Meersburg und Region Elke Dilger und Martin Hahn: Streitgespräch zum Thema Fischzucht im See

Auf Anregung des SÜDKURIER trafen sich Elke Dilger, Vorsitzende des Verbandes Badischer Berufsfischer, und der Grüne-Landtagsabgeordnete Martin Hahn zu einem Streitgespräch über Aquakultur im Bodensee, die Dilger ablehnt und Hahn befürwortet

Herr Hahn, Sie haben sich in Finnland über Felchen-Aquakultur informiert. Käme diese Art der Fischzucht auch für den Bodensee in Frage?

Hahn: Wir sahen eine Aufzucht – etwa in der Größe, wie sie auch am Bodensee angedacht ist –, die seit 25 Jahren in einem See stattfindet. Die Felchen werden dort bis 200 Gramm gefüttert und kommen dann in die Ostsee zur Endmast. Für eine schlussendliche Beurteilung, ob das auch am Bodensee möglich wäre, fehlen mir die Kriterien. Aber nach dem, was ich gesehen habe, ist eine Prüfung eines Antrags auf jeden Fall sinnvoll.

Sie haben öffentlich erklärt, dass Sie eine Aquakultur nach ökologischen Gütekriterien, etwa Verzicht auf Gentechnik und Antibiotika, für „grundsätzlich machbar“ halten. Glauben Sie, dass man diese Kriterien wirklich auf Dauer einhalten könnte?

Hahn: Also, für mich ist eine wichtige Grundvoraussetzung für eine eventuelle Genehmigung, dass eine Maximalgröße und der Endausbau definiert sind.

Was meinen Sie mit Endausbau?

Hahn: Endausbau heißt, dass es nicht darum gehen kann, Bodenseefelchen für die Welt zu produzieren, sondern die etwa 600 Tonnen, die jährlich hier in der Region verzehrt werden.

Frau Dilger, kann man ökologische Kriterien und eine Obergrenze festlegen?

Dilger: Ich bin da skeptisch, denn in Massentierhaltungen, auch wenn der Besatz gering ist, kommen irgendwann Krankheiten auf. Ich habe auch mit dem Fischfutter Schwierigkeiten: Was ist ökologisch? Das Futter wird mit hohem Energieaufwand künstlich hergestellt, zum Großteil aus Fisch! Und es hat weite Transportwege. Ökologisch ist für mich die Produktion von Wildfisch, der natürlich aufwachsen kann. Und da fordere ich die Wissenschaft auf, eine Lösung zu finden, dass der See sauber bleibt, das wollen auch wir Fischer, aber mit ein bisschen mehr Nährstoffen. Dann kann man Wildfisch anbieten und braucht keine Netzgehege.

Hahn: Eine Größenbegrenzung ist für mich Grundvoraussetzung. Wenn wir das nicht können, ist die Aquakultur im Bodensee tot. Auch ich will keinen See, der mit Aquakulturen überschwemmt ist.

Dilger: Wir Fischer befürchten schon, dass der See irgendwann voller Netzgehege ist. Kann man das tatsächlich auf Baden-Württemberg begrenzen? Das bezweifle ich. In Norwegen hat die Lachszucht auch mal klein angefangen und heute ist sie eine Industrie, fast so groß ist wie das Ölgeschäft.

Hahn: Nur mit Obergrenze, das ist die Bedingung! Wenn wir eine Obergrenze haben, wird die auch eingehalten. So viel Verlässlichkeit muss sein von unserem Rechtsstaat.

 

Aber als Landwirt wissen Sie doch, dass dem nicht immer so ist.

Hahn: Darum habe ich für mich auch als erste Regel definiert: Obergrenze ja oder nein.

Dilger: Also, wenn’s hier um die Rechtslage geht, dann müsste man Netzgehege nicht diskutieren. Denn das ist bisher einfach verboten am See.

Hahn: Ich bin kein Jurist, aber aus meiner Sicht müsste die rechtliche Grundlage dann geändert werden.

Dilger: Dann ändert man halt in 20 Jahren hier am See die Obergrenze…

Hahn: Ich kann diese Befürchtung nicht teilen. Ich habe keinerlei Angst, dass der Bodensee irgendwann mal zu einem Aquakulturteich norwegischen Ausmaßes verkommen könnte. Leider kommt der Fisch beim Thema Ernährung zu kurz. Und die Meisten interessiert auch nicht, woher der Fisch kommt.

Wenn Sie damit das Thema Nachhaltigkeit ansprechen, das nun auch die Landesregierung als Hauptargument für Aquakultur anführt: Wäre es nicht am nachhaltigsten, wenn man weniger, aber dafür Wildfisch aus dem See isst?

Hahn (lächelt): Sie werden verstehen, dass ich als Grüner den Menschen keine Vorschriften mehr machen will über ihre Ernährungsgewohnheiten.

Wer würde denn am meisten von Aquakultur profitieren?

Dilger: Also, die Berufsfischer nicht, da die Genossenschaft (zum Betrieb der Netzgehege), die ursprünglich für uns gedacht war, jetzt mit ganz anderen Leuten besetzt ist, von denen viele mit der Berufsfischerei nichts zu tun haben.

Hahn: Um das mal klar zu sagen: In der Genossenschaft sind Menschen, die mit der Fischerei verbunden sind. Es sind zwei Berufsfischer drin und die Genossenschaft ist offen, das heißt: Jeder könnte mitmachen. Es ist eine Kopf- und keine Kapitalgesellschaft, das finde ich ein sehr wichtiges Argument. Es ist eine demokratische Rechtsform. Und die Implikation, dass dort irgendjemand irgendwelche Interessen dominiert, ist aus meiner Sicht juristischer Quatsch.

Dilger: Aber wieso gibt es eigentlich überhaupt diese Genossenschaft? Die Netzgehege waren ursprünglich angedacht, uns, der Berufsfischerei, zu helfen. Als der Landesregierung klar wurde, die Berufsfischer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz machen da nicht mit, hat man nach Leuten gesucht für die Genossenschaft, um die Netzgehege in den See bringen zu können.

Hahn: Also, das nur vorneweg: Das Land Baden-Württemberg, weder Minister Hauk noch ich, haben ein primäres Interesse an einer Aquakultur. Sondern: In der Landespolitik ist die regionale Lebensmittelbeschaffung ein Schwerpunktthema. Das Land eruiert (in puncto Aquakultur) das Potenzial und die Möglichkeiten und ist nicht geneigt, Geschäftsstrukturen oder sonst was dahinter zu sehen, das ist nicht unser Job. Eins ist klar: Es geht nicht um 100 Arbeitsplätze (der Berufsfischer).

Sie sagten vorher selbst, Fisch spielt bei der Ernährung keine große Rolle. Aber warum soll dann der Bodensee für eine völlig neue Nutzung geöffnet werden?

Dilger: Und eine Gewässerverschlechterung darf nicht stattfinden! So wird Phosphat, was ja sogar ein Lebensgrundstoff ist, als Gewässerverschlechterung gesehen. Und dann Netzgehege, die wirklich einiges an Gewässerverschlechterung bringen! Das passt doch nicht zusammen.

Hahn: Deswegen waren wir ja in Finnland und haben uns das angeguckt. Es gibt seit 25 Jahren dieses Netzgehege und keine Veränderung (der Wasserqualität), 15 Meter daneben!

In Finnland gibt es unzählige kleine Seen. Kann man das denn übertragen auf den großen, internationalen Bodensee?

Hahn: Das war ein deutlich kleinerer, viel weniger tiefer See. Die Temperatur ist deutlich höher als im Bodensee und deshalb eigentlich viel problematischer, da sich Keime leichter entwickeln können.

Dilger: Aber die finnischen Seen sind ja lange zugefroren. Diese Hochtemperaturen gibt’s sicher nur kurz.

Herr Hahn, mit Ihrer aufgeschlossenen Haltung der Aquakultur gegenüber stehen Sie politisch ziemlich allein da. Netzgehege stoßen quer durch die Parteien auf strikte Ablehnung. Haben die alle keine Ahnung?

Hahn: Zunächst: Die SPD-Landtagsfraktion zum Beispiel hat eine völlig andere Meinung, wie sich Herr Zeller vor Ort verkauft. Und die FDP sieht in ihrem Bundestagswahlprogramm Aquakultur als ein wichtiges Element zur Nahrungsmittelsicherung. Ich sag's mal ganz klar: Je näher ein Thema kommt, umso ernsthafter muss man sich damit auseinandersetzen. Ich tue das sehr ernsthaft, und dass dieses Thema so emotional gehalten wird, tut mir sehr leid, denn es wird aus meiner Sicht stigmatisiert mit Begriffen wie Massentierhaltung, Antibiotika, Gentechnik – die ich auch immer ganz klar ausgeschlossen habe. Ich will eine ökologisch zertifizierte Aquakultur, für die trete ich ein, für die mache ich mich stark. Diesen Unterschied betone ich.

Aber Sie vertreten eine Minderheitenposition, was umso mehr überrascht, da Sie Grüner sind.

Hahn: Ich vertrete auch eine andere Minderheitenposition, die ist aber derzeit leider nicht gesellschaftlich relevant.

Sie meinen damit das Thema Phosphat?

Hahn: Ja, ich bin überzeugt, dass ein Phosphatmanagement machbar ist. Aber dagegen sind derzeit 95 Prozent, zumindest in der Politik. Da bin ich, wie heute, zu jedem Streitgespräch bereit und halte jede Diskussion ganz leicht aus. Aber es ist so, dass da die Reihen um mich gelichtet sind. Trotzdem ist es mir wichtig, dass ich meine Position dezidiert formuliere und damit in den gesellschaftlichen Diskurs gehe und den stehe ich prima durch.

Aber ist es nicht schon so, dass sich viele wundern: Der ist dafür, der Rest seiner Partei und die große Mehrheit dagegen?

Hahn: Ich bin für eine Aquakultur, die sich an den Qualitäten messen lassen muss und für ein Genehmigungsverfahren, das das prüft. Und wenn das nicht geht, dann geht es halt nicht. Ich bin der Letzte, der dann sagt: Ich will das aber trotzdem.

Dilger: Aber was ist, wenn heute festgestellt wird: Es ist ökologisch durchführbar und in zehn Jahren stellt man fest, es geht doch nicht ohne Medikamente? Was ist, wenn die Gehege drin sind und es entwickelt sich negativ? Was ist dann mit unserem See?

Hahn: Natürlich bildet Politik immer eine Ist-Situation ab. Wenn aber in zehn Jahren sich die Welt auf einmal anders rum dreht, dann muss die Politik darauf reagieren.

Dilger: Aber dann ist der Fischwildbestand unter Umständen schon kaputt!

Hahn: Dieses Szenario kann man machen, man kann überall mit Horror arbeiten. Mit Horrorszenarien bringen wir die Welt nicht voran. Ich mache seit 30 Jahren ökologisch verantwortliche, nachhaltige Politik. Es ist doch völlig klar, wir brauchen einen vernünftigen, verantwortlichen Umgang mit unserer Natur. Fisch hat die beste Futterverwertung von allen Tieren. Natürlich geht das nur mit gutem Futter. Das heißt für mich: pflanzlich.

Dilger: Aber pflanzliches Futter hat noch nicht diese Erfahrungswerte. Bei der Zucht von Lachsen sind Veränderungen im Fischfleisch zu beobachten, die gesunden Inhaltsstoffe verändern sich.

Hahn: Die Finnen sind da unheimlich weit! Und Naturland macht Aquakultur mit vielen Fischarten, wobei die ganze Herkunft des Futters ökologisch ist.

Dilger: Aber was ist dann ökologisch? Man muss das Futter herstellen, es teuer kaufen, an den See transportieren. Wenn man eine Lösung fände, dass der Wildfisch wieder mehr Nahrung bekommt, wäre das Geld besser angelegt.

Hahn: Aber diese Fische koten auch in den See!

Dilger: Aber nicht punktuell, das ist ein ganz großer Unterschied!

Hahn: Die Wirklichkeit sieht doch heute so aus: 200 Tonnen Fisch kommen tatsächlich aus dem Bodensee, 600 Tonnen, keine Ahnung, woher. Ein Fisch, der hier mit vernünftiger Nahrung produziert würde, könnte diesen Fisch aus aller Welt um Längen schlagen, was den ökologischen Fußabdruck angeht. Dass ein Fisch aus Wildfang den allerbesten ökologischen Fußabdruck hat, darin sind wir uns einig. Aber die Welt ist nicht so, wie wir sie gerne hätten, sondern es gibt kaum noch Bodenseefelchen. Die Zertifizierung des Wildfischs, das ist ein ganz wichtiges Thema. Denn der hat eine besondere Qualität und das hat einen höheren Preis. Für die meisten Leute sind Felchen Felchen. Darum brauchen wir eine klare Zertifizierung des Wildfangs, weil dieser Blaufelchen eine hohe Identität mit unserem See hat.

Was ist das Besondere am Blaufelchen?

Dilger: Der Blaufelchen ist ein absolutes Alleinstellungsmerkmal, da er nur in ganz wenigen Gewässern vorkommt. Deshalb sollten wir diesen Fisch im See erhalten, als regionale Besonderheit.

Und Sie fürchten negative Folgen für den Blaufelchen durch Netzgehege?

Dilger: Wir haben Sorge, dass in diesen Gehegen Krankheiten oder Parasiten aufkommen, die den Wildbestand angreifen und dezimieren. Wir Fischer wollen die Bevölkerung hier mit Wildfisch ernähren, das ist unser Sinn. Das, was sich die Landesregierung da vornimmt, regionale Ware zu unterstützen, das liefern ja wir Fischer!

Könnte sich die Nahrungslage im See entspannen, wenn, was Forscher andeuten, die Stichlinge zurückgehen?

Dilger: Der Stichling wird sich auf natürliche Weise regulieren.

Hahn: Das sehe ich auch so. Aber abgesehen davon, ist die natürliche Weise vorbei. Es gibt nur noch von Menschen gesteuerte Weisen. Wir haben Verantwortung.

Dilger: Zur Verantwortung: Ich möchte das Thema Abwasser ansprechen: Jede Zucht hat da strenge Vorschriften und muss ihr Abwasser reinigen, bevor es in den Kreislauf zurückgeht. Aber bei den Netzgehgen soll das dann der See selber regeln, wie ist das zu rechtfertigen? Warum geht man dieses Risiko ein? Und da die Setzlings-Aufzucht sowieso an Land stattfinden muss: Wieso zieht man den Fisch nicht gleich ganz (in Zuchtanlagen) an Land groß?

Ich habe diese Frage im Mai dem Landwirtschaftsministerium gestellt, da hieß es, das sei derzeit noch zu teuer.

Hahn: Die Fragen des Abwassers und des Risikos sind schon sehr wichtig. Aber wenn's einen Starkregen gibt, dann haben wir Nährstoffeinträge direkt in den See, die viel höher sind als die von einer Aquakultur, über Jahre hinweg.

Das ist höhere Gewalt der Natur. Aber würde Aquakultur den See nicht zusätzlich belasten?

Hahn: Aus meiner Sicht kann der See das, er ist so groß, dass das für ihn kein Thema ist. Deswegen wäre auch ich für ein Phosphat-Management wie ja auch Frau Dilger. Den zusätzlichen Nährstoffeintrag kann ich ja errechnen, wenn ich sehe, wie die Futterverwertung ist.

Dilger: Ja, man kann alles errechnen, aber gibt es wirklich Erfahrungen?

Hahn: Ja, die Erfahrungen sind da und man sieht ganz deutlich, dass direkt neben diesen Aquakulturen keinerlei Erhöhungen messbar sind.

Dilger: Ich sage: Man kann das nicht errechnen und abschätzen, was passiert!

Hahn: Die Wissenschaftler werden es ausrechnen. Ich sage ja nur das: Ich will ein faktenbasiertes Genehmigungsverfahren und nicht ein pauschales Nein auf emotionaler Grundlage! Deshalb war ich gegen diese Resolutionen. Ich halte es für Unsinn, in der Form Politik zu machen für etwas, das einfach sehr an der Sache orientiert sein müsste.

Dilger: Aber die Politiker sind doch Volksvertreter und da, um die Meinung des Volkes ernst zu nehmen. Die Leute am See wollen keine Netzgehege und das ist auch der Grund für die Resolutionen dagegen. Ich habe keinen dazu aufgefordert, ich informiere die Leute und dann kommen Bedenken und diese Resolutionen. Das ist die Realität, wie die Bevölkerung hier am See ist.

Hahn: Was die Bevölkerung denkt, wissen wir zu diesem Thema nicht. Wir haben noch keine Abstimmung oder Befragung. Wir wissen, was die Fischer denken, was die Gemeinderäte denken.

Dilger: Und würde man jetzt die Bevölkerung nicht informieren, dann käme die Entscheidung der Landesregierung und in drei Jahren hätten wir Netzgehege!

Hahn: Die Landesregierung beschließt nicht, dass es Netzgehege gibt. Die Landesregierung prüft ein Verfahren, aber wir beschließen nichts. Ich bekomme mindestens so viele Zuschriften von Leuten, die sich über eine differenzierte Position freuen. Darum mache ich mir auch überhaupt keine Sorgen, und ich nehme meine Aufgabe als Volksvertreter sehr ernst. Das dürftest du wissen aus der letzten Legislaturperiode, dort habe ich dich auch ernst genommen, obwohl die politische Mehrheit ganz woanders war.

Dilger: Ja, das stimmt.

Aber, anders als beim Phosphat, sind Sie beide sich bei den Netzgehegen uneins.

Dilger: Wenn die Landesregierung die Netzgehege nicht forcieren würde, wäre das Thema schon gestorben.

Hahn: Das, was die Landesregierung weiter forciert, wollen die Berufsfischer und willst auch du gar nicht!

Dilger: Was will die Landesregierung?

Hahn: Sie will null Eintrag im Bodensee.

Aber warum öffnet man dann eine neue Tür für Aquakultur?

Hahn: Ich weiß nicht, ob diese Tür geöffnet wird. Ich setze mich dafür ein, das zu prüfen. Ich glaube nicht, dass es zu Netzgehegen kommen wird, leider.

Leider?

Hahn: Ja, weil ich das für ein wichtiges Thema halte! Die Leute kaufen ihren Pangasius im Laden und sagen: Unser See ist doch schön. Verantwortung sieht anders aus. Und das Schlagwort „Massentierhaltung“ bei Fisch gehört in die Mottenkiste der Polemik.

Essen Sie beide eigentlich Zuchtfisch?

Hahn: Ich bin ganz ehrlich: Ich kaufe zwar regelmäßig bei Fischern, aber das gelingt mir zeitlich relativ selten. Auch ich kaufe im Supermarkt ein, wenn möglich Follow-Fish-Produkte.

Dilger: Ich kaufe insgesamt sehr regional ein. Ich esse zu 90 Prozent wirklich Bodenseefisch, aber im Restaurant auch mal was anderes. Wir Berufsfischer haben nichts gegen Zuchtfisch. Aber eine Zucht von Felchen im Bodensee wollen wir nicht. Die Landesregierung soll erforschen, wie der See wieder produktionstüchtiger werden kann. Der Bodensee liefert regionalen, von Natur aus ökologischen und tierfreundlich herangewachsenen Wildfisch.

 

Zu den Personen

Elke Dilger, 48, trat als Ältere von zwei Töchtern des Meersburger Fischers Berthold Klingenstein beruflich in dessen Fußstapfen. Nachdem sie bereits eine Ausbildung zur Restaurantfachfrau absolviert hatte, wurde sie Fischwirtschaftsmeisterin. Der Verband Badischer Berufsfischer wählte Dilger, die bisherige Schriftführerin, am 8. März 2017 einstimmig zur neuen Vorsitzenden. Dilger ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne.

Martin Hahn, 54, Bio-Landwirt aus Überlingen-Bonndorf, sitzt seit 2011 als Abgeordneter des Bodenseekreises für die Grünen im baden-württembergischen Landtag. Bei der Wahl 2016 errang er das Direktmandat. Hahn ist Vorsitzender des Ausschusses für den ländlichen Raum und Verbraucherschutz, außerdem gehört er dem Ausschuss für Wirtschaft, Wohnungsbau und Arbeit an. Hahn ist verheiratet und hat vier erwachsene Töchter aus erster Ehe. Mit seinen Aussagen liegt Hahn nicht auf offizieller Fraktionslinie der Grünen im Landtag. (flo)

 

Aquakultur im Bodensee

Netzgehege sind schwimmfähige Anlagen zur Fischzucht in offenen Gewässern. In Finnland etwa sind sie zur Felchenzucht seit Jahren in Gebrauch. Für einen eventuellen Einsatz im Bodensee, den das baden-württembergische Landwirtschaftsministerium befürwortet, sind derzeit zwölf Netzgehege anvisiert, um jährlich insgesamt rund 600 Tonnen Sandfelchen zu erzeugen. Der Blaufelchen, der „Brotfisch“ der Fischer, eignet sich nicht zur Zucht.

Den Erstbesatz zieht die staatliche Fischbrutanstalt in Langenargen bereits heran. Jeder eingesetzte Fisch würde vorher geimpft werden. Zuchtanlagen an Land sind laut Peter Dehus, Fischereireferent im Landwirtschaftsministerium, derzeit noch unausgereift sowie unökologisch und auch zu teuer, da sie erhebliche Energiemengen benötigten. Was die Felchenproduktion im See angehe, so Dehus, werde diese, wie jede andere Nutzung des Bodensees, „natürlich begrenzt sein.“ Wie das genau aussehen werde, sei juristisch noch zu klären. Einen Alleingang Baden-Württembergs in Sachen Aquakultur schließt Dehus aus.

Es ist vorgesehen, die Netzgehege aufgrund der Strömungsverhältnisse im Überlinger See auszubringen. Die vor einigen Monaten ins Leben gerufene Genossenschaft „RegioBodenseeFisch“ mit derzeit rund 15 Mitgliedern will die Felchenzucht starten, muss dafür aber erst entsprechende Genehmigungen beantragen. Laut Aussage der Genossenschaft ist geplant, in einem ersten Schritt zwei Netzgehege als Pilotanlage zu betreiben, erst in einem zweiten Schritt sollen dann zehn weitere Netzgehege errichtet werden. Jedoch lehnt die große Mehrheit der Berufsfischer rund um den See Netzgehege ab und wird dabei von rund 30 weiteren Organisationen, darunter Angler-, Umweltschutz- und Wassersportverbände, unterstützt. Aber etwa auch das Land Bayern, die Bodensee-Wasserversorgung, die Kreistage des Kreises Konstanz und des Bodenseekreises sowie etliche Anliegergemeinden sprechen sich klar gegen Aquakultur im See aus. Interesse daran signalisiert hingegen die Gastronomie.

Dateiname : Aquakultur-Statement von Martin Hahn
Dateigröße : 49.92 KBytes.
Datum : 19.12.2017 19:15
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Dateiname : Expertise von Elke Dilger
Dateigröße : 3.51 MBytes.
Datum : 19.12.2017 19:14
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