Meersburg Gemeinderat schmettert "Echt Bodensee Card" ab

Die Räte stimmen unisono gegen eine Beteiligung an der Touristenkarte ab 2017. Das Gremium fühlt sich unzureichend informiert. Das Gastgeber-Forum begrüßt die Ablehnung.

Meersburg – Ein eindeutiges Nein zu einer Teilnahme Meersburgs an der "Echt Bodensee Card" ab 2017 erteilte der Gemeinderat – und das ganz ohne Diskussion des Tagesordnungspunktes. 16 Räte lehnten eine Vertragsunterzeichnung ab, zwei enthielten sich der Stimme. Zuvor hatte Markus Waibel (FW) eine Mehrheit gefunden für seinen Antrag, "direkt" abzustimmen, da es "nichts Neues" zu dem Thema gebe. Zuletzt hatte der Rat darüber im Februar diskutiert, nachdem die Card im Gremium vorgestellt worden war.

Bürgermeister Martin Brütsch bedauerte, dass der Beschluss ohne vorherige Debatte gefallen sei. Boris Mattes (SPD) konterte, unterstützt von Waibel: "Wir haben Sie gebeten, das Thema erst wieder auf die Tagesordnung zu setzen, wenn unsere Fragen beantwortet sind. Das ist nicht geschehen." Tourismus-Chefin Iris Müller hatte zwar die zehn "wichtigsten Fragen" und Antworten zur Card in der Vorlage zusammengefasst, doch das reichte dem Gremium nicht.

Etliche Gastgeber, die die Sitzung verfolgten, applaudierten dem Ratsbeschluss. Zwar hatte die Stadtverwaltung nach Gesprächen mit der Vereinigung "Gastgeber-Forum" einen Forderungskatalog für eine mögliche Zustimmung in die eigentliche Beschlussvorlage aufgenommen. Doch selbst damit hätte man höchstens einen "Burgfrieden" gewährleistet, sagte dem SÜDKURIER Michael Gröer, Vorsitzender des Gastgeber-Forums. Dieses hatte im Vorfeld starke Kritik an der Card geübt, die, so Gröer, "nicht wirklich ausgeklügelt ist."

So monierten die Wirte, dass die Handhabung der Karte zwingend an die Einführung des elektronischen Meldescheins gekoppelt sei. Das bedeute besonders für kleine Betriebe einen erheblichen Zeit- und Kostenaufwand, betonte etwa Michael Gilowsky, Stadtrat für die Umbo und selbst Hotelier. "Ein Hotel ab 100 Betten braucht das", sagte Gilowsky dem SÜDKURIER. "Für die anderen ist der Aufwand zu groß." Und die anderen, das seien fast alle der rund 200 privaten und 70 professionellen Beherbergungsbetriebe in Meersburg. Dass der Beschluss aber so eindeutig ausfalle, habe er nicht erwartet.

Es gibt noch andere Kritikpunkte an der Card, etwa das Fehlen der Schifffahrt. Doch für Meersburg, so die Ansicht von Gastgebern wie Räten, wären ermäßigte Schifffahrten viel wichtiger als kostenloses Bus- und Bahnfahren. Sowieso, sagte Gröer, reisten laut einer Umfrage im Bodenseekreis 90 Prozent der Gäste mit dem Auto an und gerade mal fünf Prozent davon wären bereit, den ÖPNV nutzen.

Doch auch die anvisierte Finanzierung der Card über eine Erhöhung der Kurtaxe stößt den Gastgebern auf – auch, so Gröer, weil Meersburg die Kurtaxe erst 2014 auf zwei Euro verdoppelt hat. Außerdem bedeutet die Abgabe des "Solidarbeitrags" für die Card von einem Euro pro Gast und Tag nicht einfach eine Erhöhung der Kurtaxe um diesen Betrag. Denn die Card wird etwa auch an Kinder ab sechs Jahren ausgegeben, die Kurtaxe ist aber erst ab 15 fällig. Um solche Differenzen auszugleichen, wollte man eine ganzjährige Kurtaxe einführen: Für die bisher kurtaxenfreie Zeit von 1. November bis 31. März sollte ein Euro pro Person ab 15 fällig werden, während der Saison eine Erhöhung um rund 1,20 Euro, also auf 3,20 Euro.

 

"Echt Bodensee Card"

Die "Echt Bodensee Card" (EBC) soll ab 2017 im Verkehrsverbund Bodensee-Oberschwaben (bodo) gelten, also vor allem in den Landkreisen Bodenseekreis, Ravensburg und Lindau. Die EBC soll die bisherigen Gästekarten ersetzen und deren Angebote koppeln mit freien Bus- und Bahnfahrten. Zum Start 2017 wollen bis dato sieben Gemeinden mitmachen. Ein späterer Einstieg ist möglich. Meersburg hätte für eine – nun abgelehnte Teilnahme ab 2017 – Nachbesserungen verlangt wie: den Ausbau der Buskapazitäten auf der Seelinie um mindestens 50 Prozent, inklusive mehr Radbeförderung, eine Einbindung der Hauptschifffahrtsstrecken und des Erlebnisbusses 2 sowie von mindestens fünf großen Ausflugszielen der Top 10 der Region. (flo)

 

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