Oberteuringen Karl-Heinz Beck hat Oberteuringen geprägt

Der Bürgermeister der Rotachtal-Gemeinde geht nach 30 Dienstjahren Ende Oktober in den Ruhestand. Ralf Meßmer tritt Becks Nachfolge Anfang November an.

"Stillstand bedeutet immer Rückschritt", sagt Oberteuringens scheidender Bürgermeister Karl-Heinz Beck. Seinem Nachfolger Ralf Meßmer und dem Teuringer Gemeinderat gibt Beck in einem Gespräch mit dem SÜDKURIER als Idee mit auf den Weg, sich alsbald Gedanken darüber zu machen, wie sich die Gemeinde in den kommenden 20 Jahren entwickeln soll. Und dann entsprechende Planungen auf den Weg zu bringen. Mit einem solchen Konzept sei er während der vergangenen gut 30 Jahre als Bürgermeister von Oberteuringen gut gefahren. Natürlich sei auch immer in den Blick zu nehmen, wie es den Häfler Industriekonzernen ZF und MTU gehe. Denn viele Teuringer haben dort ihre Arbeitsplätze. Dass es gelang, dem IT-Unternehmen IHSE im Ortsteil Neuhaus zu ermöglichen, großzügig neu zu bauen, erfüllt Beck sichtlich mit Stolz. Denn mit dem Weltmarktführer verfüge die Gemeinde auch über eine Werbeplattform für weitere Ansiedlungen. Allerdings gestalte es sich zunehmend schwerer, geeignete Grundstücke für Unternehmen zu finden. Oft sei es so, dass die Gemeinde an die Grundstücke nicht herankomme, weil die Eigentümer nicht verkaufen wollten. Zum anderen geben es Einschränkungen wegen der Topografie der Gemeinde oder aber durch Schutzgebiete. Wobei Beck hinzufügt, dass sich die meisten Gemeinden im Bodenseekreis in einer ähnlichen Lage befinden würden. Das Paktzustell-Unternehmen UPS hätte gerne in Oberteuringen erweitert, doch es gab keine entsprechenden Flächen mehr. Deshalb habe UPS einen weiteren Standort in Berg bei Ravensburg gebaut.

Für die Entwicklungsplanung, die Beck gemeinsam mit dem Gemeinderat in den ersten Jahren seiner Amtszeit auf den Weg brachte, gab es einen Umweltpreis des Landes Baden-Württemberg. Und dank der Gelder aus dem Landessanierungsprogramm, die nach Oberteuringen flossen, gelang es unter anderem, die ehemalige Mühle zur heutigen Kulturstätte um- und auszubauen. Für den Kulturbetrieb in der Mühle würden sich Menschen aus der Gemeinde ehrenamtlich engagieren, die nach den Beobachtungen Becks ohne wohl kaum ihre Freizeit für die Dorfgemeinschaft opfern würden. So gibt es mit der Mühle neben den Teuringer Vereinen ein weiteres integratives Angebot. Trotz des rasanten Zuwachses an Einwohnern in den vergangenen Jahren verweist Beck auf das bisher gelungene Zusammenleben in der Gemeinde. Es sei bisher zu keinen Verwerfungen gekommen. Dies gelte auch für die Flüchtlinge, die inzwischen in der Gemeinde leben. In diesem Zusammenhang lobt Beck das Engagement der Bürgerinnen und Bürger, die im Arbeitskreis Asyl aktiv sind. Der scheidende Bürgermeister verweist in diesem Zusammenhang auch auf das letztlich erfolgreiche Konzept, die Flüchtlinge im Rahmen der Anschlussunterbringung in der Gemeinde dezentral in vier Häusern unterzubringen. Im Kreisvergleich habe Oberteuringen sein Soll mehr als erfüllt. Wobei Beck auch sagt, dass er nicht mit solch kritischen Reaktionen gerechnet habe, die es während der Bürgerversammlung gegeben habe, deren Thema die Flüchtlingsunterkunft in Neuhaus gewesen sei. "Das hat mich betroffen gemacht". Unmittelbar nach dieser Versammlung hatte es einen Brandanschlag gegen die noch nicht bezogene Unterkunft gegeben – bis heute ist dieser nicht aufgeklärt.

Mit Landesmitteln wurde die Teuringer Mühle zum neuen Kulturraum der Rotachtal-Gemeinde aufgewertet.
Mit Landesmitteln wurde die Teuringer Mühle zum neuen Kulturraum der Rotachtal-Gemeinde aufgewertet.

Die finanzielle Förderung durch das Landessanierungsprogramm habe auch private Investitionen "im hohen zweistelligen Millionen-Bereich" bewirkt, schildert Beck. Mit dem stetigen Wachstum habe auch die Infrastruktur angepasst werden müssen. Jetzt steht beispielsweise die Erweiterung der Kläranlage an, die der Gemeinderat bereits auf den Weg gebracht habe. Zu einer gelungenen Infrastruktur gehört auch ein entsprechendes Lebensmittel-Angebot. Hier schuf es Beck mit dem Gemeinderat, die für die Gemeinde geltende Obergrenze für eine Verkaufsfläche nach oben zu korrigieren. Statt 800 Quadratmeter weist der Edeka-Markt der Bezugs- und Absatzgenossenschaft (BAG) Raiffeisen eG nun nach dem Umbau eine Verkaufsfläche von 1700 Quadratmetern auf. Zudem finde sich dieser Supermarkt nicht auf der Grünen Wiese. Die Lidl-Ansiedlung außerhalb des klassischen Ortskerns sei historisch bedingt, da der Discounter sich auf dieser Fläche einkaufen konnte.

Ein geordnetes Haus im wahrsten Sinne des Wortes wollte Beck seinem Nachfolger übergeben, weshalb er außer der Reihe die Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) bat, die Finanzen der Gemeinde unter die Lupe zu nehmen. Das sei ein Akt der Fairness gegenüber seinem Nachfolger, so Beck. Die GPA-Prüfer hatten nichts zu beanstanden. Ralf Meßmer wird zum 1. November sein neues Amts als Teuringer Bürgermeister antreten. Dies sagte er in einem Gespräch mit dem SÜDKURIER am Rande des Spatenstichs für den Neubau des IT-Unternehmens IHSE Ende September. Somit gibt es einen nahtlosen Übergang, denn Ende Oktober wird Karl-Heinz Beck in den Ruhestand gehen.

Und dann wird Beck unter anderem immer wieder mit Knut Simon, dem ehemaligen Bürgermeister der Gemeinde Deggenhausertal, als Gasthörer in der Uni Konstanz zu finden sein. Die Zeiten, "24 Stunden im Dienst" zu sein, gehören dann der Vergangenheit an. Bis zu den nächsten Kommunalwahlen wird Beck noch der CDU-Fraktion des Kreistages angehören. Eine erneute Kandidatur kommt für ihn nicht in Frage, da er seinem Nachfolger im Amt nicht im Weg stehen wolle. Sowohl das gute Rathaus-Team wie auch das gute Miteinander im Gemeinderat hätten ihm die Arbeit im Teuringer Rathaus in den vergangenen drei Jahrzehnten sehr erleichtert – trotz ständig wachsender Anforderungen an ihn in seiner Funktion als Bürgermeister, wie er im SÜDKURIER-Gespräch schilderte.

Ortsbildprägend ist die katholische St. Martinus-Kirche in Oberteuringen.
Ortsbildprägend ist die katholische St. Martinus-Kirche in Oberteuringen.

Festakt für Beck

Karl-Heinz Beck wird am Freitag, 27. Oktober freilich aus seinem Amt als Bürgermeister der Gemeinde Oberteuringen verabschiedet. Dies geschieht im Rahmen eines Festakts im Gemeindezentrum "Post". Zum Ende Oktober wird Beck in den Ruhestand gehen. Nahtlos kann sein Nachfolger Ralf Meßmer übernehmen, der ab Anfang November neuer Chef im Teuringer Rathaus sein wird. Meßmer hatte am 24. September gleich im ersten Urnengang die Bürgermeisterwahl für sich entschieden. Mit einem Stimmenanteil von 65,1 Prozent übertrumpfte der Kämmerer der Gemeinde Horgenzell seinen Konkurrenten Reinhard Friedel. Die Wahlbeteiligung lag bei 79,3 Prozent. (dim)

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