Meersburg Fährhaus schließt zum Jahresende

Die Diskothek Fährhaus in Meersburg, prominent zwischen Fähre und Stadtkern gelegen, schließt zum Jahresende. Betreiberin Martina Wabro will sich künftig ausschließlich auf den Laden im Fährhaus-Gebäude konzentrieren. Voraussichtlich im Mai soll in dem markanten Gebäude ein italienisches Restaurant eröffnet werden, wie Eigentümer Otto Menzel sagt. Er sei im Gespräch mit neuen Pächtern, die in der Bodenseeregion bereits durch mehrere Lokale bekannt seien.

Noch künden Plakate von den nächsten Partys, doch bald hat es sich im Fährhaus Meersburg ausgetanzt: Martina Wabro schließt Tanzcafé und Diskothek nach rund 20 Jahren zum Jahresende. Gründe dafür gebe es viele und sie habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, sagt Wabro: "Das Geschäft ist sehr schwierig geworden." Daher werde es keine Diskothek mehr geben. Wie es für das markante Gebäude zwischen Fähre und Stadtkern weitergeht, steht schon fest: Voraussichtlich im Mai ist dort die Eröffnung eines italienischen Restaurants geplant. Eigentümer Otto Menzel möchte noch nicht alles verraten, doch die neuen Pächter seien in der Bodenseeregion bereits durch mehrere Lokale bekannt, wie er dem SÜDKURIER bestätigt. Die Gespräche seien sehr weit fortgeschritten.

"Das tut mir schon weh, das alles herzugeben", sagt die 52-jährige Martina Wabro. In einer Art Abschiedsbrief an ihre Gäste, veröffentlicht auf ihrer Internetseite, fasst sie die Gründe zusammen: Angefangen mit dem Rauchverbot, gefolgt von immer strengeren Auflagen der Behörden bis hin zu Konkurrenz mit Kampfpreisen. Während andere für einmalige Partys eine Halle anmieten, habe sie beständig Betriebskosten. So hätten sich die Gema-Beiträge (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) etwa auf rund 10 000 Euro pro Jahr verdoppelt. Auch Vermieter Otto Menzel hat investiert: "In den vergangenen zwei Jahren haben wir rund 100 000 Euro reingesteckt", sagt er und nennt eine Brandschutzanlage als Beispiel. Dazu komme der große Aufwand: Weil viele ihrer Aushilfen nach ihrer Hauptbeschäftigung nicht mehr den ganzen Abend arbeiten dürfen, habe sie teils mit möglichen Arbeitszeiten von über 40 Mitarbeitern jonglieren müssen.

Zwischen acht und 14 Mitarbeiter brauche sie pro Abend. Mit mehr Festangestellten zu arbeiten, sei schwer möglich: Nach einer kurzen Testphase habe sie festgestellt, dass eine Ladenöffnung an mehr als zwei Tagen pro Woche sich nicht rechnet.

Alles wird neu

Auch aufgrund dieser Erfahrungswerte war laut Wabro rasch klar, dass im Fährhaus künftig möglichst ein ganztägiger Betrieb fern des Nachtlebens stattfinden soll. Laut ihrem Vermieter Otto Menzel ist es auch wahnsinnig schwierig, in dem Diskotheken-Milieu einen geeigneten Pächter zu finden. Mit dem neuen Konzept sehe er eine gute Zukunft für das Haus. Bevor aus den Räumen ein Restaurant mit Barbetrieb werden soll, werden sie "ausgebeint", wie der Eigentümer aus Bad Überkingen bei Göppingen sagt: Bis auf die Toiletten, die erst vor einem Jahr erneuert wurden, soll alles neu werden. "Es bleibt nichts mehr drin, das wird ein ganz neues Bild geben", kündigt Menzel an. Dafür müsse man aber mit den Gegebenheiten arbeiten: Das Haus stehe unter Denkmalschutz. Auch im benachbarten Laden wird während der Winterpause umgebaut: Die Theke soll raus, die Verkaufsfläche vergrößert werden. Auf dieses Geschäft wird Wabro sich künftig konzentrieren.

Bis Jahresende will Martina Wabro weiterhin freitags und samstags sowie vor Feiertagen ihre Gäste begrüßen. "Manche Stammgäste kommen regelmäßig aus Villingen-Schwenningen oder Sigmaringen hierher", erzählt sie. Als sie den Laden vor mehr als 20 Jahren übernahm, sei das Tanzcafé düster gewesen mit dunklem Holz, Billardtischen und Flipper-Automaten. Heute stehen in ihrem Rücken weiß lackierte Korbstühle mit hellgrünen Kissen, durchsichtige Kronleuchter hängen an der Decke und grüne Christbaumkugeln verkünden die Adventszeit. All das wird zum neuen Jahr zu kaufen sein, am 5. und 13. Januar beginnt jeweils um 12 Uhr ein Hausflohmarkt. Einige Gegenstände sind bereits reserviert: Stammgäste möchten einen Kerzenleuchter, ein Gastronom wird die Spiegel übernehmen und auch der ein oder andere Mitarbeiter wolle sich als Erinnerung einen Gegenstand mitnehmen. Einige arbeiten bereits von Anfang an für Wabro. "Ich bin froh, dass alle bis zum Schluss mitziehen", sagt sie.

Teilweise haben sich bereits Stammgäste und Mitarbeiter des Fährhauses Einrichtungsgegenstände als Erinnerungsstücke gesichert.
Teilweise haben sich bereits Stammgäste und Mitarbeiter des Fährhauses Einrichtungsgegenstände als Erinnerungsstücke gesichert. | Bild: Isabelle Arndt

Persönlicher Neuanfang

Es ist auch für Martina Wabro persönlich ein Neuanfang: Als Frau sei es in dieser Branche nicht immer leicht und sie habe in den vergangenen Jahren keinen Urlaub gemacht, kein freies Wochenende gehabt. "Alles, was nach 2 Uhr nachts stattfindet, hat Konfliktpotenzial", berichtet Wabro aus Erfahrung. So habe erst vor zwei Wochen ein Mann, der zu alkoholisiert war und von den Türstehern des Geschäfts verwiesen wurde, die Außendekoration zerstört. Und trotz eines guten Teams sei stets sie verantwortlich. "Es reicht zum Beispiel schon, wenn jemand unwissentlich etwas in den Fluchtweg stellt", erklärt sie das Gefahrenpotenzial bei einem Nachtbetrieb.

Das Fährhaus in Meersburg schließt zum Jahresende, Martina Wabro zieht einen Schlussstrich nach rund 20 Jahren mit Tanzcafé und Diskothek.
Das Fährhaus in Meersburg schließt zum Jahresende, Martina Wabro zieht einen Schlussstrich nach rund 20 Jahren mit Tanzcafé und Diskothek. | Bild: Isabelle Arndt

Seit sie auch die Diskothek übernahm, arbeitete sie weniger an der Bar denn als eine Art Feuerwehr: Wabro löscht, wo es zu brennen droht, und behält den Überblick, wie sie sagt. Feierabend komme meist erst ab 6 Uhr morgens in Sicht. Teils stand Wabro wenige Stunden später bereits im Laden, denn auch dort ist am Wochenende das meiste Geschäft – eine Doppelbelastung. "Man wird auch älter und merkt, dass es einem nicht mehr so leicht fällt", sagt die 52-Jährige. Ihre Entscheidung sei gefallen, nachdem einige Mitarbeiter im Sommer aufgehört haben. Seit einigen Wochen sind die Mitarbeiter informiert, nach und nach erfahren es auch die Gäste. Die ersten Reaktionen fallen geteilt aus: Manche verstehen es, berichtet Wabro, andere seien enttäuscht.

Die Einrichtung des Fährhauses wird bei zwei Hausflohmärkten zum Kauf angeboten.
Die Einrichtung des Fährhauses wird bei zwei Hausflohmärkten zum Kauf angeboten. | Bild: Isabelle Arndt

Zur Person

Martina Wabro ist 52 Jahre alt und stammt nach eigenen Angaben aus Reutlingen und der Textilbranche. Über ihren ehemaligen Lebensgefährten kam sie einst an den Bodensee und mietete die Außenfläche des Fährhauses, um dort Textilien, Modeschmuck und Saisonware zu verkaufen. Als der damalige Pächter des Tanzlokals inmitten der Saison ausfiel, habe der damalige Eigentümer sie gefragt, ob sie übernehmen wollte. Wabro wollte und übernahm später auch die angeschlossene Diskothek. Ab Januar wird sie sich auf den Laden im Fährhaus-Gebäude konzentrieren.

So kennen Gäste das Fährhaus in Meersburg, doch zum Jahresende ist Schluss: Martina Wabro schließt Tanzcafé und Diskothek nach rund 20 Jahren.
So kennen Gäste das Fährhaus in Meersburg, doch zum Jahresende ist Schluss: Martina Wabro schließt Tanzcafé und Diskothek nach rund 20 Jahren. | Bild: Fährhaus Meersburg

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