Bodenseekreis Michael Bode aus Owingen will Mister Gay 2018 werden

Der 20-jährige Michael Bode aus Owingen ist homosexuell – und will gern Mister Gay 2018 werden. Unter hunderten Bewerbern hat er es in die Runde der letzten 18 Kandidaten geschafft. Die Entscheidung fällt am Wochenende. Bereits jetzt kann auf Facebook abgestimmt werden. Der Mister Gay vertritt die homosexuelle Gemeinschaft ein Jahr lang als Sprachrohr in Deutschland und im Ausland.

Michael Bode ist schwul und er hat eine Lernschwäche. Zu beiden steht er. Das zeigt Mut, auch in der heutigen Zeit. Nun möchte der 20-jährige Owinger, der in den sozialen Netzwerken unter dem Namen "Mitch Bo" zu finden ist, Mister Gay 2018 werden. Der Sieger dieser Wahl, quasi der "Schwule Mann" für das kommende Jahr, wird in Deutschland und im Ausland als Sprachrohr die Gay Community, die homosexuelle Gemeinschaft, vertreten. Das erklärt Patrick Dähmlo, der Veranstalter dieser Wahl.

Gesucht wird ein seriöser Repräsentant, ein Role-Model und Vorbild mit dem Mut, Unrecht aufzuzeigen, und dem Willen, Dinge zu verändern – genau darin sieht Michael Bode den Sinn seiner Bewerbung. Immerhin hat er es unter die letzten 18 von mehreren hundert Bewerbern geschafft, die am kommenden Wochenende in Köln den Sieg unter sich ausmachen werden.

Michael Bode spricht über sein Outing, das heißt den Weg, zu seiner sexuellen Präferenz zu stehen und sich in der Gesellschaft und in der Familie, bei Freunden und am Arbeitsplatz offen dazu zu bekennen. Im Alter von 15 Jahren habe er sich seinen Eltern erklärt, zunächst einmal seiner Mutter, erinnert sich Bode. "Unter Tränen habe ich es gestanden und war so erleichtert, denn meine Mama hat gelacht und gesagt, sie habe auch einen schwulen Cousin." Auch bei seinem Vater und den vier Geschwistern habe er viel Verständnis erfahren. Sie hätten es sehr gelassen genommen, ihn nie deswegen aufgezogen, sagt Michael Bode. "Besonders meine Schwestern waren sehr cool.

Mit diesem Bild stellt sich Michael Bode bei Facebook zur Wahl.
Mit diesem Bild stellt sich Michael Bode bei Facebook zur Wahl. | Bild: privat

"Vor seinem Großvater habe er Angst gehabt und sein Outing erstmal verheimlicht. Er habe Sorge gehabt, der Großvater könne ausrastet, was aber nicht geschah, ganz im Gegenteil. "Der Opa fand es klasse, dass ich dazu stehe, und sagte, Hauptsache, ich sei glücklich", lacht Michael Bode. Er habe ein sehr leichtes Outing gehabt, wohl aber erinnere er sich an den ein oder anderen Klassenkameraden, der plötzlich etwas zugeknöpft reagiert habe. "Eine Umarmung wurde da plötzlich anders gedeutet, die Reaktionen waren also Fifty-Fifty und nicht immer easy. Es gibt ein paar Leute in meinem Bekanntenkreis, da ist mein Outing immer noch nicht angekommen. Die machen auch blöde Witze, über die ich nicht lachen kann." Dennoch habe er es leicht gehabt, auch mit seinen Arbeitgebern. Bode lernte im Lagerhäusle in Altheim Fachkraft im Gastgewerbe und arbeitet aktuell bei Naturata in Überlingen.

Zur Wahl des Mister Gay gehört neben dem Aussehen auch eine eigene Kampagne der Bewerber. Dafür hat sich Michael Bode das Thema Outing gewählt und möchte anderen jungen Menschen helfen, sich zur eigenen Sexualität zu bekennen und das auch nach außen zu transportieren. "Ich weiß, dass ich Glück hatte, aber das ist nicht die Regel und gerade hier auf dem Lande ist das oft nicht einfach", erklärt er sein Thema. Der 20-Jährige, der hobbymäßig auch als Foto-Model arbeitet, versteht, wenn jemand sich nicht outen möchte. "Da gibt es schon noch Berührungsängste, man wird vielleicht dumm angepöbelt, deswegen ist es gut, sich Hilfe und Beistand zu suchen."

Diese Hilfe möchte Michael Bode leisten und gibt den Tipp, sich an die beste Freundin oder an einen Vertrauten zu wenden oder eine Beratungsstelle aufzusuchen. Er möchte als Mister Gay jungen homosexuellen Menschen eine Plattform bieten und mit News, Links und Video-Clips im Internet präsent sein. Beim Christopher Street Day (CSD) in Zürich war Bode in diesem Jahr zum zweiten Mal. Auch dort möchte er mit seiner Kampagne an einem Stand vertreten sein. "Wenn ich Mister Gay werde, ändert sich zwar mein Leben definitiv, weil vieles auf mich zukommt, aber ich bin gerne hier in meiner Heimat und will auch hierbleiben", antwortet Bode auf die Frage, ob er als Mister Gay lieber in Köln oder Berlin leben würde.

Er ist stolz darauf, es in die engste Auswahl der Kandidaten geschafft zu haben. "Auch oder gerade mit meiner Lernschwäche, denn diese habe ich nicht verschwiegen", sagt Bode. Politische Themen gehören mit zum Wahl-Kontext, wie beispielsweise die Ehe für alle oder das neue Adoptionsrecht. Beides sieht er als "super Fortschritt". Die Teilnahme an der Mister-Gay-Wahl stärke sein Selbstbewusstsein, auch wenn man via Internet schon die eine oder andere Beleidigung wegstecken müsse. Zu den immer noch vorhandenen Vorurteilen gegen Homosexualität meint Michael Bode: "Lernt erst einmal den Menschen kennen, und das gilt für alle."

Der Wettbewerb

Seit dem 15. Juli kann man auf der Mr-Gay-Facebook-Seite seinen Favoriten liken. Zur Wahl stehen 18 Teilnehmer im Alter von 18 bis 37 Jahren, vom Schweißer bis zum Bankkaufmann. Sie wurden unter mehreren hundert Bewerbern aus allen Regionen Deutschlands ausgewählt. Michael "Mitch" Bode ist unter den letzten 18 Kandidaten, von denen einer ab dem Wochenende den Titel Mister Gay tragen wird, und zwar für das kommende Jahr 2018. Zum einen Teil entscheidet das Voting via Facebook, zum anderen eine 14-köpfige Jury in Köln. Kontakt zu Michael Bode findet man bei Facebook unter "Mitch Bo".

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