Neukirch Milchpreis: Landwirte kämpfen um ihre Existenz

Beim Milchfrühstück des Kreisbauernverbands Tettnang haben Landwirte ihre Unzufriedenheit mit der Politik geäußert. Praktisch, dass zwei Bundestagsabgeordnete dabei waren, um mit Landwirten und Molkerei-Vertretern zu diskutieren.

Neukirch – Mit Lothar Riebsamen und Waldemar Westermayer waren zwei CDU-Bundestagsabgeordnete beim politischen Milchfrühstück des Kreisbauernverbands Tettnang. Auf dem Hof von Martin Bosch bei Neukirch trafen sich Landwirte, um mit den Politikern ins Gespräch zu kommen, aber auch, um Unmut in Sachen Milchpreis zu äußern.

"Ich kämpfe mit dem Milchpreis ebenso wie alle anderen", sagte Martin Bosch. In seinem Stall hält er 110 bis 120 Milchkühe, die zwischen 8500 und 9000 Liter Milch im Jahr geben. Lag der Milchpreis im Jahr 2014 noch bei 40 bis 42 Cent, beträgt er heute zwischen 22 und 33 Cent je Liter. Gerhard Glaser, Vize-Präsident des Baden-Württembergischen Landesbauernverbands, unterstrich, wie wichtig es sei, ins Gespräch zu kommen. "Das ist besser, als Aufmärsche zu machen und Politiker zu beschimpfen." Ernüchtert zeigte er sich von Europa. "Wenn der Liter Agrardiesel in Frankreich 5 Cent kostet und in Deutschland 20, der Milchpreis aber für alle gleich ist, dann stimmt was nicht." Eine Begrenzung der Milchmenge sieht er nicht als Lösung, da sich der Markt schon wieder verändert habe, bis sie wirksam sei. Eine kleine Stellschraube wäre in seinen Augen eine Preisdifferenzierung.

"Wir wissen, was sich auf den Höfen abspielt", versicherte Westermayer, Abgeordneter des Landkreises Ravensburg und Mitglied im Bundeslandwirtschaftsausschuss. Innerhalb eines Jahres hätten die Landwirte in Deutschland 4,5 Milliarden Euro Milchgeld verloren. "Ein Ausgleich von 100 Millionen Euro ist kein wirklicher Ausgleich", kritisierte er das aktuelle Liquiditätsprogramm. Wenn Durststrecken mit Hilfe von Bürgschaften überwunden werden sollen, stelle sich die Frage, ob der Markt nicht noch weiter überlastet werde. "Problem ist, dass man zunehmend den Schwankungen des Weltmarktes ausgesetzt ist", so Westermayer. Wichtig sei, die Erzeuger zu stärken. "Bauern dürfen ihre Milch nicht abliefern, sie müssen sie verkaufen."

Lothar Riebsamen, Abgeordneter des Bodenseekreises, sieht, dass der Strukturwandel in der Landwirtschaft weitergeht. "Die steigende Produktivität ist gigantisch", sagte er angesichts von bis zu 1000 Kühen in einem Stall. Karl-Georg Gessler, Geschäftsführer der Molkerei Bergpracht, vertritt den Standpunkt, dass zu offenen Märkten weder Quoten noch Mengenbegrenzungen passen. Bei der Diskussion zeigte sich der Unmut der Landwirte. Helmut Broger sprach den Mindestlohn an. "Wir fragen uns schon, ob wir auch in Deutschland arbeiten." Alfred Brogers Groll gilt den Genossenschaften. "Es kann nicht sein, dass sie uns nur das geben, wozu sie gerade lustig sind." Kritik richtete sich an die Adresse des Bodenseekreises. "Warum sind die Auflagen bei uns dreimal höher als im Nachbarkreis?", fragte Markus Schmid.

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