Oberteuringen - Hanna Münch und Heike Sauer sind voll digitalisiert

Das Kabarettduo nimmt im Programm "Schöne Aussichten" in der Mühle den Zeitgeist aufs Korn – von der vernetzten Computerwelt bis hin zur Gentechnik.

Herzlich willkommen auf der gesellschaftskritischen Aussichtsplattform mit Weitblick! Hier gewährten Hanna Münch und Heike Sauer in der Mühle Oberteuringen ihrem Publikum Einblicke in ihre außergewöhnliche Weltanschauung. Der Ausblick auf eine zukunftsvernetzte, interaktionsbezogene Kommunikation zwischen den beiden Darstellerinnen beleuchtete im Verlauf des Abends viele heikle Themen.

Die Kunst, Worten und Gefühlen allein durch Körpersprache Ausdruck zu verleihen, beherrschen die beiden Künstlerinnen perfekt. 2004 begannen Hanna Münch und Heike Sauer ihre Zusammenarbeit in verschiedenen Projekten. 2015 hatte das Kabarett-Programm "Schöne Aussicht" seine Premiere. Hanna Münch absolvierte eine Ausbildung zur Schauspielerin, bekam Ballett-, Modern Dance- und Gesangsunterricht. Heike Sauer wechselte nach ihrer fundierten Tanzausbildung zum Kabarett und fand dort ihre künstlerische Heimat; bekannt ist sie als "Marlies Blume". Sauer und Münch besitzen zusammen eine außerordentliche Synchronizität. Die akkurat aufeinander abgestimmten Bewegungsabläufe beweisen, wie hervorragend die Frauen miteinander harmonieren.

Gesellschaftskritisches Kabarett im Kulturhaus Mühle von und mit Heike Sauer (links) und Hanna Münch und ihrem Programm "Schöne Aussichten". Hier proklamieren sie die smarte, "ver-chipte" digitale Welt. Bild: Karin Kehlert
Gesellschaftskritisches Kabarett im Kulturhaus Mühle von und mit Heike Sauer (links) und Hanna Münch und ihrem Programm "Schöne Aussichten". Hier proklamieren sie die smarte, "ver-chipte" digitale Welt. Bild: Karin Kehlert | Bild: Karin Kehlert

Noch etwas kann dem Zuschauer – und in dem Fall dem Zuhörer – nicht entgehen: großartige Wortgebinde, die wie Wasserfallkaskaden auf das Publikums niederprasseln. So bekommt die Endung der Worte mit "keit", in einem Dialog über Nachhaltigkeit, eine neue Wichtigkeit. Da steht dann zum Beispiel die Frage im Raum: "Ist Nachhaltigkeit zu bewerten mit Fürsorglichkeit und Ehrlichkeit im Bereich der Gemeinschaftlichkeit?", oder "verleihen Ritterlichkeit und Jungfräulichkeit der Nachhaltigkeit ihre Ursprünglichkeit?" Doch auch reine Bildhaftigkeit hinterlässt viele offene Fragen, wenn beim Thema Wirtschaftswachstum von 2004 bis 2021 von Sauer nur prozentuale Steigerungen aufgezählt werden, während Münch derweil einen blauen Luftballon aufpumpt, der 2021 platzt. Da werden die grauen Zellen der Zuschauer gekitzelt und Nervenenden verlangen eine Neuzündung ihrer Bahnen.

Das Thema Computer wurde auf Emails reduziert, genauer gesagt auf sogenannte "Spams" oder auch "Junks" (englisch für "Abfall", "Plunder") – also unerwünschte, auf elektronischem Wege übertragene Nachrichten. Sauer und Münch zeigten, wie Menschen sich verhalten, die diese Nachrichten als faktisch und wahr betrachten. Auswirkungen der schönen neuen Welt, in der alles digitalisiert ist! Alles wird mit Chips und Sensoren ausgestattet. Smartphones, PCs, Tablets oder Waschmaschinen. "Kommunikation auf dieser Ebene, ist alles – fragen Sie ihren Kühlschrank", verkünden die Beiden. Oder: "Ihre Mikrowelle ist immer für Sie da und strahlt." – "Lassen Sie ihren Trockner laufen, er weiß doch, wo es lang geht."

Und auch die Liebe wird digitalisiert. Das ganze Leben wird erfasst von der Geburt bis zum Tod und die Analyse lautet, frei nach Joachim Ringelnatz: Ich habe dich so lieb, ich würde dir, ohne Bedenken, eine Kachel aus meinem Ofen schenken. Na, das passt oder? Münch und Sauer spannen den gesellschaftskritischen Bogen und ihr Pfeil trifft dahin, wo es weh tut.

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