Friedrichshafen/Oberteuringen Ein wenig Unruhe im Karton: Katholische Kirche ist gegen "Weihnachten im Schuhkarton"

Die Aktion "Weihnachten im Schuhkarton" ist nicht mehr überall erste Wahl, denn die katholische Kirche sieht eher eine "Missions-Aktion" darin. Teuringer Kinder packen nun stattdessen Weihnachtssäckchen.

180 Weihnachtssäckchen haben die Kinder der Talschule Oberteuringen auf die Reise geschickt. Kleine Geschenke wie Schreibsachen, Duschgel oder Zahnbürste, Mütze oder kleine Spielsachen, verpackt in hübsch gestalteten Leinensäckchen, sollen Kindern im rumänischen Temeswar an Weihnachten eine Freude machen. Freitagmorgen holte Angela Rams vom Ladies Circle 37 Ravensburg an der Schule die vielen Geschenke ab, die kaum ins Auto passten, und brachte sie zur Sammelstelle nach Kißlegg.

Die Weihnachtspäckchen werden über die Pater-Berno-Stiftung ihren Weg nach Temeswar nehmen. Pater Berno, der aus Meckenbeuren stammt und in diesem Herbst verstorben ist, hat sich sein ganzes Leben lang für bedürftige Kinder in Rumänien eingesetzt. "Er betreute in Temeswar Straßenkinder, ein Waisenhaus sowie einige andere soziale Projekte", erklärt Sybille Gierer, die an der Talschule katholische Religion unterrichtet. Über persönliche Kontakte zur Familie von Pater Berno entstand bei ihr die Idee, in diesem Jahr die Weihnachtsaktion seiner Stiftung zu unterstützen.

Viele Schulen machen da mit, so die Kinder der Irisschule in Eriskirch, Grundschüler in Ailingen und Meckenbeuren. Die vielen Leinensäckchen nähe eine Frau aus dem östlichen Kreisgebiet und stelle sie kostenlos zur Verfügung, erklärt Sybille Gierer. Für die Grundschüler sei das Verzieren und Befüllen letztlich eine schöne Möglichkeit, selbst etwas gegen die Armut in anderen Ländern zu tun.

Ein Auto voller Geschenke: 180 Weihnachts-Säckchen für Kinder in Rumänien haben (von links) Luna, Emily, Laura, Elia, Ilaf, Leandro und die anderen Kinder der Talschule Oberteuringen gepackt. Gestern wurden sie abgeholt.
Ein Auto voller Geschenke: 180 Weihnachts-Säckchen für Kinder in Rumänien haben (von links) Luna, Emily, Laura, Elia, Ilaf, Leandro und die anderen Kinder der Talschule Oberteuringen gepackt. Gestern wurden sie abgeholt. | Bild: Talschule

Empfehlung vom Schuldekanat

Das leistet auch die Aktion "Weihnachten im Schuhkarton", über die die Teuringer Grundschule früher Geschenke gepackt und gespendet hat. Doch auch in diesem Jahr hat die katholische Diözese Rottenburg-Stuttgart bereits im Sommer über ihr Amtsblatt mitgeteilt, dass zumindest alle kirchliche Einrichtungen nach wie vor angewiesen seien, die Aktion nicht umzusetzen. Aber auch in Schulen wie der in Oberteuringen hat das zuständige Schuldekanat in Wangen empfohlen, "Weihnachten im Schuhkarton" nicht zu unterstützen. "Wir haben darüber diskutiert, ob wir alle Schulen darauf hinweisen, davon aber Abstand genommen", erklärt Schuldekanin Birgit Rathgeb-Schmitt. Wenn das Thema in Gesprächen vor Ort darauf kam, habe sie aber diesen Hinweis platziert, erklärt sie.

Wo ist das Problem? Nach Auffassung der katholischen Kirche ist die Weihnachtsaktion des Vereins Geschenke der Hoffnung "in erster Linie als ein Missionswerk zu verstehen". Denn zusätzlich zur Sammelaktion werde in den Empfängerländern "den Kindern das Evangelium von Jesus Christus als 'größtes Geschenk' offeriert", steht in einem Beitrag der Nummer 10 des Kirchlichen Amtsblatts Rottenburg-Stuttgart von Juni 2017. Das Bischöfliche Ordinariat erklärt hier, dass der Verein Teil der internationalen evangelikalen Bewegung Billy Graham Evangelistic Associations sei. "Die Art und der Inhalt dieser Missionsaktion sind sowohl von einem Glaubens- und Kirchenverständnis wie von einem Missionsverständnis geprägt, das die katholische Kirche nicht teilt." Alternativ empfiehlt die Diözese die Teilnahme an der ökumenischen Aktion "Weihnachten weltweit".

Andreas Thiele sammelt weiter

Von dieser Haltung der katholischen Kirche im Südwesten zu "Weihnachten im Schuhkarton" hört der Häfler Tierarzt Andreas Thiele, der die Aktion seit fast zehn Jahren nicht nur unterstützt, sondern im östlichen Bodenseekreis organisiert, nicht zum ersten Mal. "Einige Kindergärten durften schon letztes Jahr nicht mehr mitmachen", sagt er. Ein bisschen verwundert ihn die nach wie vor ablehnende Haltung der katholischen Kirche, denn seinen Informationen zufolge habe es Gespräche gegeben, um die Irritationen auszuräumen. Er wisse davon, dass den Kindern in den Empfängerländern ein Heftchen mit der Jesusgeschichte als Beigabe zum Geschenk angeboten, aber nicht aufgezwungen werde. "Die Aktion dient der christlichen Nächstenliebe. Ich halte es nach wie vor für eine sinnvolle Aktion", positioniert sich Andreas Thiele klar und deutlich.

Er bestätigt aber auch, dass es im vergangenen Jahr weniger Schuhkartons waren, die als Weihnachtsgeschenk auf Reisen gingen. Die Tendenz dürfte auch in diesem Jahr rückläufig sein, zumal es die Sammelstelle in Langenargen nicht mehr gebe und auch andere Organisationen mehrere Aktionen anbieten. Andreas Thiele hat damit kein Problem: "Wir wollen doch alle etwas Gutes tun, da geht es nicht um Konkurrenzdenken."

 

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