Meersburg Vortrag über archäologische Funde am westlichen Bodensee

Archäologe Peter Walter vom Pfahlbaumuseum Uhldingen-Mühlhofen hat bei einem Vortrag in Meerburg über die Geschichte der Region von der Steinzeit ins frühe Mittelalter erzählt. Er appellierte erneut, der Bodenseekreis brauche einen Kreisarchäologen: Dann werde die Zahl und Qualität der Funde sicher steigen.

Am westlichen Bodensee sind viel mehr archäologische Fundstätten bekannt als am östlichen Ufer. Das liege aber nicht unbedingt daran, dass es dort tatsächlich weniger gebe, sondern habe eher damit zu tun, dass der Bodenseekreis, im Gegensatz zum Kreis Konstanz, keinen Kreisarchäologen beschäftige. Das betonte der Archäologe Peter Walter vom Pfahlbaumuseum Unteruhldingen mehrfach, als er im sehr gut besuchten Vineum seinen Vortrag "Steinbeile, Pharaonen und Laserscans" hielt. Der Museums- und Geschichtsverein sowie das Forum für Wissenschaft und Kultur (Fowik) Meersburg hatten dazu eingeladen.

Walter nahm seine Zuhörer mit auf einen Parforceritt durch die Geschichte der Region von der Steinzeit bis ins frühe Mittelalter. Dabei lüftete er auch das Geheimnis, wie eine Büste des Pharaos Amenophis III., der von 1388 bis 1351 vor Christus regierte, in den See vor dem Meersburger Hafen kam.

Die nachweisbare Geschichte am Bodensee beginnt im Mesolithikum, der mittleren Steinzeit, vor etwa 11 000 bis 7500 Jahren. Falls es altsteinzeitliche Artefakte gegeben habe, wurden diese laut Walter beim Rückzug des Rheingletschers abgeräumt, der vor rund 20 000 Jahren begann. Vor etwa 24 000 Jahren bedeckte noch eine rund 900 Meter dicke Eisschicht das spätere Meersburg. Fundstellen dort reduzierten sich auf die Uferlinie, da der Molassefelsen keine Besiedlung erlaube. Zwischen Meersburg und Unteruhldingen gebe es zahlreiche mesolithische Fundstellen. Der Bau der B-31-Trasse bei Fischbach sei mit der Hoffnung auf weitere Funde verbunden.

Dieses Oberteil einer römischen Tonfigur fand Margret Meier aus Meersburg, als sie im Garten Steine säuberte, mit denen die Figur vermutlich auf ihr Grundstück gelangt war. Es handelt sich um eine Venus-Statuette aus dem zweiten bis dritten Jahrhundert, wie sie an Pilger verkauft wurden. Meier ließ ihren Fund im Landesmuseum in Stuttgart bestimmen und durfte ihn behalten, da es viele solcher Artefakte gebe.
Dieses Oberteil einer römischen Tonfigur fand Margret Meier aus Meersburg, als sie im Garten Steine säuberte, mit denen die Figur vermutlich auf ihr Grundstück gelangt war. Es handelt sich um eine Venus-Statuette aus dem zweiten bis dritten Jahrhundert, wie sie an Pilger verkauft wurden. Meier ließ ihren Fund im Landesmuseum in Stuttgart bestimmen und durfte ihn behalten, da es viele solcher Artefakte gebe. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Die ersten jungsteinzeitlichen Bauern der Region ließen sich im Hegau nieder. Walter verwies auch auf einen Fund jüngst bei Hegne, eine Siedlung aus der Jungsteinzeit vor rund 6500 Jahren, und verband auch dies mit einem Appell für einen Kreisarchäologen: "Sofort würden sich die Funde und die Qualität der Funde erhöhen." Derzeit seien für den ganzen Regierungsbezirk Tübingen nur "eineinhalb" Archäologen zuständig. Mit Blick auf den Fund von Hegne erklärte Walter: "Wir wissen nicht, ob es damals schon Pfahlbauten gab."

Letztere werden seit 163 Jahren erforscht, allein am westlichen Bodensee hat man seither 123 Siedlungen entdeckt, in Meersburg eine aus der Zeit um 3000 bis 2900 vor Christus am Ramsbach sowie eine vor der Haltnau, die von 3800 bis 850 vor Christus, also bis in die Bronzezeit, bewohnt war. Aus der folgenden keltischen Eisenzeit gebe es im Bodenseekreis nur wenige Funde, im Kreis Konstanz aber habe man dank Lidar-Scans in den vergangenen Jahren über 900 neue Grabhügel entdeckt, sodass sich ihre Zahl auf über 1000 erhöht habe.

Diesen Henkelkrug aus der Zeit der Pfyner Kultur (3850 bis 3450 vor Christus) entdeckte der ehrenamtliche Archäologe Klaus Kiefer aus Uhldingen-Mühlhofen in der Pfahlbausiedlung vor der Haltnau. Die Pfyner Kultur ist nach einem Schweizer Fundort benannt und steht für die klassische Pfahlbauzeit, in der viele Dörfer in der Nordostschweiz, am westlichen Bodensee und in Oberschwaben entstanden.
Diesen Henkelkrug aus der Zeit der Pfyner Kultur (3850 bis 3450 vor Christus) entdeckte der ehrenamtliche Archäologe Klaus Kiefer aus Uhldingen-Mühlhofen in der Pfahlbausiedlung vor der Haltnau. Die Pfyner Kultur ist nach einem Schweizer Fundort benannt und steht für die klassische Pfahlbauzeit, in der viele Dörfer in der Nordostschweiz, am westlichen Bodensee und in Oberschwaben entstanden. | Bild: Pfahlbaumuseum

Walter streifte auch die Zeit der Römer, die von 15 vor Christus bis 300 nach Christus am Bodensee waren, und verwies dabei etwa auf eine Villa Rustica mit Badeanlage bei Bambergen und einen Fund, den die Meersburgerin Margret Meier bei Gartenarbeiten gemacht hatte: das Oberteil einer römischen Statuette aus dem zweiten bis dritten Jahrhundert. Die Alamannen, die zwischen dem 3. und 7. Jahrhundert die Römer verdrängten, hinterließen ihre Spuren etwa in einem Grab in Unteruhldingen, wo, mit Beigaben wie Sax und Messer, ein Mann bestattet war, den ein Axthieb auf den Kopf das Leben gekostet hatte.

Doch wie kommt ein Pharao an den Bodensee? Letzterer war zwar schon in prähistorischer Zeit eine Handelsdrehscheibe, etwa auch für Bernstein, der in Ägypten sehr begehrt war. Doch Amenophis, den Otto Knoblauch im Jahr 2000 im Wasser des Hafens sichtete, woraufhin er aufgeregt im Pfahlbaumuseum anrief, hat eine viel jüngere Geschichte: Angefertigt hatte ihn ein Bildhauer aus Stuttgart, das durch Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg in Schutt gefallen war, der nach dem Krieg wiederum als Auffüllmaterial im Meersburger Hafen landete.

Ebenfalls aus der Pfahlbausiedlung, die von 3800 bis 850 vor Christus vor der Haltnau existierte, stammt diese Feuersteinpfeilspitze mit Stiel aus der Frühbronzezeit (3200 bis 1600 vor Christus). Auch sie fand Klaus Kiefer. Die Pfeilspitze ist laut Peter Walter flächig retuschiert, also durch Druck bearbeitet. Durch die Einlagerung im Seesediment verfärbte sich der vormals hellgraue Feuerstein schwarz.
Ebenfalls aus der Pfahlbausiedlung, die von 3800 bis 850 vor Christus vor der Haltnau existierte, stammt diese Feuersteinpfeilspitze mit Stiel aus der Frühbronzezeit (3200 bis 1600 vor Christus). Auch sie fand Klaus Kiefer. Die Pfeilspitze ist laut Peter Walter flächig retuschiert, also durch Druck bearbeitet. Durch die Einlagerung im Seesediment verfärbte sich der vormals hellgraue Feuerstein schwarz. | Bild: Pfahlbaumuseum

Otto Knoblauch behielt seine Entdeckung nicht für sich, doch viele Funde vergangener Jahrzehnte schlummern heute in privaten Vitrinen, was auch einige Wortmeldungen von Zuhörern bestätigten. Walter appellierte, diese Stücke "bitte rechtzeitig in öffentliche Sammlungen" zu geben, bevor etwa Erben sie achtlos beseitigten. Archäologische Funde müsse man prinzipiell den Denkmalbehörden melden, sagte Walter dem SÜDKURIER. Angesichts der Fülle dürften Finder sie aber oft behalten, zumindest vorläufig. Profi-Archäologen bekommen aus Meersburg übrigens auch Hightech-Unterstützung: dank der 3D-Scanner der Firma Breuckmann.

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