Meersburg Junger Kellermeister Valentin Wagner setzt Akzente

Seit einem Jahr ist der 28-jährige Reichenauer Valentin Wagner Kellermeister des Winzervereins Meersburg. In dieser Zeit erreichte er bereits erste Erfolge mit den Weinen des Vereins.

Meersburg – Valentin Wagner berichtet anschaulich von Weinbautechniken, exotischen Hefen und Eichenfässern aus Frankreich. Die Begeisterung für seinen Beruf ist dem 28-jährigen Kellermeister des Winzervereins Meersburg deutlich anzumerken. Vor rund einem Jahr trat der junge Reichenauer seine Stelle in Meersburg und damit die Nachfolge von Hannes Handl an. In den vergangenen Monaten, die wie im Flug vergangen seien, habe er viel erlebt und bereits mit Erfolg eigene Zeichen gesetzt.

So gewann beim Müller-Thurgau-Preis der 2016er Stettener Sängerhalde feinherb des Winzervereins einen ersten Preis. Außerdem bewerteten die Jurys der Weinzeitschriften Bonvinitas, Selection und Savoir Vivre gleich eine ganze Reihe verschiedener letztjähriger Weine des Winzervereins mit Spitzen-Punktzahlen. So vergab etwa Bonvinitas, das den Winzerverein auch in seine Liste der besten Winzer 2016 aufnahm, für die Weißwein-Cuvée "Gourmet Kreation weiß", der in Meersburg salopp "Fischwein" genannt wird, 95 von 100 möglichen Punkten.

Die Erfolgsformel bestehe vor allem darin, dass die Winzer "Top-Material abgeliefert haben", obwohl 2016 mit Frost im Frühjahr und viel Regen im Sommer ein schwieriges Jahr gewesen sei, erklärt Wagner. Zum Glück sei diesen Kapriolen dann ein toller Spätsommer gefolgt.

Fest steht: Aus schlechten Trauben kann selbst der beste Kellermeister keinen Spitzenwein zaubern. Doch einwandfreiem Lesegut kann er seine ganz besondere Note verleihen. Wagner sagt, er habe sich "vom Ausbau her" an seinem Vorgänger orientiert, doch er besitze schon seine eigene Handschrift. So wandte Wagner beim Rotwein neu die Maischegärung an. Teils lasse er auch die Weine länger auf der Hefe liegen. "Das sind so Nuancen." Außerdem probiere er jedes Jahr neue Hefen aus. Seine aktuelle Favoritin: die Mischung Anchor Alchemy II aus Südafrika, die laut Hersteller "komplexe Weißweine mit intensiven Fruchtaromen" verspricht.

"Mit Temperatur und Hefen kann man viel spielen", erklärt Wagner. Die größte Herausforderung bei seinem neuen Arbeitgeber sei der alte Keller gewesen, da dieser über keine automatische Temperatursteuerung verfüge. So müsse man etwa die Stahltanks mittels Wasserberieselung herunterkühlen. Jeder neue Keller sei spannend, da er ganz unterschiedliche Voraussetzungen biete, etwa auch, was die natürlichen Hefen angehe, die in jedem alten Anwesen vorhanden seien.

Klar, moderne Stahlfässer kann man steril halten, das hat seine Vorteile. Doch ein im Holzfass lagernder Wein entwickelt seine ganz eigenen Reize. Und so hat Wagner sich aus Frankreich Eichen-Tonneaux bestellt, in denen er Grau- und Weißburgunder "für unsere Premiumschiene" ausbauen will. Übrigens: Auch jedes Holzfass habe seine eigene Flora.

Wie sind denn die Aussichten für die Ernte 2017? Laut Wagner ist es ein spannendes Jahr mit Frost Ende April, Hagel im Juni und viel Trockenheit. Aber bis dato, meint der Kellermeister, "sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen". Auch, da man an den Reben, quasi als Reserve für die Haupttriebe, vorsichtshalber Frosttriebe stehen ließ und diese erst später nach unten bog. Mit Wasser seien die Rebstöcke ebenfalls ausreichend versorgt worden. Dennoch schätzt Wagner, dass der Ertrag etwa zehn Prozent geringer ausfallen könnte als im Vorjahr, als der Winzerverein rund 450 000 Liter Wein erzeugte. Er rechnet damit, dass man mit der Weinlese in der zweiten Septemberwoche, kurz nach dem Weinfest, starten kann. Als erste Sorte wird der Müller-Thurgau geerntet.

Einen Tag, bevor es in den Urlaub ins Ötztal geht, ist Wagner am 8. August noch mit der zweiten Abfüllung des Spätburgunders 2016 beschäftigt. Die erste Füllung fand bereits im März statt, denn die Nachfrage nach dem Meersburger Roten sei zu groß für nur eine Füllung im Jahr.

Wagner fährt rundum zufrieden in die Ferien. Er habe sich in Meersburg gut eingelebt und fühle sich sehr wohl. Langweilig wird es dem jungen Kellermeister so schnell wohl nicht werden. Der Winzerverein hat bereits die Zukunft im Auge und dafür auch den Bau eines neuen Kellers im Visier.

Zu Person und Winzerverein

  • Valentin Wagner kam 1988 in Konstanz zur Welt und wuchs auf der Reichenau auf. Nach seinem Werkrealschulabschluss machte er bis 2008 eine Ausbildung zum Weinküfer beim Winzerverein Reichenau und arbeitete dort, bevor er von 2009 bis 2013 an der Hochschule Geisenheim Weinbau und Önologie studierte, inklusive eines halbjährigen Arbeitsaufenthalts 2011 als Cellarhand bei der Hartford Family Winery in Kalifornien. Wagner arbeitete kurze Zeit als Weinküfer in Rüdesheim am Rhein, bevor er 2013 Kellermeister bei der Weinkellerei Steinhauser in Kressbronn wurde. Seit 1. September ist er Kellermeister des Winzervereins Meersburg.
  • Der Winzerverein Meersburg ist die zweitälteste Genossenschaft in Baden und wurde 1884 durch Karl Benz ins Leben gerufen. Rund 30 Winzerbetriebe bewirtschaften 50 Hektar Rebfläche. Bei den Sorten dominieren der Müller-Thurgau mit 35 Prozent und der Spätburgunder mit 30 Prozent.

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