Owingen Ende der Anspannung: Henrik Wengert nach der Wiederwahl erleichtert

Owingens alter und neuer Bürgermeister Henrik Wengert kann nach seiner Wiederwahl mit Bürgern und Kollegen feiern. Sein Herausforderer Thomas Blietschau war so schnell verschwunden, wie er aufgetaucht war.

Owingen – Im Bürgerhaus Kultur/O, das unter seiner Regie entstanden ist, hatte der alte und neue Bürgermeister Henrik Wengert am Sonntagabend allen Grund zu feiern. Und er konnte im Kreise zahlreicher Kollegen wieder einmal ganz entspannt durchatmen. Denn – auch wenn es manche Wegbegleiter nach der erfolgreichen Amtszeit nicht ganz nachvollziehen konnten – Wengert war bis zum Schluss nervös. "Es war nicht einfach mit mir in den letzten Wochen", hatte der wiedergewählte Bürgermeister offen eingeräumt, als er sich bei seinen Bürgern für den Vertrauensbeweis bedankte. Es mussten schon die nahezu 97 Prozent der Stimmen sein, um den Titelverteidiger zufriedenzustellen. Über die insgesamt 51 Stimmen für Herausforderer Thomas Blietschau, die gerade mal 2,6 Prozent ausmachten, kann der alte und neue Bürgermeister gelassen hinwegschauen.

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Gerne mit Wengert feierte bei der Wahlparty ein halbes Dutzend Kollegen aus dem westlichen Bodenseekreis. Sie alle erwiesen dem erfolgreicher Titelverteidiger, der sein Handwerk im Landratsamt gelernt hatte, eine ehrliche Reverenz. "So kann es ruhig weitergehen", erklärte Wengerts Stellvertreter, Gemeinderat Rudolf Fischer, nachdem er das Resultat verkündet hatte. "Wir waren sehr zufrieden in den letzten acht Jahren. Es hat sich hier einiges bewegt." Lobende Worte fand Fischer auch für Hauptamts- und Wahlleiterin Regina Holzhofer, die binnen weniger Wochen schon den zweiten Urnengang zu organisieren gehabt habe. Doch eine Zusammenlegung der beiden Wahlen war aufgrund der gesetzlichen Fristen nicht möglich gewesen.

Nur marginal unterschieden sich die Wahlergebnissen in den Owinger Teilorten. In Billafingen bekam Herausforderer Thomas Blietschau 14 Stimmen und erzielte mit 4,2 Prozent das relativ beste Ergebnis. In Taisersdorf waren es drei Stimmen und in Hohenbodman eine einzige, die an Blietschau ging. Im Kernort waren es für den Außenseiter 23 Stimmen, die allerdings nur zwei Prozent ausmachten.

So plötzlich und unerwartet, wie Wengerts Gegenkandidat Thomas Blietschau aufgetaucht war, so schnell scheint er jetzt wieder verschwunden zu sein. Nach seiner zurückhaltenden Präsenz vor der Wahl war kaum zu erwarten gewesen, dass er sich am Abend zur Verkündung des Ergebnisses zu den Owinger Bürgern gesellen würde. Doch auch am Tag danach war der Herausforderer, dem der eine oder andere zumindest Mut bescheinigt hatte, wieder wie vom Erdboden verschluckt. Weder nahm er auf seinem Mobiltelefon ab noch reagierte er auf eine mündliche oder eine Rückrufbitte per E-Mail, um ihn um ein Statement zum Ergebnis zu bitten oder ihm die Frage zu stellen, ob er andernorts einen neuen Anlauf zu unternehmen gedenke.

"Null Stimmen" waren es tatsächlich nicht, die er bekommen hatte, und zumindest in diesem Punkt war Blietschaus Prognose richtig. Mit den 51 Kreuzen, die er erntete, blieb er allerdings hinter seinen Erwartungen von mehreren hundert Stimmen deutlich zurück. Gerade mal für eine versprengte Stimme reichte es im kleinsten Teilort Hohenbodman. "Da wollte wahrscheinlich jemand verhindern, dass wir komplett chinesische oder russische Verhältnisse bekommen", mutmaßte Ortsvorsteher Jörg Nesensohn.

Kontinuität

Einen großen Verschleiß an Bürgermeistern hat Owingen nicht. Eher scheint es eine Gemeinde zu sein, die Kontinuität schätzt. Zumindest seit der Gemeindereform Anfang der 1970er Jahre, die Owingen mit Billafingen, Hohenbodman und Taisersdorf zusammenführte, sitzt heute mit Henrik Wengert erst der dritte Bürgermeister auf dem Chefsessel im Rathaus. Dazu trug entscheidend Karl-Friedrich Reiner bei, der als junger Schwabe von der Alb schon vor dem Zusammenschluss der Kommune im Jahr 1969 gewählt worden war und dem die Owinger noch drei weitere Male das Vertrauen ausgesprochen hatten. Bis 2001 hatte Reiner die Fäden in der Hand.

Mit dessen Nachfolger Günter Former wurden viele Owinger dagegen nie so recht warm, auch im Rathaus harmonierte es nicht so sehr. Seine Wiederwahl verfehlte Former daher deutlich, er kam gegen seinen Herausforderer Henrik Wengert im Oktober 2009 auf nicht einmal 30 Prozent der Stimmen. Nun knüpft der alte und neue Amtsinhaber zumindest in ersten Ansätzen an die Ära Reiner an. Nachdem er in den vergangenen Jahren schon einigen Anfragen widerstanden hat, kündigte Wengert schon jetzt an, gerne auch länger bleiben zu wollen. (hpw)

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