND will Flächenfraß stoppen – Flächengewinn durch Parkdecks

Der BUND fordert eine konsequentere Innenentwicklung, um den Flächenfraß aufzuhalten. Der Grundsatz beim Thema Parkraum heißt "weniger Versiegelung, mehr in die Höhe bauen". Als positives Beispiel gilt das Häfler Zeppelin-Parkhaus, in das fast 2000 Autos passen.

Ravensburg/Bodenseekreis – Der tägliche Flächenverbrauch in Deutschland geht zwar leicht zurück, aber aufs Jahr umgerechnet wird immer noch ein Gebiet so groß wie zwei Drittel der Fläche des Bodensees zugebaut, betoniert oder asphaltiert. Diesem Flächenfraß hat der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) den Kampf angesagt. Gestützt auf ein Projekt des Landesnaturschutzverbands (LNV) Baden-Württemberg fordert Ulfried Miller, Regionalgeschäftsführer des BUND Bodensee-Oberschwaben, ein Umdenken.

"Wir sind das immer wiederkehrende Lamentieren über zu wenig Bauflächen leid, solange die Möglichkeiten der Innenentwicklung auf bereits versiegelten Böden nicht konsequent genutzt werden", sagt Miller. Flächensparendes Bauen sei vor allem in landschaftlich attraktiven Regionen angesagt, die zunehmend auf touristische Wertschöpfung setzen und noch intakte Landwirtschaftsbetriebe im Vollerwerb aufweisen.

Im Landkreis Ravensburg könnten innerhalb weniger Jahre 30 Hektar Gewerbefläche neu gewonnen werden, wenn in bestehenden Gewerbegebieten mit großer Parkplatzfläche einfache, mehrgeschossige Parkdecks aufgebaut würden, sagt der Regionalgeschäftsführer. Er stützt sich dabei auf eine Studie des Landesnaturschutzverbands. "Dieses Flächenpotenzial sollte umgehend genutzt werden", fordert Miller.

Dass er nur für den Kreis Ravensburg spricht und nicht auch für die zur Region Bodensee-Oberschwaben gehörenden Nachbarkreise Bodenseekreis und Sigmaringen, erklärt er mit den Vorgaben des LNV. "Aus dem Bodenseekreis gibt es aber ein Positivbeispiel", sagt Ulfried Miller. Gemeint ist das Parkhaus der Zeppelin GmbH in der Leutholdstraße in Friedrichshafen. Das 150 Meter lange und 66 Meter breite Parkhaus gilt mit insgesamt 1900 Stellplätzen auf sieben Stockwerken als das größte in Oberschwaben. Es wird von insgesamt vier Firmen genutzt.

Wilfried Franke, Direktor des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben, hält es "grundsätzlich möglich und auch wünschenswert", wenn Parkierungsflächen stärker durch mehrgeschossige Parkdecks ersetzt werden könnten. "Parkdecks sind allerdings deutlich teurer und deshalb wehren sich Vorhabenträger häufig erfolgreich gegen entsprechende rechtlich mögliche Festsetzungen", gibt Franke zu bedenken. Außerdem würden viele Planungsträger im Wettbewerb um Gewerbebetriebe vor solchen Festsetzungen zurückschrecken.

Nicht so die Stadt Ravensburg. "Wir werden für zukünftige Gewerbegebiete flächensparendes Parken fest- und umsetzen", schreibt Alfred Oswald, Pressesprecher des Ravensburger Oberbürgermeisters Daniel Rapp, auf Anfrage des SÜDKURIER – und fügt hinzu: "Der Grundsatz muss werden: weniger Flächenversiegelung, mehr in die Höhe."

Beim Landratsamt Ravensburg, als untere Baurechtsbehörde für 14 der 39 Städte und Gemeinden des Landkreises zuständig, verweist Iris Steger, Leiterin des Bau- und Umweltamts, auf die Zuständigkeit der einzelnen Kommunen. Derartige Forderungen müssten in den jeweiligen Bebauungsplänen festgeschrieben werden. Das Landratsamt müsse sich bei der Genehmigung von Baugesuchen an diese Festsetzungen halten und könne keine darüber hinausgehende Vorgaben machen.

Die Studie

Der Landesnaturschutzverband (LNV) Baden-Württemberg hat untersucht, wie viel Fläche sich einsparen ließe, wenn in Gewerbegebieten statt ebenerdigem Parken verstärkt Parkhäuser und Tiefgaragen genutzt würden. Dafür wurden alle Gewerbegebiete über fünf Hektar in den Landkreisen Böblingen und Ravensburg untersucht, also in zwei Landkreisen mit hoher wirtschaftlicher Dynamik – einerseits im Ballungsraum und andererseits im ländlichen Raum. Zudem wurden Gewerbegebiete entlang der A 81 zwischen Stuttgart und Singen und der A 5 im Rheintal einbezogen.

Die Daten wurden über das automatisierte Raumordnungskataster ermittelt. Aus Luftbildern wurde der Anteil der Parkierungsflächen erfasst, wobei nur größere Flächen ab zehn Stellplätzen berücksichtigt wurden. Die Parkplatzanteile in den vier Regionen: Landkreis Ravensburg 5,65 Prozent, Landkreis Böblingen 9,35 Prozent, Stuttgart-Singen 4,25 Prozent, Karlsruhe-Basel 3,84 Prozent. Durch Parkhäuser mit vier Decks könnten laut der LNV im Landkreis Ravensburg 33 Hektar mehr Flächen (plus 4,2 Prozent) gewonnen werden. Im Kreis Böblingen wären 109 Hektar (plus 7 Prozent) möglich. Im Bereich Stuttgart-Singen errechnet der LNV einen Wert von 16,8 Hektar (plus 3,2 Prozent) und im Bereich Karlsruhe-Basel einen Wert von 53,7 Hektar (plus 2,9 Prozent). (ahr)

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