Owingen Winterliches Figurenspiel mit Wanja in der Billafinger Gerbe

Kulturkreis Owingen präsentiert Theater „KaBerettchen“ mit Bettina Brüggemann. "Es klopft bei Wanja in der Nacht" ist ein Stück mit tiefgründiger Moral.

Eisig tost der Sturm durch die Dunkelheit, doch nicht nur um die Ecken der Neuen Gerbe in Billafingen, sondern auch um Wanjas Hüttchen. „Weit fort in einem kalten Land, steht Wanjas Haus am Waldesrand“: So lauten die ersten Verse des Kinderbuchklassikers „Es klopft bei Wanja in der Nacht“. Bettina Brüggemann lässt dessen Szenario mit ihrem Figurentheater "KaBerettchen" an diesem Abend zum Leben erwachen. „Schön, dass ihr bei diesem Wetter alle zu Wanja gefunden habt“, begrüßte die ausgebildete Puppenspielerin, die in Billafingen lebt, ihre zahlreichen jungen Gäste bei diesem Heimspiel.

Doch „oh weh“, ihre tierischen Mitstreiter haben sich vor Scheu schon aus dem Staub gemacht. „Habt ihr den Hasen, den Fuchs oder den Bären gesehen?“, wurden die eifrigen Zuschauer gefragt. So schienen alle Utensilien wie vom Sturm hinweggefegt, und Brüggemann begann spielend das Haus des Protagonisten, Tiere und Landschaft zu erschaffen. Der Fellpantoffel mutierte zum kuschligen Bett, der Regenschirm zum Ofenrohr, aus geknoteten Handschuhen entstand das Häschen.

„Durch den Einbezug banaler Alltagsgegenstände wecke ich die Spiel-Kreativität der Kinder“, so ihr Motiv. Und nicht nur dadurch: Meisterhaft gelang es der Figurenspielerin das Publikum ganzheitlich zu erreichen. Vielfältige Stimmimitationen, rührende Gesangseinlagen, kreative Schauspielerei und direktes Einbeziehen der Kinder erschufen ein großartiges Ensemble. Die warmherzige Geschichte vom einsamen Wanja, der in einer bitterkalten Winternacht mehrmals von drängendem Türklopfen aus dem Bett gescheucht wird, handelt von Solidarität in akuter Not.

Der kältegeplagte Hase, Fuchs und Bär finden trotz vernichtender Vorurteile einander gegenüber, gemeinsam Zuflucht in Wanjas warmem Haus. „Auch Wanja deckt sich wieder zu: Gut Nacht und angenehme Ruh“, so heißt es nach jedem Eingelassenen. Dieser einzigartige Frieden währt bis zum Morgen, als sich die Tiere der drohenden Präsenz der anderen bewusst werden und die Flucht ergreifen. Der nun beim Erwachen leere Raum lässt Wanja an der Existenz der nächtlichen Begebenheit zweifeln, „doch draußen sieht er von drei Tieren die Spuren sich im Schnee verlieren.“ Eine Thematik, deren Aktualitätsbezug heute drängender denn je erscheint.

„Ich liebe diese Erzählung“, sagt Bettina Brüggemann. „Die Charaktere, die starken Bilder im Buch, genau das Richtige an einem kalten Winterabend.“ Die Puppen zum Theater hat sie selbst gefertigt, Bühnenbild, Regie und Umsetzung allein entworfen. „Während der Vorstellung improvisiere ich aber spontan“, sie hangle sich einzig an einem festen „roten Faden“ entlang, erklärt sie. Diese Flexibilität, die Verbindung zwischen Vorführung und Zuschauern gestaltete sich in der Tat faszinierend. „Mit meiner Form des Theaterspielens möchte ich einen Gegenpol zur lauten Schnelllebigkeit setzen“, so Bettina Brüggemanns Anliegen. Und das gelingt: Unaufdringlich, leise, aber das Innerste anrührend, so ließe sich diese Empfindung wohl formulieren. Jener wunderbaren Geschichte entsprechend, die tiefgründige Moral in einfacher, umso prägenderer Form mittelt. „Winternächten liegt ein besonderer Zauber inne“, wie sich Brüggemann schmunzelnd verabschiedet.

"KaBerettchen"gibt es seit 2007

Das Figurentheater: Seit 2007 begeistert Bettina Brüggemann aus Billafingen mit ihrem anrührend urigen Figurentheater „KaBerettchen“. Anfangs noch in Zusammenarbeit mit Katja Paulsen, welche auch namentlich Teil des Theaternamens ist, spielt die gelernte Erzieherin nun alleine. Nach einem Besuch des Theaters „Dornröschen“ von Figurenspielerin Margrit Gysin sei auch sie „endlich aufgewacht“ und belegte seitdem Kurse für Theaterpädagogik bei dieser in Zürich. Die Ausbildung umfasste Schauspiel, Puppenbau, Gesangsunterricht, Regieführung und Pädagogik. Ihre schauspielerische Nebentätigkeit umfasst etwa vier Auftritte im Jahr, vorwiegend auf Anfrage in Schulen und Kindergärten in der Region. Bekannte Märchen wie „Das Waldhaus“ oder „Allerleirau“ sind dabei ebenso vertreten wie ausländische Erzählungen, inszenierte Kinderbücher und traditionelle Kasperle-Stücke. Bettina Brüggemann erarbeitet ihre Stücke in Eigenregie, stellt Figuren und Requisiten selbst her und setzt während der Vorführung vor allem auf Improvisation und direkten Einbezug von Zuschauern und konkretem Umstand. Bettina Brüggemann kommt ursprünglich aus Trossingen, zog 1993 an den Bodensee und seit 1998 lebt sie in Billafingen. Ihren Beruf als Erzieherin übt sie in Nußdorf aus.

Das Buch: Zum Bilderbuch „Es klopft bei Wanja in der Nacht“ von Tilde Michels, illustriert von Reinhard Michl, das ob seiner tiefgründigen Moral 1986 den Gustav-Heinemann-Friedenspreis erhielt, hegt Brüggemann schon immer eine besondere Zuneigung.

Kontakt: Wer Interesse daran hat, dass Bettina Brüggemann mit ihrem Figurentheater KaBerettchen und Wanja zu einen Auftritt in eine Schule oder den Kindergarten kommt, der erreicht die Puppenspielerin telefonisch unter der Nummer 0 75 57 / 82 07 62.

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