Owingen Kandidantenvorstellung im Kultur|O: Ein ungleiches Rennen um das Rathaus

Vor rund 300 Bürgern haben sich am Freitagabend die beiden Bewerber um das Bürgermeisteramt, Henrik Wengert und Thomas Blietschau, im Bürgerhaus "Kultur|O" präsentiert. Während Amtsinhaber Wengert viel Rückhalt spürte, gab es für Herausforderer Blietschau zumindest höflichen Applaus. Chancen bei der Wahl am 22. Oktober rechnet er sich selbst aber nicht aus.

Man braucht kein Hellseher zu sein, um bei den Bürgermeisterwahlen in Owingen am 22. Oktober einen Trend vorhersagen zu können. Amtsinhaber Henrik Wengert erhielt bei der amtlichen Kandidatenvorstellung im Bürgerhaus „Kultur|O“ viel Zuspruch. Und Herausforderer Thomas Blietschau machte sich im Anschluss keine zu großen Illusionen. „Null wird es nicht sein“, erklärte Blietschau auf die Frage nach seinen Erwartungen. „Mit 250 bis 300 Stimmen rechne ich schon.“ Worum Henrik Wengert kämpft, ist vor allem eine gute Wahlbeteiligung und eine möglichst hohe Zustimmung. So sagte er zu Beginn seiner engagierten und präzise getimten Bewerbungsrede: Nach acht spannenden, aber auch herausfordernden Jahren, habe er „Lust auf mehr“. Wengert: „Es dürfen auch mehr als acht Jahre sein.“

Beide Bewerber hatten 20 Minuten Zeit für ihre Vorstellung. Fragen könnten bei Bedarf anschließend noch im kleinen Kreis gestellt werden, erklärte Rudolf Fischer, Gemeinderat und stellvertretender Bürgermeister, bei seiner Begrüßung. Ein gutes Zeichen war es, dass an die 300 Bürger gekommen waren und das „Kultur|O“ zu drei Vierteln füllten.

Auf reges Interesse stieß die Vorstellung der Bürgermeister-Kandidaten bei den Bürgern. Rund 300 waren ins Bürgerhaus "Kultur|O" gekommen.
Auf reges Interesse stieß die Vorstellung der Bürgermeister-Kandidaten bei den Bürgern. Rund 300 waren ins Bürgerhaus "Kultur|O" gekommen.

Dass Herausforderer Thomas Blietschau keinen leichten Stand haben würde, machte schon der lange Vorschuss-Applaus deutlich, als Amtsinhaber Henrik Wengert sich auf den Weg zum Rednerpult machte. Er wolle nur auszugsweise resümieren, sagte Wengert, „was wir gemeinsam zustande gebracht haben“. Symptomatisch war, dass Wengert stets das „Wir“ verwendete, wenn er von Bemühungen um ein familienfreundliches Owingen sprach, von der Bereitstellung von Wohnbaugebieten und Gewerbeflächen, von der Kinderbetreuung, die nicht mehr nur wünschenswert, sondern längst dringend erforderlich sei. Deshalb nannte Wengert als ein Ziel auch ein Ganztagsangebot an der Auentalschule. Er werde sich zudem für den weiteren Ausbau des Breitbandnetzes und die Elektromobilität stark machen. Ladestationen könnten zum Beispiel für Gastronomen ein interessantes Angebot darstellen. Hinsichtlich der touristischen Angebote gebe es noch „Luft nach oben“.

Dem selbstbewusst auftretenden 45-Jährigen Thomas Blietschau war hingegen schnell anzumerken, dass diese Bewerbung eine Premiere war, die zudem nicht sehr strukturiert wirkte. Sein Redemanuskript nützte Blietschau nur ab und zu als Stichwortgeber. Er habe sich seine Bewerbung „reiflich überlegt“, erklärte Blietschau und er sei der Überzeugung, „dass Sie als Gemeinde sehr davon profitieren könnten“. Bewusst und unbewusst sorgte er mehrfach für Heiterkeit im Publikum.

Ihm sei „durchaus bewusst, dass Ihr Bürgermeister bisher keinen schlechten Job gemacht hat“, räumte Thomas Blietschau ein. Man dürfe sich jedoch fragen: „Hätte ein anderer Bürgermeister vielleicht sogar bessere Erfolge erzielt?“ Es müsse doch nicht sein, „dass ein Bürgermeister immer erst in Rente geht oder erst in Ungnade fällt bei seinen Bürgern, dass jemand Neues kommt“. Er zumindest bringe die Kreativität mit, um Owingen „in die Zukunft zu führen“.

Auf reges Interesse stieß die Vorstellung bei den Bürgern. Rund 300 waren ins Bürgerhaus gekommen.
Auf reges Interesse stieß die Vorstellung bei den Bürgern. Rund 300 waren ins Bürgerhaus gekommen.

Er habe sich die „Owinger Zahlen“ angeschaut. „Da ist es leider so, dass Ihre Gemeinde in den letzten Jahren nicht das Wachstum an Einwohnern hatte, wie es eigentlich sein sollte“, sagte Blietschau und erntete dafür leises Murren. Mit herzhaftem Lachen reagierte das Publikum dann, als er den Begriff „aussterben“ verwendete. Als Bürgermeister wolle er sich vorrangig für Familien und junge Menschen einsetzen. Auch das Ziel eines Jugendgemeinderats sprach Blietschau an. Ziel müsse es sein, den Ort für junge Menschen auch nach der Berufsausbildung attraktiv zu halten.

Viel blieb im Ungefähren bei Blietschaus Vorstellungen, in denen er von Mehrgenerationenhäusern und dem Vorzug für Mehrfamilienhäuser sprach, die zu einem „Pilotprojekt für ganz Deutschland“ werden könnten. Verbessern wolle er auch das Lebensmittel- und Einzelhandelsangebot für den Ort. Sportliche Großveranstaltungen würde er in Owingen ebenfalls platzieren. Allerdings blieb es bei diesen vagen Andeutungen. Gemeinsam mit den Bürgern wolle er einen Ort schaffen, der „auch die nächsten 20 Jahre bewohnbar bleibt“.

Er hoffe, die Zuhörer zumindest zum Nachdenken gebracht zu haben, sagte Thomas Blietschau. Mit höflichem Beifall erlöste das Publikum den Bewerber nach knapp 14 Minuten seiner Redezeit, der nahm das Angebot dankend an.

 

Die Wahlen

Für eine Bürgermeisterwahl gebe es ein gewisses Zeitfenster vor Ablauf der aktuellen Amtszeit, erklärte Rudolf Fischer, Gemeinderat und stellvertretender Bürgermeister, an Ende der Kandidatenvorstellung. Deshalb sei in Owingen eine Zusammenlegung des Wahltermins mit der jüngsten Bundestagswahl vom 25. September nicht möglich gewesen, auch wenn dies vielleicht aus Sicht der Verwaltung ökonomischer hätte sein können. Dennoch wünsche er sich, dass auch am 22. Oktober möglichst viele Bürgerinnen und Bürger sich beteiligten, um dem künftigen Bürgermeister ein starkes Mandat zu geben. Immerhin habe Owingen bei der Bundestagswahl mit einer Beteiligung von rund 83 Prozent geglänzt.

 

Ihre Meinung ist uns wichtig
Zum Valentinstag - Geschenke mit Herz
Neu aus diesem Ressort
Owingen
Owingen
Owingen
Owingen
Owingen
Owingen
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren