Meersburg Fahrrad, Tretboot, Kajak: Mit Muskelkraft auf 16 Arten rund um's Ländle

Ute Jansen und Markus Fromlet sind auf Rekordtour. Am Samstag ging es im Tretboot von Meersburg nach Konstanz.

Unbeachtet von den wenigen Touristen, die am Samstag bereits um halb neun am Meersburger Hafen waren, zogen zwei Paddler ihr Kajak an Land und entluden alles, was sie an Bord hatten: Wäsche, ein Zelt, Schuhe, sogar einen Kocher und einen zerlegbaren Slipwagen für das Boot. Eifrig hielten sie Ausschau nach einem Mitarbeiter des Bootsverleihs, denn mit einem Tretboot sollte es weitergehen nach Konstanz.

Ute Jansen und Markus Frommlet haben sich für ihren Jahresurlaub etwas Spektakuläres ausgedacht: Sie wollen zu Lande und zu Wasser die Außengrenzen von Baden-Württemberg bewältigen und der Antrieb soll die eigene Muskelkraft sein. Am Freitag waren sie von Kressbronn nach Meersburg gepaddelt, wo sie auf einer Wiese am See übernachtet hatten. Bisher sei alles prima gelaufen, erzählen sie. Überall seien sie nett empfangen worden. „Und mit dem Wetter hatten wir auch Glück“, hofft Frommlet, dass es so bleibt. Zwei Wochen haben sie bereits hinter sich. Von Konstanz aus geht es über den See und den Rhein entlang Richtung Karlsruhe. „Am Dienstag machen wir aber einen Abstecher auf den Feldberg, dann haben wir auch den höchsten Punkt des Landes erreicht.“ Als geübte Radler und Bergwanderer haben sie davor keine Angst. „Die schwierigsten Passagen haben wir bereits hinter uns“, verrät Ute Jansen. „Das war das Rollstuhlfahren und das anschließende Liegerad-Tandem. Auf dem Tandem haben wir eine Viertelstunde gebraucht, ehe wir uns überhaupt einen Meter bewegt haben.“ „Oder wenn ein Weg auf einmal endet und man mit Fahrrad und vollem Gepäck durchs Unterholz muss“, stöhnt Frommlet. Die beiden sind durchtrainiert; trotzdem sind ihnen viele Bewegungsabläufe fremd.

„Ich bin vor ein paar Wochen zum ersten Mal auf einem Skateboard gestanden“, erinnert sich Frommlet und Jansen ergänzt: „Wir haben auch extra einen Kajakkurs belegt, um zu lernen, wie man sich verhält, wenn man kentert.“ Im Februar war ihnen die Idee gekommen. „Seitdem haben wir die ganze Tour geplant“, sagt Frommlet. „Die Grundidee stand ziemlich schnell; aber die einzelnen Stationen zu organisieren, war aufwendig.“ Überall brauchten sie ja Helfer, die ihnen zum Beispiel beim Wechsel der Geräte halfen. Nur heute halfen sie sich selbst: Den Kajak von gestern wollten sie am Tretboot festbinden und quasi als Zusatzgepäck mit über den See nehmen.

Inzwischen ist auch Stephan Oeschger vom Bootsverleih gekommen und hilft ihnen beim Klarmachen des nächsten Gefährts. Oeschger holt das Tretboot später wieder mit dem Motorboot in Konstanz ab. Den beiden Abenteurern erklärt er noch genau, wie sie sich in der Nähe von Schiffen zu verhalten hätten. „Vorfahrt haben immer die anderen, vor allem die Fähren und die Linienschiffe, aber auch Fischerboote.“

Ute und Markus hatten sich vor acht Jahren kennengelernt, „in einer Kletterhalle in Stuttgart“. Seitdem leben die Lehrerin für Elektrotechnik und der Augenarzt gemeinsam in Sindelfingen und treiben in ihrer Freizeit viel Sport – oder planen Aktionen wie diese. Angst, sich in diesen drei Wochen auf die Nerven zu gehen, hat Ute Jansen nicht. „Im Gegenteil: Wir haben unsere Durchhänger nicht zur gleichen Zeit. Da baut einer den anderen wieder auf und ermuntert zum Durchhalten.“

Die Strecke

Das Tretboot ist für Ute Jansen und Markus Frommlet bereits ihre elfte Fortbewegungsart am 15. Tag, insgesamt wollen sie in den 22 Tagen 16 verschiedene benutzen. Mit Rollstuhl und Liegeradtandem haben sie die beiden schwierigsten bereits hinter sich; eine Rikscha soll ihren Rundkurs von und nach Karlsruhe "ganz entspannt" beenden. Dort hatten sie ihre Umrundung des "Ländle" am 13. August mit einer Draisine begonnen. Ihr Weg führte sie gleich zum tiefsten Punkt ihrer Tour, dem Rheinpegel bei Kirschgartshausen (85 Meter Höhe über NN). Viernheim, Neckargemünd, Homburg und Ulm waren weitere Stationen. Über Aitrach und Wangen ging es durchs Allgäu Richtung Bodensee. Dort stiegen sie in Kressbronn in ein Kajak und starteten damit vier Wassertage auf Bodensee und Rhein. Über Waldshut, den Feldberg als höchstem Punkt des Landes (1493 Meter Höhe über NN), Grenzach-Whylen, Kehl und Iffezheim soll es am 3. September dann dem Ziel entgegengehen. Neben dem Kajak und dem Tretboot kamen und kommen dabei Draisine, Tandem, Mountainbike, Cityroller, Cross-Skates, Rollstuhl, Liegeradtandem, Skateboard, Rennrad, Inliner, ein Floß, ein Kanadier und schließlich die Rikscha zum Einsatz. Ganz ohne Ruhetag werden sie dann in 168 aktiven Stunden 1538 Kilometer mit knapp 14 000 Höhenmetern mit Muskelkraft bewältigt haben. (up)

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