Meersburg Weingut Krause heimst Auszeichnungen ein

Peter Krause ist Winzer aus Berufung und führt mit seiner Frau ein Weingut in Meersburg. Spezielle Rebsorten sind sein Hobby. "Qualität wächst im Weinberg", sagt der 49-Jährige.

Meersburg – Glücklich wie ein Vater, der sieht, dass seine sorgfältige Erziehung Früchte trägt, stapft Peter Krause an diesem sonnigen Oktobertag durch seine Reben. Er ist auf alle stolz, die hellen Müller-Thurgau-Trauben, den eleganten Grauburgunder, den tiefblauen Spätburgunder. Doch einige Sprösslinge liegen ihm ganz besonders am Herzen: der kräftige Cabernet Mitos, der farbintensive Dornfelder und der edelsüße Muskateller. Lediglich auf 0,2 von insgesamt vier Hektar baut Krause diese drei Sorten an.

Vom Muskateller, dessen Beeren er vor dem Abpressen trocknen ließ, füllte er vergangenes Jahr gerade mal 80 Liter ab. "Aber das ist mein Hobby, das macht mir einfach Spaß", sagt Krause. Wer ihm zuhört, spürt: Für den Winzermeister ist sein Beruf kein Job, sondern eine Berufung. Und er hat Erfolg: Gleich mehrere bedeutende Auszeichnungen heimste das kleine private Weingut in jüngster Zeit ein. So gewann Krause beim Müller-Thurgau-Preis 2016 den ersten Platz in der Kategorie "Lieblich". Die Gourmetzeitschrift "Savoir Vivre" kürte sowohl seinen Müller-Thurgau als auch seinen Weißburgunder jeweils zum Punktbesten. Bei der AWC Vienna, dem größten Weinwettbewerb der Welt, räumte Krause vier Gold- und vier Silbermedaillen ab, bei der jüngsten Landesweinprämierung drei Gold- und eine Silbermedaille. Letzteres wohlgemerkt bei vier angestellten Weinen. Große Weingüter reichen bei solchen Wettbewerben oft dutzende Weine ein.

Was ist das Erfolgsgeheimnis? Neben Krauses Begeisterung und Fachwissen wohl auch die sorgfältige Handarbeit. "Ohne viel Technik machen wir Wein", sagt Krause schlicht. Aber darin stecken dann auch rund 600 Arbeitsstunden pro Hektar. So entblättert man etwa manuell den Wein zur besseren Durchlüftung und entfernt dabei gleich minderwertige Trauben. In einem Jahr wie 2016, wo feuchte Wärme Pilzkrankheiten Vorschub leistete, ist das wahrhaft Gold wert. "Die Qualität wächst im Weinberg", stellt Krause klar, der dem Jahrgang 2016 beste Aussichten bescheinigt. Im Keller könne man sie lediglich erhalten und zu verfeinern suchen. Krause macht dies beispielsweise, indem er die Hefen, die die Gärung in Gang setzen, gezielt auswählt. "Ein Wein muss eine klare Linie haben", betont Krause. Er dürfe nicht auf einmal ganz anders schmecken als in den Vorjahren. Das wollten die Kunden nicht. Viel Werbung muss Krause allerdings nicht machen. Rund 70 Prozent seiner Produktion verkauft er im Direktvertrieb, den Rest an Gastronomie und Handel. Natürlich werden die hauseigenen Weine auch in der Wirtschaft "Zum letzten Heller" ausgeschenkt, die Familie Krause ebenfalls betreibt. Regionalität hält Krause für wichtiger als etwa ein Biosiegel. "Unsere Kunden kennen und vertrauen uns." Etliche wohnen sogar bei Krauses, die auch Ferienwohnungen und Zimmer vermieten.

Außerdem stellt Krause Brände und Liköre her. Dafür verarbeitet er das, was er vor der Haustür hat, etwa Äpfel und Birnen, aber natürlich auch Trester, den er zu einem im Eichenfass gelagerten Burgunder-Marc veredelt. Ferner presst Krause Apfelsaft. Er hätte noch viele weitere Ideen: So würde es ihn reizen, zusätzlich Tafeltrauben anzubauen. Von Moden, die auch den Weinbau heimsuchen, hält Krause allerdings wenig. So sei doch der Bodensee die ideale Region für den Müller-Thurgau. "Auch der Spätburgunder ist seit 1000 Jahren am See." Einige Wellen hat Krause schon abebben sehen, das gelte auch für den Rotweinboom. Letzterer habe aber auch etwas Gutes mit sich gebracht: Man habe zu dessen Gunsten den Anbau des Müller-Thurgaus reduziert, der auch dadurch wieder einen deutlichen Qualitätsaufschwung erlebt habe. Sieger Krause muss es ja wissen.

Weingut Krause

Peter Krause, 49, übernahm das Weingut, das er mit seiner Frau Christine führt, von seinem Onkel Albert Jauch. Zuvor hatte er als Winzer neun Jahre beim Weingut Markgraf von Baden gearbeitet. Unter dessen damaligem Kellermeister Herbert Senft habe er eine große Liebe zum Wein entwickelt. Seit 1995 füllt Winzermeister Krause auf dem eigenen Weingut Flaschenweine ab, pro Jahr rund 38 000 Flaschen. Auf mittlerweile rund vier Hektar baut Krause folgende Sorten an: Spätburgunder (ein Hektar), Müller-Thurgau (0,8), Weißburgunder (0,7), Grauburgunder (0,5), Auxerrois (0,2) sowie Cabernet Mitos, Dornfelder und Muskateller auf insgesamt 0,2 Hektar. (flo)

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