Oberteuringen Adjiri Odametey bringt die Sonne in die "Mühle"

Der afrikanische Musiker beeindruckt mit zarten Klängen und heftigen Rhythmen. Spielerisch überwindet er die Zurückhaltung des Publikum, das er mitreißt.

Avocado-Bananenmus, ägyptische Linsensuppe und Couscous-Salat: Schon die Gerichte auf der Speisekarte in der vollen Mühle in Oberteuringen zeigen dem Besucher, dass der Abend thematisch im Zeichen des afrikanischen Kontinents steht. Auf der Bühne sind zahlreiche Instrumente aufgestellt, neben zwei Gitarren, stechen vor allem die Kpanlogo-Trommeln hervor. Pünktlich um 20 Uhr wird das Licht gedämmt und Adjiri Odametey kommt herein. Auf dem Weg zur Bühne hält er seine Kora – eine Harfenart mit einem Kürbis als Resonanzkörper und 21 Seiten aus Angelschnur – in den Händen und stimmt ein paar sanfte Töne an.

Sein Deutsch sei nicht so gut, sagt der Musiker aus Ghana breit lächelnd auf Englisch, aber er sei sehr froh, an diesem Abend in Oberteuringen zu sein. Als er mit seiner Gitarre das erste Lied anstimmt, hat es noch Ähnlichkeit mit einem europäischen Folksong. Doch dann, beim Einsatz seiner warmen Stimme, die auf einer fremden Sprache singt, dann auf Englisch, immer wieder wechselnd, hat er die Herzen der Zuschauer schon gewonnen. Natürlich bleibt es nicht bei der Gitarre. Er holt ein Daumenklavier hervor, dessen Name in seiner Sprache „Seele der verstorbenen Angehörigen“ heißt – und er stimmt, als würde er den Zuschauern die Angst nehmen wollen, die der Name des Instruments vielleicht ausgelöst hat, ein Lied an, dessen Bedeutung er so zusammenfasst: „Mach dir keine Sorgen, alles wird okay“. Allgemein scheint sich dieses Motto durch seine Musik zu ziehen. Auch wenn man die Texte nicht immer versteht, ist das Gefühl, das er mit ihr vermittelt, ein positives. Die Klänge, die er seinen Instrumenten entlockt, sind zärtlich, seine Stimme verströmt Wärme. Einige Melodien überraschen, es sind Klangkombinationen, die man so noch nicht gehört hat.

Ein Höhepunkt des Auftritts entsteht, als sich das Publikum auf Adjiris Aufforderung zum Chor vereint, der den Refrain eines Liedes singt. Welche magische Atmosphäre entsteht, wenn fremde Menschen zusammen auf einer unbekannten Sprache singen! Diese Teilnahmebereitschaft gefällt auch dem Künstler. Immer wieder regt er zum rhythmischen Klatschen, Summen oder Mitsingen an. Der selbsterlegte Zwang der Zurückhaltung fällt immer mehr ab und am Ende kann Adjiri Odametey auf ein unbeschwertes, ausgelassen mitmusizierendes Publikum blicken.

Nach der Pause bekommen die Zuschauer diese Ansage: „Es wird jetzt ein bisschen laut, aber ich hoffe, ihr mögt es.“ Damit beginnt das musikalische Multitalent, aus seinen Kpanlogo-Trommeln alles herauszuholen, was geht. Er arbeitet mit seinen Füßen und seinen Händen, es ist beinahe anstrengend, ihm dabei zuzusehen. Doch mit welcher Energie er rhythmische Melodien hervorbringt, ist schwer beeindruckend. Dieser starke Kontrast zur ersten Hälfte ist gut geplant, denn die Rhythmen holen die Zuschauer aus ihrem Pausen-Tief. Am Ende gibt es immer wieder Zugaben, man will ihn gar nicht gehen lassen, hat Adjiri doch „eine kleine Sonne nach Deutschland gebracht, weil es hier so kalt ist“.

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